Musikalischer Experte für Fern- und Heimweh

Montag, 26. September 2011 | 08:14 Uhr | RED.YOOPRESS | STARS & STERNCHEN
Quelle: AFP
2011_09-freddy
Freddy Quinn wird am Dienstag 80 Jahre alt (Foto: Heinrich Klaffs)

DEUTSCHLAND (Hamburg) - Kaum ein anderer Künstler hat die Sehnsucht nach der Ferne und zugleich das Heimweh der Deutschen in der Nachkriegszeit so verkörpert wie Freddy Quinn. Maritime Folklore und wehmütige Lieder über einsame Seefahrer und Weltenbummler sind seit den 50er Jahren das Markenzeichen des in Österreich geborenen Sängers und Schauspielers, der einst in einer Bar im Hamburger Stadtteil St. Pauli entdeckt worden sein soll und die Hansestadt als seine Wahlheimat betrachtet. Zu seinem 80. Geburtstag am Dienstag wird es gleichwohl keine großen Feiern oder Fernseh-Sondersendungen geben. Quinn lebt schon seit Jahren sehr zurückgezogen und hat dem Bühnenleben abgeschworen.

Noch immer gilt der musikalische Fachmann für fern- und heimwehgeschwängerte Melodien als einer der erfolgreichsten deutschen Solokünstler. 60 Millionen Tonträger hat Quinn, der die Bezeichnung Schlagerstar für sich stets ablehnte, verkauft. Seine melancholischen Lieder wie "Heimweh", "Unter fremden Sternen" und "Junge, komm bald wieder" wurden große Erfolge. Daneben pflegte Quinn sein Seefahrerimage in Musikfilmen und Musicals, etwa "Freddy, die Gitarre und das Meer" oder "Heimweh nach St. Pauli". Einen Namen machte sich Quinn darüber hinaus als Entertainer im Fernsehen, wo er in Zirkusshows auftrat oder auch Musiksendungen moderierte.

Gestützt wurde das Image des charmanten Künstlers mit der tiefen Stimme von einer abenteuerlichen Biografie, die ihn als einsamen Reisenden ausweist. Doch Details von Quinns Lebensweg sind umstritten. Der Sänger, der am 27. September 1931 im niederösterreichischen Niederfladnitz als Manfred Franz Eugen Helmuth Nidl geboren wurde, machte selbst widersprüchliche Angaben. Nach Einschätzung des Journalisten und Autoren Elmar Kraushaar, der kürzlich ein Buch über Quinn schrieb, liegt das wohl auch daran, dass er einer der ersten deutschen Künstler war, den eine Plattenfirma systematisch zum Star aufbaute - inklusive einer maßgeschneiderter Biografie, in der zwecks Vermarktung nicht alles stimmte.

Quinn selbst betonte zumindest, dass sein Seemanns-Image künstlich war und er es nie liebte. Man habe es ihm "verpasst", aber er sei dabei geblieben, weil sein Publikum es so haben wolle, sagte Quinn 1999 in einem "Zeit"-Interview. An den Einzelheiten seines Lebenslaufs aber hielt er fest: Demnach wurde er als uneheliches Kind einer Österreicherin und eines irischen Kaufmanns geboren. Er lebte bei dem Vater einige Zeit in den USA, bevor ihn die Mutter zurückholte. Weil sich Quinn, der später angeblich den Nachnamen seines Vaters annahm, mit dem Lebensgefährten der Mutter nicht verstand, riss er als Teenager am Ende des Zweiten Weltkriegs zu seinem Vater in die USA aus. Der aber war inzwischen gestorben.

Über Umwege kam er zurück nach Wien und schloss sich als 16-Jähriger zunächst einem Zirkus an. Dann schlug er sich als Musiker für US-Soldaten in Italien und Nordafrika durch, absolvierte ein Training bei der Fremdenlegion und landete schließlich in Hamburg, wo er in einer Nebenstraße der Reeperbahn in der "Washington-Bar" auftrat. 1951, so erzählte Quinn es der "Zeit", entdeckte ihn dort der für den Rundfunk tätige Regisseur Jürgen Roland. Kontakte zu Plattenfirmen folgten. Ab Mitte der 50er Jahre machte dann Quinn Karriere.

Seit den 70er Jahren wurde es ruhiger um den Sänger, der jedoch noch bis 2004 Tourneen sowie Fernseh- und Bühnenauftritte machte. Ebenfalls 2004 wurde er wegen Steuerhinterziehung zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Endgültig aus der Öffentlichkeit verabschiedete sich Quinn 2008. In jenem Jahr starb seine Managerin und Vertraute Lilli Blessmann, mit der er jahrzehntelang verheiratet war - was der angebliche Junggeselle Quinn allerdings erst 2002 verriet. "Sie war mein guter Stern. Sie hat mich geführt", sagte Quinn nach ihrem Tod in einem Interview. Er habe "jetzt auch keine Lust mehr aufs Leben". (red.yoopress)

Kommentare (0)