Immer mehr Kinder wegen Alkoholmissbrauchs im Krankenhaus

Mittwoch, 16. Dezember 2009 | 10:05 Uhr | A.WIRTZFELD | STATISTISCHES BUNDESAMT
Quelle: AFP
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Bei den Kindern steig der Prozentsatz von Patientinnen um 22 Prozent, bei den Patienten um 16 Prozent

DEUTSCHLAND (Wiesbaden) - Immer mehr Kinder und Jugendliche landen volltrunken im Krankenhaus. Im vergangenen Jahr wurden rund 25.700 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 20 Jahren stationär in einer Klinik behandelt und damit elf Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), forderte Ausweiskontrollen für unter 25-Jährige.

Im Vergleich zum Jahr 2000 stieg die Zahl der Behandlungen wegen Alkoholmissbrauchs bei Kindern und Jugendlichen sogar um 170 Prozent. Damals wurden rund 9500 junge Patienten mit der Diagnose "akute Alkoholintoxikation" stationär behandelt. Bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 15 und 20 Jahren kamen mit einem Anteil von 64 Prozent mehr Männer wegen Alkoholmissbrauchs ins Krankenhaus. Bei den Kindern von zehn bis 15 Jahren waren dagegen mit einem Anteil von 53 Prozent mehr Mädchen betroffen.

In beiden Altersgruppen stieg jedoch im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Patientinnen stärker als die der Patienten: In der Altersgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen erhöhte sich die Zahl der jungen Frauen um zehn Prozent, die der jungen Männer um neun Prozent. Bei den Kindern betrug der Anstieg bei den Patientinnen 22 Prozent und bei den Patienten 16 Prozent.

Die Drogen beauftragte Dyckmans forderte verstärkte Anstrengungen gegen Alkoholmissbrauch. Noch nie habe sich eine so große Zahl von Kindern und Jugendlichen "derart hemmungslos" betrunken, erklärte Dyckmans. Gegen das Rauschtrinken dieser ständig wachsenden Gruppe müsse mehr getan werden. Die Drogenbeauftragte sprach sich dafür aus, dass eine Ausweiskontrolle beim Alkoholkauf bis zu einem geschätzten Alter von 25 Jahren selbstverständlich werde. Zudem müsse die Alkoholprävention an Schulen weiter gefördert werden. Auch die Eltern müssten verstärkt einbezogen werden.

Die Deutsche Kinderhilfe warf Bund und Ländern vor, bislang zu wenig getan zu haben. Welches Ausmaß müsse der Alkoholkonsum bei Kindern und Jugendlichen noch annehmen, damit sich die Politik dieses offenkundigen Missstandes in der Gesellschaft endlich annehme, fragte der Kinderhilfe-Vorsitzende Georg Ehrmann. Der Verein forderte unter anderem ein nächtliches Alkoholsverkaufsverbot. In vielen europäischen Ländern sei dies bereits Standard. In Deutschland habe ein solches Verbot bislang nur Baden-Württemberg beschlossen. (aw.yoopress)

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