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DEUTSCHLAND

Grüne Blüten bei den Staatsweingütern in Rheinland-Pfalz?
Weinbauministerin Ulrike Höfken macht sich für die Ökolinie der Rheinland-Pfälzischen Staatsweingüter stark (Foto: MULEWF – Herbert Piel)

DEUTSCHLAND (Mainz) - Die Mühlen staatlicher Institutionen mahlen manchmal langsam. „Staatsweingut Bad Kreuznach stellt auf Ökowein um“, vermeldete dieser Tage das rheinland-pfälzische Weinbauministerium. „Die Weichen für den ersten Ökowein aus einem Staatsweingut sind gestellt.“ Fragt sich nur, warum erst jetzt.

 

Bereits in den sechziger Jahren gab es die ersten Öko-Winzer in Rheinland-Pfalz. In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts formierten sich dann einige Dutzend „grüne“ Weinerzeuger überwiegend aus diesem Bundesland zum Bundesverband ökologischer Weinbau, aus dem sich später die Vereinigung Ecovin entwickelte, in der heute die meisten Bio-Winzer Deutschlands vereint sind. Auch der noble Verband der deutschen Prädikatsweingüter gab sich vor rund 20 Jahren einen Ruck, als er in Michael Prinz zu Salm-Salm einen ökologisch orientierten Präsidenten bekam, der im Lauf der Jahre eine Reihe von Berufskollegen zur Umstellung motivierte.

Nun ist also endlich der Staat aktiv geworden. Was sicher damit zusammen hängt, dass eine Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen für den Weinbau zuständig ist. „Die Entscheidung für Bad Kreuznach wurde auf Ministeriumsebene getroffen“, teilt dazu die Pressestelle mit. Ulrike Höfken nennt sich inzwischen, wie ihre Vorgänger, wenn es angebracht ist, einfach nur noch Weinbauministerin, obwohl zu ihrem Ressort noch die Bereiche Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung und Forsten gehören.

Hendrik Hering (SPD) und Hans-Artur Bauckhage (FDP), die vorher dieses Amt bekleideten, knüpften zwar ebenfalls enge Bande zum Wein. Aber dass Staatsbetriebe auf diesem Feld aktiv wurden, war bei ihnen nicht der Fall. Kleine Ausnahme: Bei der Domäne in Oppenheim werden seit einigen Jahren im Rahmen des Versuchswesens ökologisch orientierte Maßnahmen auf Teilflächen durchgeführt. Die Endprodukte werden indes nicht als Ökowein vermarktet, sondern zusammen mit konventionell erzeugten Weinen vermarktet.

Aus Bad Kreuznach werden nicht sofort Ökoweine kommen. Der 19-Hektar-Betrieb mit Schwerpunkt Riesling (55 Prozent Flächenanteil) ist erst mal in der Umstellungsphase. Er wird frühestens ab dem Jahrgang 2015 ein zertifizierter Ökobetrieb sein. Derzeit sind das in Rheinland-Pfalz, dem größten weinbautreibenden deutschen Bundesland (rund 70 Prozent der Fläche), 367 Betriebe, die rund 4000 Hektar bewirtschaften.

Qualitativ ist das Staatsweingut schon seit einigen Jahren auf einem guten Weg. Ein Auslöser für die Umstellung war auch, dass das Staatsgut praktisch Bestandteil des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Rheinhessen-Nahe-Hunsrück ist, dem größten Schulstandort des Landes. Diese Einrichtung ist auch zentrale Anlaufstelle für Erzeuger, die auf ökologische Produktion umstellen wollen.

Bleibt die Frage, ob in den weiteren weinbaulichen Staatsbetrieben des Bundeslandes irgendwann grüne Blüten treiben? Es gibt noch als Lehr- und Versuchsbetrieb einen Standort in Bernkastel-Kues an der Mosel sowie in Neustadt/Weinstraße in der Pfalz, dazu ein Staatsweingut in Trier. Für die Pfalz und die Mosel ist, so heißt es auf Nachfrage, keine Umstellung geplant. Gründe dafür werden nicht genannt. Nur der Wirtschaftsbetrieb des Trierer Gutes prüft nach Information aus dem Ministerium derzeit Entwicklungsmöglichkeiten im Öko-Segment.

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