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BORDEAUX WEINKRITIK

Rückblick eines Weinkritikers - Bordeaux Highlights 2015
Produziert 100-Punkte Weine "am laufenden Band" - Château d`Yquem. (© Benjamin Zingg)

FRANKREICH (Bordeaux) - Die Weinnotizen von Jean-Marc Quarin (siehe TIPP) sind eine Quelle der Inspirationen für Weinliebhaber aus aller Welt und ein Spiegel der Leistungsfähigkeit in Bordeaux. Für unsere Leser notiert Quarin seine Highlights 2015, ein Auszug aus einen vielfältigen Notizen, in deren Genuss ansonsten nur Abonnenten kommen.

 

Der überwältigendste Wein des Jahres ist ohne Frage der fantastische, brilliante Château d`Yquem Jahrgang 2009, der seit seiner ersten Auflage viermal 100 von 100 Punkten erreicht hat.

Die Verwirrung des Jahres produzierte Château Canon, ein Grand Cru Classé aus Saint-Emilion, dessen Wein mit einem aus der Côte de Nuits (Burgund) zu verwechseln ist. Was bedeutet, dass wir alles Bisherige, was wir glaubten über diesen Wein zu wissen, vergessen können.

Die bemerkenswertesten Weine stammen von der Lage "Le Clos du Clocher" aus dem Pomerol. Einige der Weine können sich rühmen, zur Elite aus dieser Lage zu gehören. Meine bisherigen Verkostungen dieser Weine zeigen auf, dass in 2015 hier wahrscheinlich die besten Qualitäten seit Ewigkeiten produziert wurden.

Die besondere Attraktivität des Jahres stammt aus dem Medoc. Château Calon-Ségur übertrifft mit dem Jahrgang 2014 locker die Qualität des bisher hochgelobten Jahrgangs 2010. Nicht oft erlebt man im Premium-Segment einen der zuverlässigsten En-Primeur Kampagnen und das nach einem Wechsel in der Geschäftsführung.

Ebenfalls gleich hohe Attraktivität bietet Pessac Léognan. Hier dominiert das Château Les Carmes Haut Brion mit seinem magischen Cabernet Franc, der die Blends der Jahrgänge 2013, 2014 und 2015 aufwertet. Das Château ist auch der vielversprechendste Outsider des Jahres 2015.

Der innovativste Bordeaux ist ein trockener Weißer. Es ist der geklonte Sauvignon aus Sancerre von Château Grand Village Les Champs Libres, Jahrgang 2013 und 1014. Dieser Wein wurde von der Familie Guinaudeau initiiert, die auch die Weine von Château Lafleur in Pomerol verantworten.

Die Überraschungen des Jahres stammen aus Sauternes und Barsac, deren Jahrgang 2011 ist so gut oder sogar noch besser als der Jahrgang 2010.

Meinen schönsten Moment des Jahres erlebte ich mit meiner Tochter, mit der ich einen roten Haut-Brion Jahrgang 1993 verkostete - der Wein hatte eine Temperatur von 12 °C. Sie sagte: "Es ist der beste Rotwein, den ich je verkostet habe." Erstaunlich wie süß sich dieser Wein bei dieser Temperatur verkosten lies.

Mein schönstes Abendessen, aufgeteilt auf zwei Abende, bereiteten mir 50 Jahrgänge von Château d´Yquem - ein besonderes Vergnügen und eine Erfahrung, die mich zu Süßweinen mit Mahlzeiten zurückführte. Bisher trank ich Süßweine nur als Aperitif.

Noch ungeschlagen und die feinste Weinprobe des Jahres erlebte ich in einer Vertikalen von zehn Jahren von Château Margaux im Weinwettstreit gegen zehn Jahrgänge von Château Haut-Brion. Diese Probe übertraf sogar eine Vertikale von Château Petrus gegenüber Château Le Pin, oder der von Château Margaux gegenüber La Tâche (Domaine de la Romanee-Conti).

Die feinste Unterstützung erfuhr ich von meinen Lesern für meinen Salon de Outsiders in Paris sowie von den hundert Teilnehmern beim Galadinner zur Eröffnung im Restaurant Chez Laurent. Meine Leser kamen zahlreich, trotz der Terroranschläge in Paris. Das hat mich sehr beeindruckt. (j-m.quarin)

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