"Es ist ein bekanntes Syndrom", sagte Cohen der gegenüber der Presse: "Die Leute ahmen ihren Chef nach. In diesem Fall hat der Chef abgenommen und achtet auf sein Image." Presseberichten zufolge hat Sarkozy seit seinem Amtsantritt im Mai 2007 gut sieben Kilo abgespeckt - vor allem, seit er mit dem gertenschlanken früheren Topmodel Carla Bruni zusammen ist. Damit scheint der Präsident einen regelrechten Diätwahn in seinem Kabinett ausgelöst zu haben: Auf "Vorher-Nachher"-Fotos ist zu sehen, dass auch mehrere Regierungsmitglieder inzwischen deutlich schlanker geworden sind.
Am auffälligsten ist die Verwandlung von Innenminister Brice Hortefeux, einem alten Freund von Sarkozy. Medienberichten zufolge hält sich der Minister an eine strenge Diät aus Suppe, Magermilchjogurt und roten Beeren. Aber auch Einwanderungsminister Eric Besson, die attraktive schwarze Sportministerin Rama Yade und der Vorsitzende von Sarkozys Regierungspartei UMP, Xavier Bertrand, haben ihre Ernährung umgestellt. "In aller Diskretion", betont Cohen.
Das neue Gesundheitsbewusstsein wirkt sich natürlich auf die Tischgewohnheiten des Kabinetts aus. "Früher bestand ein typisches Essen aus Lammbraten mit Bohnen, Apfelkuchen und einer halbe Flasche Rotwein", berichtet der Ernährungsexperte. Damit sei jetzt Schluss. Angesagt seien stattdessen kalorienarme Hummer-Terrinen, Salat mit Flusskrebsen und Mineralwasser.
Sarkozy hat lange an einem kämpferisch-dynamischen Image gearbeitet. Gleich nach seiner Amtsübernahme eilte er die Stufen des Elyséepalastes im Joggingdress hoch. Doch erst nach der Scheidung von seiner zweiten Frau Cécilia wurde es wirklich ernst mit dem Fitness-Trip. "Es geht ihm eben wie jedem anderen auch", meint Cohen: Nach der Trennung von seiner Frau habe Sarkozy sich aufrappeln und sich seiner Attraktivität neu versichern müssen.
Eine neue Dimension habe dies nach der Heirat mit Bruni erreicht - die 13 Jahre jüngere "First Lady" sei als langjährige Laufstegschönheit eine echte Expertin in Ernährungsdingen. Motiviert wurde Sarkozy möglicherweise auch durch hämische Kommentare über ein Illustriertenfoto, das ihn im Sommerurlaub 2007 in Badehose zeigte und auf dem mehrere Speckröllchen wegretuschiert werden mussten.
Während US-Präsidenten von John F. Kennedy bis Barack Obama von jeher auf ihre Linie achteten, sei das neue Körperbewusstsein in Frankreich eine "kleine Revolution", sagt Cohen. Lange Zeit habe dort ein großzügiger Leibesumfang - zumindest bei Männern - eher als vertrauenerweckend gegolten. Doch nun sei es besser angesehen, den eigenen Körper unter Kontrolle zu halten und schlank zu bleiben. Übergewicht gelte geradezu als unmoralisch.
Gerüchten zufolge soll Sarkozy vor der Regierungsumbildung im Juni einem Möchtegern-Minister geraten haben, erst mal seine Haare schneiden zu lassen und ein paar Kilo abzunehmen. Geschasst wurde das letzte rundliche Kabinettsmitglied - der Staatssekretär für den öffentlichen Dienst, André Santini. Ende des Jahres will die Pariser Regierung eine Kampagne gegen Fettleibigkeit starten. "Wer dann noch zu dick ist, wird als Versager dastehen", prophezeit Cohen. (aw.yoopress)




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