Großdemonstration in Berlin gegen industrielle Landwirtschaft

Sonntag, 23. Januar 2011 | 10:41 Uhr | RED.YOOPRESS | POLITIK
Quelle: AFP
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Agrarminister für stabilere Lebensmittelpreise (Foto: wir-haben-es-satt.de)

DEUTSCHLAND (Berlin) - Ein breites Bündnis von Bauern, Umweltschützern und Verbrauchern hat am Samstag in Berlin für eine grundlegende Reform der Agrarpolitik demonstriert. Mit über 50 Traktoren zogen die Demonstranten zu einer Abschlusskundgebung vor dem Brandenburger Tor. Auf einem Gipfeltreffen in Berlin erklärten Landwirtschaftsminister aus 50 Ländern, verstärkt gegen die starke Schwankung von Lebensmittelpreisen vorgehen zu wollen.

An der Demonstration nahmen nach Veranstalterangaben 22.000 Menschen teil, die Polizei sprach von 15.000 Teilnehmern. Der Protest richtete sich gegen die industrielle Landwirtschaft, gegen Gentechnik und Massentierhaltung. Als Konsequenz aus dem Dioxin- und anderen Lebensmittelskandalen forderten die Demonstranten, Bundesregierung und EU sollten statt Agrarfabriken die bäuerliche Landwirtschaft fördern.

"Der aktuelle Dioxin-Skandal macht den Reformstau in der Landwirtschaftspolitik schlagartig deutlich", sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Ohne eine grundlegende Agrarreform in Europa werde die Bundesregierung "schon beim nächsten Lebensmittelskandal wieder ins Schlingern" geraten.

Beim dritten internationalen Agrarministergipfel unterstützten die Minister den Vorschlag des französischen Ressortchefs Bruno Le Maire, die Themen Nahrungsmittelsicherheit und Lebensmittelpreise auf die Agenda der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G-20) zu setzen. "Wir müssen die Preisvolatilität bekämpfen", sagte Le Maire. Sie sei ein Problem für Landwirte und Verbraucher weltweit. Frankreich hat derzeit den G-20-Vorsitz inne.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) sagte, es sei wichtig, dass die Welternährung auf der internationalen Bühne eine wichtigere Rolle spiele. In der Abschlusserklärung des Gipfels drückten die Minister ihre Sorge über "exzessive Ausprägungen von Preisvolatilität und Spekulation auf Agrarmärkten" aus. Diese könnten eine "Bedrohung für die Ernährungssicherung darstellen".

Bei dem Treffen anlässlich der Grünen Woche ging es um die Frage, wie weltweit genug Nahrungsmittel zu bezahlbaren Preisen verfügbar gemacht werden können. Steigende Lebensmittelpreise hatten in den vergangenen Wochen die Sorge vor einer neuen Nahrungsmittelkrise wachsen lassen.

Grünen-Agrarexperte Friedrich Ostendorff sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Abschlusserklärung gehe "in die richtige Richtung", etwa bei der Unterstützung einer nachhaltigen und regionalisierten Landwirtschaft. Die Agrarexpertin der Hilfsorganisation Oxfam, Marita Wiggerthale, bemängelte, in Bezug auf die Handelspolitik sei die Erklärung "enttäuschend". So würden die Agrarsubventionen der Industrieländer und die negativen Auswirkungen dieser "Dumpingpolitik" auf die Entwicklungsländer nicht erwähnt. (red.yoopress)

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