Jährlich landen 6,7 Millionen Tonnen Essen in privaten Mülltonnen

Donnerstag, 15. März 2012 | 06:54 Uhr | RED.YOOPRESS | ESSEN & TRINKEN
Quelle: AFP
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Haushalte verursachen die meiste Verschwendung von Lebensmitteln

DEUTSCHLAND (Berlin) - In deutschen Privathaushalten landen jedes Jahr rund 6,7 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Weit mehr als die Hälfte davon (65 Prozent) wäre zumindest teilweise noch zu gebrauchen, wie aus einer am Dienstag in Berlin vorgestellten Studie für das Verbraucherschutzministerium hervorgeht. Als Hauptgrund für die Verschwendung nennen die Verfasser unter anderem mangelnde Planung und "mangelnde Wertschätzung von Lebensmitteln".

Insgesamt werden laut der Analyse der Universität Stuttgart jährlich elf Millionen Tonnen Lebensmittel als Abfall entsorgt. Die privaten Haushalte sind dafür zum größten Teil verantwortlich - auf sie entfallen 61 Prozent der Gesamtmenge. Der Rest wird in der Industrie und bei Großverbrauchern wie Restaurants und Kantinen aussortiert (je 17 Prozent) oder fällt im Handel an (fünf Prozent).

Die Autoren der Studie errechneten auch, was das kostet: Hochgerechnet werfen Privathaushalte demnach ganz oder teils noch genießbare Speisen im Wert von bis zu 21,6 Milliarden Euro weg. Pro Kopf der Bevölkerung sind das 235 Euro pro Jahr.

"Wir leben in einer Überfluss- und Wegwerfgesellschaft. In Deutschland und Europa wird viel zu viel weggeworfen, wertlos gemacht, vernichtet", erklärte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) bei der Vorstellung der Studie. "Es ist Zeit für einen Bewusstseinswandel - und für mehr Wertschätzung für unserer Lebensmittel."

Das Verbraucherschutzministerium werde Ende März eine breit angelegte Informationskampagne für Verbraucher mit praktischen Tipps ins Leben rufen, kündigte Aigner an. Kommenden Montag werde der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels zudem eine Aufklärungsaktion über das Mindesthaltbarkeitsdatum von Lebensmitteln starten.

Die Studie über die Lebensmittelverschwendung ist den Angaben des Ministeriums zufolge die erste genaue Untersuchung des Problems. Bisher gab es nur vage Schätzungen, wie groß die Menge des weggeworfenen Essens in Deutschland ist.

Insgesamt unterscheiden die Verfasser der Analyse zwischen vermeidbaren, teilweise vermeidbaren und unvermeidbaren Lebensmittelabfällen. Unvermeidbar sind ungenießbare Reste, etwa Bananenschalen oder Knochen. Teilweise vermeidbar sind Reste, die wegen unterschiedlicher Ernährungsgewohnheiten anfallen - etwa weil ein Restaurantbesucher sein Gericht nicht ganz aufisst. Als vermeidbare Abfälle gelten jene Lebensmittel, die noch uneingeschränkt genießbar wären.

In Privathaushalten entfällt der Studie nach ein Großteil dieser Gruppe auf Obst und Gemüse. Diese machen zusammen schon fast die Hälfte (44 Prozent) der vermeidbaren Speiseabfälle aus. Etwa ein Siebtel (15 Prozent) sind Backwaren.

Als Ursache der Essensvernichtung durch deutsche Verbraucher identifizierten die Stuttgarter Experten unter anderem die "mangelnde Wertschätzung von Lebensmitteln, bedingt auch durch ständige Verfügbarkeit und das im EU-Vergleich äußerst niedrige Preisniveau" in Deutschland. Hinzu kämen fehlgeplante Einkäufe und die Unkenntnis über das Mindesthaltbarkeitsdatum: Es bedeutet nicht, dass Lebensmitteln bei Erreichen ungenießbar sind. In Restaurants und Kantinen führten auch "zu wenig differenzierte Portionsgrößen" zu Ausschuss.

Für ihre Studie sammelten die Forscher detaillierte Informationen über das Abfallaufkommen in Deutschland und werteten Versorgungsbilanzen sowie die "Nationale Verzehrstudie" aus. Hinzu kamen Befragungen und Stichproben. (red.yoopress)

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