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FRANKREICH

Napa Green: Grüne Welle auch in Frankreichs Anbaugebieten
Nachhaltigkeit im Weinbau bedeutet die Suche eines Standards von einem Gleichgewicht zwischen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Kosten, Nutzen und Rentabilität
Sustainability in viniculture means the search for a standard of a balance between social, economic and ecologic costs, use and profitability

FRANKREICH (Bordeaux) - Die französischen Winzer, darunter auch einige der berühmten Châteaux, machten sich während und in den Wochen nach der Vinexpo Gedanken über die Zukunft in Zeiten der Wirtschaftskrise und überlegten vor allem, wie Sie die Kosten minimieren, die Qualität garantieren und den Konsumenten zufrieden stellen können. Nach vielen Diskussionen kommen sie zu dem Schluss, dass ein langfristiges Überleben einhergeht mit einer nachhaltigen Entwicklung im Weinbau und im Marketing.

 

"Ich erwarte in den nächsten fünf Jahren einen Standard im Weinbau der Nachhaltigkeit neu definiert", sagt Robert Joseph, einem in London ansässigen Schriftsteller, Weingutsbesitzer im Bordeaux und international im Handel aktiv. Erklärend fügt er hinzu: "Der Begriff Nachhaltigkeit im Weinbau und in der Weinproduktion ist dabei nicht zu verwechseln mit einer organischen oder biologisch-dynamischem Erzeugung, sondern steht gleich mit der Suche eines Standards von einem Gleichgewicht zwischen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Kosten, Nutzen und Rentabilität".

Über diesen Standard der Nachhaltigkeit laufen zur Zeit heiße Diskussionen in den französischen Anbaugebieten. "Selbst wenn einige Erzeuger, die nun in der Wirtschaftskrise ins Schleudern kommen, diese überleben sollten, müssen sie sich schon jetzt mit der zukünftigen Rentabilität auseinandersetzen", so die Meinung der Experten. Und diese stellen auch fest: "…, dass neben einem Rückgang des Absatzes, bedingt durch eine globale Wirtschaftsschwäche, die Erzeuger auch daran denken müssen, sich vor sonstigen Unbilden zu wappnen. Dies könnten Naturkatastrophen wie starke Regenfälle- oder Hagel sein, Krankheitserreger könnten die Rebstöcke befallen, die Wasserversorgung allgemein könnte gefährdet sein und die Auswirkungen des Klimawandels sind sowieso noch nicht vorhersagbar."

"Zu viele meiner Kollegen denken alturistisch", meint Robert Joseph und weiter: "Die Winzer müssen lernen oder besser noch, sich bewusst machen, dass es zum Überleben wichtig ist, sich insbesondere um die Verwaltung der zukünftigen Kosten zu kümmern."

Die Castell Groupe, weltweit die drittgrößten Hersteller nach Constellation Brands und Gallo, mit Sitz in Blanquefort (nördlich von Bordeaux) haben das Thema Nachhaltigkeit und Zukunftssicherung schon in die Hand genommen. In der eigenen Abfüllanlage in der Loire-Region hat man für drei Millionen Euro ein Wasser-Behandlungs- und Recycling-System installiert. "Wir waren nicht verpflichtet, eine so technisch anspruchsvolle Anlage zu installieren und somit auch so viel Geld zu investieren", erklärt Franck Crouzet, Direktor für Kommunikation bei der Castell Groupe und ergänzt: "Wir füllen 579 Millionen Flaschen pro Jahr und benötigen dazu soviel Wasser, wie eine Stadt mit 60.000 Einwohnern. Bei diesen Dimensionen muss man sich für zukünftige mögliche Einschränkungen jetzt schon vorbereiten".

Allen Erzeugern, die jetzt die zukünftigen Standards diskutieren ist bewusst, dass eine nachhaltige Entwicklung auch mehr Kosten verursacht. Dazu sagt Larry Stone, General Manager von Francis Ford Coppola's Rubicon Estate aus dem kalifornischen Napa Vallay, der zu einem Meinungsaustausch mit den französischen Erzeugern eingeladen war: "Ja klar, Nachhaltigkeit kostet etwas mehr. Aber es wird zurückgezahlt und zwar in den Bereichen der Gesundheit und der Erhaltung der Arbeitsplätze. Wir gehen übrigens im Napa Vallay den gleichen Weg. Unsere Initiative nennen wir 'Napa Green', die vornehmlich das Ziel hat, unsere Anbauregion zu erhalten und unseren Winzern zu helfen, langfristig zu überleben. Das gleiche funktioniert auch in den Anbauländern der Alten Welt."

Die Weingenossenschaft Val d'Orbieu, deren Mitglieder Weinberge von über 9000 Hektar entlang der französischen Mittelmehrküste bewirtschaften, haben in Frankreich als erste Genossenschaft die "Grüne Welle" umgesetzt. Bei Val d'Orbieu legt man ohne wenn und aber den Schwerpunkt auf reduzierte Behandlung der Reben, Verringerung der Abfallmengen, Einsatz von erneuerbaren Energien, vorausschauender Wasserwirtschaft und einer Vielfalt unter den Beschäftigten.

"Die globale Wirtschaftskrise hat uns wachgerüttelt", so Michel Mathieu, Direktor für das Marketing bei Val d´Orbieu und fügt an: "Wir haben uns die Zukunft vor Augen geführt und erkannt, dass wir was tun müssen und das es einen Sinn macht, nachhaltig zu wirtschaften". Auch auf der Vinexpo präsentierte sich die Genossenschaft im Sinne der neuen Strategie. Dort hatte man als einziger Aussteller einen ökologisch gestalteten Stand aufbauen lassen, einschließlich wiederverwendbarem Glas, Holz und umweltfreundlichen Farben.

Bereits weit mehr Erfahrung mit einer nachhaltigen Entwicklung hat das Château Larose Trintaudon. Dem 225-Hektar großen Anwesen, außerhalb von Bordeaux gelegen, wurde bereits 2004 als erstes europäisches Weingut eine nachhaltige Gesamtproduktion bescheinigt. Das Gut ist im Besitz des Versicherungsriesen EGF-Allianz und war dieses Jahr erstmals mit seinen Weinen auf der Vinexpo vertreten.

"Wir wollten mal sehen, ob unsere Weine ankommen und ob unser Verständnis einer nachhaltigen Produktion auch von den Importeuren verstanden wird", sagt Bruno Pastre, Generaldirektor bei hâteau Larose Trintaudon in einem Telefoninterview. "Unsere Vision hat sich gelohnt. Ein Importeur aus Belgien hat bereits einen Auftrag unterschrieben und ein weiterer Vertrag mit einem Importeur aus Deutschland steht jetzt kurz vor der Unterschrift".

Ob die Erzeuger sich nun um die Umwelt und/oder um die Verwaltungskosten sorgen, schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Pioniere der nachhaltigen Entwicklung im Handel mit Ihren Weinen Erfolg haben. Wenn dann noch die Verbraucher entsprechend sensibilisiert werden, steht der "Grünen Welle" im Weinbau nichts mehr im Weg.

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