Slow Food, was soviel heißt wie "langsames Essen", wurde am 10. Dezember 1989 in Paris gegründet. Seine Wurzeln aber hat die Bewegung in Italien, das Mitte der 1980er Jahre von einem Skandal um Methanol-verseuchten Wein erschüttert wurde und wo sich zur gleichen Zeit Protest gegen ein Fast-Food-Restaurant in der Altstadt von Rom formierte. All dies beflügelte die spätere Gründung von Slow Food mit dem Ziel, den Genuss des Essens und die regionalen kulinarischen Traditionen zu fördern und das Bewusstsein für die Herkunft von Lebensmitteln zu stärken.
Heute hat die Organisation weltweit mehr als 90.000 Mitglieder, davon rund 10.000 in Deutschland, wo es die Bewegung seit 1992 gibt. In Italien betreibt die Organisation sogar eine eigene Universität der gastronomischen Wissenschaften. Slow Food will indes nicht nur Fast Food und dem hektischen Leben die Stirn bieten. Vielmehr unterstützt die Organisation auch regionale Kleinerzeuger und bemüht sich um die Erhaltung lokaler Wurstwaren oder Käsesorten. Zudem kämpft sie dagegen an, dass bei vielen Menschen das Interesse an der Herkunft ihres Essens immer mehr schwindet.
"Gutes, sauberes und faires Essen" - das ist das Schlüsselwort von Slow Food. Essen soll nicht nur schmecken, sondern auch so hergestellt werden, dass es weder der Umwelt noch der Gesundheit schadet. Lebensmittelhersteller sollen eine faire Bezahlung für ihre Produkte erhalten. Mit dem Projekt "Arche des Geschmacks" will Slow Food zudem weltweit Nutzpflanzen und Nutztiere vor dem Aussterben und regionale Speisen vor dem Vergessen retten. In Deutschland sind dies unter anderem das Bunte Bentheimer Schwein, der "Angeliter Tannenzapfen", eine seltene Kartoffel, oder die "Ahle Wurscht" aus Nordhessen.
In den vergangenen Jahren hat die Bewegung in Deutschland, die sich auf regionaler Ebene in sogenannten Convivien organisiert, deutlichen Zulauf erhalten. Seit 2004 hat sich die Mitgliederzahl mehr als verdoppelt. Auch Grünen-Chefin Claudia Roth, Kameramann Michael Ballhaus und mehrere Sterneköche zählen zu den Unterstützern. Slow-Food-Hochburgen sind München, der Raum Mainfranken/Hohenlohe und Berlin. Aber auch Ostdeutschland hat mächtig aufgeholt.
"In der Vergangenheit galt Slow Food als abgeschlossener Zirkel, der sich zum Essen verabredet", sagt Ulrich Rosenbaum, Koordinator in Berlin. Doch Slow Food ist inzwischen weit mehr. Die Organisation knüpft Netzwerke zwischen Produzenten, Händlern, Gastronomen und Verbrauchern. Die Mitglieder organisieren Kinderkochkurse und fahren zu Lebensmittelerzeugern aufs Land. Außerdem betreibt die Organisation politische Lobbyarbeit und setzt sich unter anderem in Zusammenarbeit mit Umweltverbänden seit Jahren gegen Gentechnik in Lebensmitteln ein. Jedes Jahr veranstaltet Slow Food zudem eine eigene Messe in Stuttgart.
Zur Klientel zählten vor allem diejenigen, "die ihre Lebensmittel ohnehin bewusst einkaufen und sich bewusst ernähren", meint Rosenbaum. "Man kann nicht eine künstliche Massenbewegung daraus machen." Das 20-jährige Jubiläum der internationalen Bewegung könnte das Bewusstsein für das tagtägliche Essen allerdings weiter stärken. Mit einem klassischen Missverständnis räumt Slow Food indes auf: Wer mitmachen will, muss nicht unbedingt kochen können. Hauptsache, es schmeckt. (aw.yoopress)




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