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Rheinhessen-Silvaner schrumpft

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07:30
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DEUTSCHLAND

Rheinhessen-Silvaner schrumpft
Vielleicht rettet ein intelligenter Relaunch die Traditionsmarke (Foto: RS Rheinhessen Silvaner)

DEUTSCHLAND (Rheinhessen) - Er war mal bei seiner Geburt im Jahr 1985 ein Vorzeigewein für das damals darbende, geringschätzig betrachtete größte deutsche Anbaugebiet (das heute als Aufsteiger-Region gilt). Der Rheinhessen-Silvaner, kurz „RS“ genannt, wurde nie zum qualitativen Überflieger, lieferte aber in der Regel stets korrekte Basisweine zum fairen Preis, trocken ausgebaut, meist etwas mit natürlicher Kohlensäure belebt. Über 50 Betriebe machten einst mit – und mit ihm durchaus gute Geschäfte. Er gab dem im Gebiet wichtigen, aber von den Winzern meist billig verschleuderten Silvaner (immer noch knapp 2500 ha Rebfläche) positive Schubkraft.

 

Aber jetzt ist die Marke wohl in die Jahre gekommen. Als vor wenigen Tagen die aktuelle Kollektion des „RS“ vorgestellt wurde, war die Zahl der teilnehmenden Betriebe gegenüber dem schon schwachen Vorjahr nochmal um 50 Prozent geschrumpft. Lediglich zehn Erzeuger machten mit. Dass noch 40 000 Flaschen zusammen kommen, ist vor allem dem Posthof der Familien Doll & Göth in Stadecken-Elsheim zu verdanken, der allein 12 000 Flaschen abfüllt und seit Jahren mit Abstand auflagenstärkster RS-Vermarkter ist. Zwei weitere Betriebe (Bungert-Mauer in Ockenheim und die Staatliche Domäne in Oppenheim) sind noch mit jeweils 5 000 Flaschen dabei.

Die Domäne ist der einzige Betrieb, der dem Verband der Prädikatsweingüter (VDP) angehört; sie blieb wohl nur deshalb im Spiel, weil sie sich als Staatsgut schlecht ausklinken kann. Für Stars wie Keller, Wittmann, Battenfeld-Spanier, Kühling-Gillot und Wagner-Stempel war der RS noch nie ein Thema. Sie und andere Topbetriebe streben mit dem Silvaner allenfalls eine hochwertige Variante an, die sich auf dem Niveau eines Großen Gewächses befindet (das aber bislang in Rheinhessen nicht eingeführt ist).

Ein Hauptgrund für die ablehnende Haltung der Branche ist einmal sicher die Neuorientierung der Winzerschaft, die sich in der Deklaration zunehmend an die Klassifikation des VDP mit Gutswein, Ortswein und Lagenwein anlehnt. Der RS hat hier ebenso wenig Platz wie in den Kollektionen von Betrieben, die inzwischen gut mit dem Fachhandel zusammen arbeiten. Bernd Kern, Geschäftsführer von Rheinhessenwein in Alzey, der den RS mit seiner Organisation werblich betreut, musste von einigen jüngeren Winzern hören, dass der Handel auf einheitliche Ausstattungen setzt und die Marke hier nur stört.

Jetzt wird überlegt, ob man von der gleichen Ausstattung für alle Beteiligten künftig abweichen soll. Ein Vorbild ist die wertige Rheinhessen Selection. Hier können die Erzeuger ihre normalen Etiketten verwenden, mit einem Selections-Zeichen auf dem Flaschenhals. Vielleicht rettet ein solcher Relaunch die Traditionsmarke.

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