"Das hier angebotene Fleisch ist als halal zertifiziert", steht an der Tür des Quick-Restaurants im nordfranzösischen Roubaix. Es ist eines von landesweit acht Filialen der Kette, in denen ausschließlich Fleisch von Tieren in die Burger kommt, die nach islamischen Vorschriften geschlachtet wurden. Bei über fünf Millionen Muslimen in Frankreich ist das kein abwegiger Gedanke: Der französische Markt mit Halal-Lebensmitteln wird inzwischen auf über fünf Milliarden Euro geschätzt - er ist damit doppelt so groß wie der für Bio-Produkte.
"Es stört mich nicht, dass es ein Halal-Angebot gibt", sagt der sozialistische Bürgermeister von Roubaix, René Vandierendonck. "Aber es geht zu weit, wenn man nur das serviert." Im Zentrum der 100.000-Einwohnerstadt sei Quick das einzige Fast-Food-Restaurant. Nicht-muslimische Kunden hätten damit keine Wahl mehr und würden ausgegrenzt. Deshalb habe er am Donnerstag Beschwerde wegen Diskriminierung eingelegt.
Aus der konservativen Regierungspartei UMP kommt gleichfalls reihenweise Protest. Es sei "skandalös", dass Quick seinen Kunden keine Alternative lasse, sagte der UMP-Abgeordnete Richard Mallié. "Es wird keinen Frühstücksspeck mehr geben, sondern nur noch Pute für alle." Mehrere UMP-Vertreter riefen zum "Boykott" der Kette auf.
"Big Mecque", taufte die Presse die Affäre inzwischen - nach dem Namen eines Burgers des Quick-Konkurrenten McDonald's und dem französischen Wort für Mekka. Losgetreten hatte die Debatte die rechtsextreme Partei Front National (FN). Die Halal-Burger bei Quick stünden für eine "immer schneller voranschreitende Islamisierung" der französischen Gesellschaft, sagte ihre Vize-Präsidentin Marine Le Pen. Es ist wohl kein Zufall, dass die ausländerfeindliche Partei damit kurz vor der Regionalwahl im März in die Medien ging. Die Halal-Restaurants bei Quick gibt es jedenfalls schon seit Ende November.
Der französische Muslimrat CFCM forderte umgehend ein Ende der Debatte. "Die Lage ist sehr beunruhigend", sagte sein Vize-Präsident Chems-Eddine Hafiz AFP. Die Angriffe seien der wiederholte Versuch von Politikern vor Wahlen, "den Islam zu stigmatisieren". Denn heftig gestritten wurde in Frankreich bereits in den vergangenen Wochen über ein Verbot der Vollverschleierung muslimischer Frauen, das die Regierung voraussichtlich einführen wird. "Hätte ein Quick, der ausschließlich mexikanische oder chinesische Gerichte anbietet, eine solche Medienresonanz gefunden", fragte die Website Al-Kanz.org, die auf muslimische Konsumenten spezialisiert ist. "Nein, natürlich nicht."
Der Filial-Leiter des Quick-Restaurants in Roubaix, Luc Demain, stellt unterdessen nur "eine leichte Erhöhung der Kundenzahl" fest. Beschwerden habe es nicht gegegeben. "Mir ist es egal, ob ich halal esse, das ist nur eine Tradition", sagt der 19-jährige Student Hugo Revel, der kein Muslim ist, als er das Restaurant verlässt. "Und wenn ich Speck will, dann brat' ich mir den zuhause." (red.yoopress)




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