CSI Deutsche Bahn - Einsatz von DNA

Dienstag, 13. März 2012 | 07:41 Uhr | RED.YOOPRESS | KRIMINELLES
Quelle: AFP| Co-Autor: M.HENNEKE
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Die DB will Kabel mit künstlicher DNA markieren - Metalldiebe verusachten 2011 Schäden von 15 Millionen Euro

DEUTSCHLAND (Berlin) - Sie kommen nachts, verrichten ihr Werk in Minuten und kosten die Deutsche Bahn Millionen. "Kabeldiebe haben 2011 einen Schaden von 15 Millionen Euro angerichtet", sagt Gerd Neubeck, Leiter Konzernsicherheit der Deutschen Bahn. Die Diebe stehlen vor allem Kabel aus Kupfer, Aluminium und Bronze, denn die Rohstoffpreise für diese Metalle sind hoch. Doch jetzt will die Bahn den Tätern das Handwerk legen.

Mithilfe einer künstlichen DNA will sie Kabel im Streckennetz markieren, um die Täter abzuschrecken und um gestohlene Kabel wiederzuerkennen. Damit ist die Bahn nach eigenen Angaben das weltweit erste Eisenbahnunternehmen, das zu einer derartigen forensischen Technik greift. Sie erinnert an US-Krimiserien wie CSI Miami, in denen vor allem Gentechnik die Ermittler zu den Tätern führt.

Am Wochenende zeigte die Bahn, wie es funktioniert: Ein Arbeiter in blauem Schutzanzug mit zwei Druckluftbehältern auf dem Rücken besprühte die Kabel entlang der Gleise unweit vom Bahnhof Schönefeld. Eine Arbeiterin verstrich die Flüssigkeit mit einem Pinsel. "Die Substanz ist wasserfest und nicht gesundheitsschädlich", sagte Philipp Cachée, Geschäftsführer der "Anti Crime Technology Corporation" aus Brieselang, die die Flüssigkeit entwickelt hat.

Seit Juni 2011 setzt die Bahn die Kennzeichnung ein - zunächst in den Regionen, wo am meisten gestohlen wird. Mit der Flüssigkeit wird eine holografisches Logo aufgesprüht, auf dem die Initialen "DB" der Bahn erkennbar sind. Ein zweiter Code verrät, wo das Material gestohlen wurde. Der Code besteht aus winzigen Metallteilchen, auf die eine Codierung aufgeätzt wurde. Deren Partikel sind resistent gegen Sonne, Frost, Regen und Feuer, sagte Cachée.

Neue Kabel sollen in Zukunft unter der Isolierung markiert werden, so dass die Kennzeichnung nicht erkennbar ist. Die DNA kann - außen aufgesprüht - mit einer UV-Lampe sichtbar gemacht werden - und sie bleibt an Händen, Kleidung und Gesicht haften. Gelingt es der Polizei Täter zu stellen, sind die DNA-Spuren vor Gericht als Beweise verwertbar.

"Kabeldiebstahl wird sich bald nicht mehr lohnen", sagte Neubeck. Vor allem in Ostdeutschland und im Ruhrgebiet sind die Kabeldiebe aktiv. Sie nehmen Fahrleitungsdrähte, Tragseile, Telefondrähte, Erdungskabel, Kleineisenteile, Verbindungsstücke und Schienenstücke mit. Zwischen 2010 und 2011 stiegen die Fallzahlen um 50 Prozent: von rund 2000 auf 3000 Fälle. Etwa 260 Züge fielen in der Folge aus, rund 152.000 Minuten Verspätungen entstanden für die Fahrgäste.

Rund 500 Täter konnte die Polizei im vergangenen Jahr stellen. "Ein typisches Täterprofil gibt es nicht", sagte Thomas Striethörster, Abteilungsleiter Gefahrenabwehr vom Bundespolizeipräsidium. Einzeltäter und organisierte Kriminalität teilten sich das Terrain. Sie verkaufen an Altmetallhändler, die die Ware ins Ausland verschicken, sagte Striethörster.

Der Verband der Metallhändler ist laut Neubeck deshalb ein wichtiger Kooperationspartner für die Deutsche Bahn. Die Händler sollen den Ankauf von gestohlenem Bahneigentum in Zukunft unterlassen. Kommt es zu einer Razzia auf ihrem Gelände, wird die Polizei den Schrott mitnehmen, der unter der UV-Lampe leuchtet. "Hinzu kommen möglicherweise strafrechtliche Konsequenzen", sagte Striethörster.

Auf die Frage, ob Diebe nicht auf unmarkiertes Material ausweichen könnten, weil nicht das ganze Netz mit 34.000 Kilometern Länge gekennzeichnet sei, sagte Striethörster, dass Gelegenheitstäter erwartungsgemäß nicht mit UV-Licht zum Tatort kämen. Außerdem überwache die Polizei mit Hubschraubern und Sonderstreifen verstärkt jene Strecken, an denen häufig Diebstähle aufträten. Sollten die Täter UV-Licht benutzen, wären sie leicht zu entdecken. Erste Erfolge haben sich laut Bahn bereits eingestellt. In den Monaten Oktober und November sank die Zahl der Diebstähle unter die der Vergleichsmonate des Vorjahres. (red.yoopress)

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