Greenpeace: Gentechnik-Frei-Siegel im Handel kaum zu finden

Freitag, 11. Dezember 2009 | 08:57 Uhr | RED.YOOPRESS | WIRTSCHAFT
Quelle: AFP
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Neue einheitliche Kennzeichnung läuft nur schleppend an

DEUTSCHLAND (Hamburg) - Handel und Nahrungsindustrie kommen mit der Einführung des einheitlichen Siegels für Lebensmittel ohne Die Einführung des einheitlichen Siegels "Ohne Gentechnik" für Lebensmittel kommt nur schleppend voran. Die Umsetzung der Kennzeichnung scheine sich "länger hinzuziehen", bislang hätten rund 30 Firmen sie für ihre Produkte beantragt, erklärte das Bundeslandwirtschaftsministerium am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Greenpeace forderte von Politik und Wirtschaft, dem Siegel jetzt rasch zum Durchbruch zu verhelfen.

Es gebe mehr als 30 Unternehmen, die das Siegel beantragt hätten und denen es meist auch genehmigt worden sei, erklärte das Landwirtschaftsministerium. Darüberhinaus gebe es "eine Anzahl" von Firmen, die interessiert seien, aber noch keinen Antrag gestellt hätten. Grund für die Verzögerung sei, dass die Firmen länger bräuchten, um ihre Verpackungen auf das Siegel umzustellen. Handel und Wirtschaft müssten nun wie vereinbart einen Verein gründen, der die Vergabe des Siegels überwachen solle.

Die Lebensmittelwirtschaft bestätigte die schleppende Einführung des Siegels. Es gebe "keine große Bewegung im Markt", sagte Andreas Swoboda von der Supermarktkette tegut, welche die Einführung des Logos federführend vorantreibt und viele Bio-Produkte im Sortiment hat. Die Gründung des Vereins zur Vergabe des Siegels werde wohl im Januar erfolgen. Bis dahin wird das Siegel noch vom Landwirtschaftsministerium vergeben.

Von der Nahrungsindustrie stehen hinter dem Verein rund zwei Dutzend Unternehmen. Dazu gehören unter anderem der Molkereikonzern Campina mit der Marke Landliebe, der Wettbewerber Alb Gold sowie der Geflügelfleischproduzent Stolle.

Das einheitliche "Ohne Gentechnik"-Siegel wurde im August von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) angekündigt und sollte im Herbst eingeführt werden. Zuvor bereits durften Nahrungshersteller ihre Produkte mit den Worten versehen, wenn sie tatsächlich gentechnikfrei produziert wurden, jedoch gab es hierfür keine einheitliche Gestaltung.

Die neue grüne Raute mit der weißen Aufschrift "Ohne Gentechnik" ist für Produkte vorgesehen, die garantiert ohne jede Spur von Gentechnik hergestellt wurden. Das Siegel soll eine Lücke in den bisherigen Kennzeichnungspflichten schließen. Bislang müssen Nahrungshersteller nur angeben, wenn gentechnisch veränderte Zutaten in Lebensmitteln enthalten sind, etwa Cornflakes aus Genmais in Schokoriegeln. Tierische Produkte wie Milch von Kühen oder Eier von Hühnern, die Genfutter erhalten, fallen jedoch nicht unter diese Regelung. Das freiwillige "Ohne Gentechnik"-Siegel soll der Industrie die Möglichkeit geben, hier Klarheit für die Verbraucher schaffen.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte die Verzögerungen. "Dieses Siegel ist nutzlos, so lange es nicht angewendet wird", sagte Greenpeace-Gentechnikexperte Alexander Hissting. Problematisch sei, dass das Bundeslandwirtschaftsministerium die Vergabe des Siegels Industrie und Handel aufgebürdet habe. "Die beste Variante wäre die staatliche Vergabe gewesen." Den Unternehmen, die ihre Lebensmittel gentechnikfrei herstellten und diese entsprechend kennzeichnen wollten, entstünden dadurch zusätzliche Kosten.

Die Kosten hätten "auf die Gesamtgesellschaft umgelegt" werden sollen, sagte Hissting. Greenpeace forderte nun von Aigner, zumindest die Information der Verbraucher über das neue Siegel zu finanzieren. (red.yoopress)

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