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Ahrwinzer setzen flächendeckend auf Pheromone

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07:30
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DEUTSCHLAND

Ahrwinzer setzen flächendeckend auf Pheromone
Laut Ministerin Ulrike Höfken wird der Pheromoneinsatz auch im Jahr 2014 weiter gefördert. (Doppelampulle Pheromon RAK BASF © Roger Kreja, Stuttgart)
According to Minister Ulrike Höfken the pheromone use is further promoted in the year 2014. (© Roger Kreja, Stuttgart)

DEUTSCHLAND (Bad Neuenahr - Ahrweiler) - Diese Meldung aus dem Weinbaugebiet Ahr klingt gut: „Als erste Weinregion Deutschlands verzichtet das Ahrtal flächendeckend auf den Einsatz von Insektiziden und macht am 19. April einen großen Schritt in Richtung nachhaltiger Weinbau.“ Was passiert, ist dies: Rund 500 Winzer werden in den Weinbergen ausschwärmen und bis zu 200 000 Dispenser des sogenannten „Pheromonverwirrungsverfahrens RAK“ an den Reben aufhängen.

 

Diese kleinen, unscheinbaren Dinger, die mit einem Handgriff angebracht werden können, sind seit etlichen Jahren auch schon in anderen Regionen zu finden. So fördert das Land Rheinland-Pfalz für seine Weinbaugebiete Pfalz, Rheinhessen, Mosel, Mittelrhein, Nahe und Ahr bereits seit 2003 den umweltfreundlichen Pheromoneinsatz auf inzwischen rund 37 000 von insgesamt 64 000 Hektar.

Als die BASF damit auf den Markt kam, wurde aus dieser Maßnahme auch ein Thema für die Boulevardpresse. Denn die Ampullen strömen bis in den September hinein Sexuallockstoffe weiblicher Traubenwickler aus und verwirren damit die männlichen Tiere, so dass sich Männchen und Weibchen nicht mehr zur Paarung finden. Natürlich wurden gelegentlich in den Medien Vergleiche mit dem „richtigen Leben“ gezogen und gar über den Einsatz von Pheromonen in zwischenmenschlichen Beziehungen nachgedacht.

In der weinbaulichen Praxis ist die Fortpflanzung des Traubenwicklers, einem der gefährlichsten Schädlinge im Weinbau, eingedämmt. Ist das nicht der Fall, können Blüten und Beeren geschädigt werden. Pilzbefall ist möglich und im weiteren Verlauf eine zusätzliche Schädigung durch Obstfliegen. Immense Ernteeinbußen sind eine logische Folge. Eine Alternative dieser Methode wäre der Einsatz von Insektiziden, die im umweltschonenden und ökologischen Weinbau nicht gelitten sind. Ein Insektizid (Orthen) führte in den achtziger Jahre zu einer lange Zeit rätselhaften Böckser-Bildung im Wein, der bei Befall einer unangenehmen Duftnote nur mehr entsorgt werden konnte.

Was an der Ahr Neuheitenwert hat, ist der flächendeckende Einsatz auf den kompletten rund 520 Hektar und die Versicherung des Vereins Ahrwein e.V., dass sämtliche Kosten in Höhe von etwa 150 000 bis 200 000 Euro von den Winzern selbst getragen werden. Ob das rheinland-pfälzische Weinbauministerium hinterher nicht doch etwas zuschießt, ist nicht bekannt. Immerhin gibt es die Versicherung von Ministerin Ulrike Höfken, dass der Pheromoneinsatz auch im Jahr 2014 weiter gefördert wird. (rudolf.knoll)

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