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BORDEAUX WEINKRITIK

Kein Geheimnis - Weinproben führen zu neuen Entdeckungen
"Der Kontakt bei den großen Holzfässern mit Sauerstoff ist anders und auch die Hefe verhält sich anders", meint Winzer Guillaume Pouthier. (© Château Les Carmes Haut Brion)

FRANKREICH (Bordeaux) - Es sind die Überraschungen bei Weinverkostungen, die das Salz in der Suppe sind. Meine Verkostung bei Château Les Carmes Haut Brion von zwei Chargen des Jahrgangs 2013 war so eine außerordentliche Erfahrung. Beide Weine stammten aus Holzfässern mit jeweils 1.200 Litern Fassungsvermögen. Das eine Fass war rund, entsprechend den Holzfässern, die man entlang der Rhône verwendet. Das andere Fass war oval, so wie sie im Elsass verwendet werden. Ich war erstaunt, zwei völlig verschiedene Weine zu probieren.

 

Der Wein aus dem runden Holzfass zeigte Holz in der Nase. Er zeigte sich fruchtig mit einem schönen Mundgefühl, dennoch mit einem flachen Körper und nicht so ausgeprägtem Nachhall. Der Wein aus dem ovalen Fass hatte dagegen kein Holz in der Nase. Dieser präsentierte sich positiv reduktiv mit einem tiefen Bukett gepaart mit einem Hauch von Kaffee. Am Gaumen war dieser Wein etwas zurückhaltend, dennoch weit lebendiger, frischer und komplexer mit einem langen Nachhall. Ich muss zugegen, dass ich diese Unterschiede nicht erwartet habe. Wie ist das zu erklären? Dazu bemerkt Winzer Guillaume Pouthier: "Der Kontakt bei den großen Holzfässern mit Sauerstoff ist anders und auch die Hefe verhält sich anders." Ich frage mich: "Könnte dies ein Grund sein, dass Bordeaux die Verwendung der traditionellen Barriques eines Tages zugunsten größerer Volumen an Holzfässern ändert?"

Meine verwirrendste Weinprobe des Jahres 2015 war dem Eindruck geschuldet, den ich fragend so titulieren möchte: "Was ist davon zu halten, wenn ein Merlot von den Kalksteinböden des Saint-Emilion genauso schmeckt wie ein Cabernet Sauvignon aus dem Medoc?" Jedenfalls der Eindruck verführt auch Weinprofis, Weine vom linken Ufer mit denen des rechten Ufers zu verwechseln. Würden Sie das glauben? Sie sind sich nicht sicher? Aber so erging es einer ganzen Reihe von 80 Kollegen bei dieser Weinprobe, die ich als Blindverkostung im DUAD-Club des Institutes für Wein und Rebe in Bordeaux durchführte.

Die meisten der Verkoster führte der Geschmack in die Irre und wir kamen zu dem Entschluss, dass Wahrnehmungen am Gaumen verwirrend sein können. Dieses Ergebnis ist eine Offenbarung und führt zu der Frage: "Was denken sich die etablierten Güter aus Saint-Emilion?" Ich nehme diese Erfahrung zum Anlass, meine Grundregel bei Verkostungen - Gaumen vor der Nase - noch gründlicher zu erklären.

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