Berlin will die bundesweite Initiative für mehr Transparenz in der Gastronomie vorantreiben. Die Stadt hat in dieser Woche die ersten Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen unter der Adresse www.berlin.de/sicher-essen ins Internet gestellt. Schon im Mai hatten sich die Verbraucherschutzminister der Länder geeinigt, deutschlandweit ein neues System am 1. Januar 2012 einzuführen. Geplant ist neben der Online-Datenbank die sogenannte Restaurantampel: Auf einer Farbskala, die von Grün über Gelb bis Rot geht, sollen die Gäste ablesen können, wie sauber ein Betrieb ist. Musterbetriebe sehen grün, schimmelige Ekelbuden rot. Restaurant- und Kneipenbetreiber müssen die Bewertung in den Eingangsbereich hängen, Lieferdienste müssen sie auf ihre Homepage stellen.
Bei den Kontrollen achten die Prüfer darauf, ob die Vorschriften zur Sauberkeit und Hygiene in allen Räumen eingehalten werden, in denen Lebensmittel verarbeitet oder angeboten werden. Überprüft werden auch Maschinen und Geräte sowie Pack- und Reinigungsmittel auf ihre hygienische Beschaffenheit und Eignung. Gegebenenfalls werden Proben für Laboruntersuchungen entnommen. Bisher wurden die Ergebnisse unter Verschluss gehalten.
In Berlin haben bisher drei Bezirke die Akten geöffnet: Pankow, Lichtenberg und Tempelhof-Schöneberg. Die Ampel gibt es noch nicht, nur ein Zertifikat in unauffälligem Weiß, das die Betriebe freiwillig aufhängen können. In Pankow gibt es seit zwei Jahren ein Smiley-System. Den bekommen die vorbildlichen Betriebe. Aus unhygienischen Gaststätten veröffentlich das Bezirksamt Ekel-Fotos im Internet.
Nach dem Beschluss im Mai begrüßte der Bundesverband Verbraucher Initiative die Ampel: "Vorbildliche Betriebe können mit ihren Leistungen werben, weniger gute haben Anreize zum Besserwerden und die schwarzen Schafe können sich nicht länger verstecken." Doch es regt sich auch Widerstand: Im Juni sprachen sich die Landeswirtschaftsminister gegen das System aus. Eine solche Ampel habe lediglich eine "Pranger-Wirkung", biete aber keinen zusätzlichen Nutzen für den Verbraucherschutz, erklärte Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Jost de Jager (CDU). Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) hält die bestehenden Gesetze und Sanktionsmöglichkeiten für ausreichend.
Die Verbraucherschutzminister wollen die Initiative hingegen langfristig ausweiten: Auch Metzgereien und Bäckereien, Cateringdienste, Einzelhändler, Verarbeitungsbetriebe und Wochenmarktstände sollen eine Ampel bekommen. Vorbild für die neue Offenheit ist Dänemark. Dort arbeiten die Behörden mit Smileys, welche die Betriebe gut sichtbar aufhängen müssen. Nordrhein-Westfalen hat ein ähnliches System in abgeschwächter Form eingeführt.
Bei Gästen kommt die Hygiene-Bewertung gut an: "Von Lokalen mit schlechter Note würde ich mich fernhalten", sagt Kai Friedel. Er kommt einmal pro Woche ins "City Chicken" in Berlin. "Für mich reicht schon eine unhygienische Kleinigkeit in einem Betrieb, dann gehe ich nicht mehr hin." Inhaber Levent Kargin hat ihn bislang noch nicht enttäuscht. "Für mich ist die gute Note der Lohn für meinen Fleiß", sagt Kargin. "Da sieht man, wer zu 100 Prozent hinter seinem Laden steht - und wer einfach denkt, er könnte mal 'ne Dönerbude aufmachen." (red.yoopress)




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