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Werberin als Winzerin

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07:30
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KNOLLS WEINWEIBER

Werberin als Winzerin
Zum Wein kam Kathrin C. Baier-Buttler, Chefin einer Werbeagentur und Baumschule, eher wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kind. (© Baier-Buttler)

DEUTSCHLAND (Hammelburg) - Der Weinstandort Hammelburg wird gelegentlich als „Fränkisch-Sibirien“ bezeichnet, weil er hoch im bayerischen Norden liegt. Ausgerechnet hier ist die Inhaberin einer Werbeagentur mit Unterstützung ihres angeheirateten Architekten dabei, ein Weingut aufzubauen.

 

Zum Wein kam Kathrin C. Baier-Buttler, Chefin einer Werbeagentur, eher wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kind. Oder durch ihre Hochzeit mit dem erfolgreichen, schon einige Male preisgekrönten Architekten Stefan Buttler, der aus Hammelburg stammt, sein Büro in Würzburg hat, aber weinbaulich von der Familie vorbelastet ist. Seine Eltern machten etwas Wein, der Schwager hat ein bisschen Rebfläche. Und er selbst ist ein Weinfan, der schon häufig mit Freunden wichtige Regionen auch in Übersee bereiste.

Der sportlich orientierte ehemalige Bundesliga-Volleyballer (47) und seine heutige Frau Kathrin (37) wuchsen zwar in der Nachbarschaft auf, die Familien kannten sich. Aber die beiden lernten sich eher zufällig in Bad Kissingen kennen. Damals hatte sie ihr Büro in Kassel. Geheiratet und unter ein Dach gezogen wurde, so erzählt sie mit fröhlichem Lachen, weil er auf den Fahrten zu ihr zu oft geblitzt wurde und Angst bekam, den Führerschein zu verlieren...

Beruflich war das Paar zwar gut ausgelastet, zumal man sich neben ihrer Agentur kcb und seinem Architekturbüro noch 2005 eine Baumschule gekauft hatte und außerdem Streuobstwiesen für Brände zu versorgen hatte. Aber da auch sie durch ihn zum Weinfan mutierte, entstand die Idee, auf diesem Feld etwas aufzubauen. Als sich die Gelegenheit bot, vom einstigen Leiter des Städtischen Weingutes Hammelburg zwei Hektar Silvaner zu übernehmen, schlugen sie zu. Das war die Basis für das Weingut „Weinwerk“ und den ersten Wein, der mit dem Jahrgang 2011 auf den Markt kam. Eine passende Zusatzbezeichnung lieferte Karl der Große mit der Jahreszahl 777. Aus diesem Jahr datiert eine Urkunde, die belegt, dass der Kaiser damals Hammelburger Weinberge an das fuldische Stift Hl. Bonifatius übertrug. Damit ist Hammelburg als älteste Weinstadt Frankens dokumentiert.

2000 Flaschen wurden vom ersten Jahrgang gefüllt. Mit dem Ergebnis konnte man nicht sonderlich zufrieden sein. Der Wein vom Hammelsburger Heroldsberg, einer steilen Flur, war recht grün geraten. Also holte man sich im Jahr drauf professionelle Unterstützung bei befreundeten Winzern aus der Nachbarschaft, die dazu beitrug, dass der Silvaner 2012 vielschichtig, druckvoll und würzig geriet. Der Silvaner „777“ 2013 ist ein würdiger Nachfolger mit feiner Kräuterwürze im Duft, eleganten Facetten im Geschmack und guter Länge im Abgang – ein Prototyp der fränkischen Leitsorte. „Mein Mann hat allein 1,1 Tonnen Trauben aus dem Weinberg geholt. Auch ich war nicht faul“, erzählt stolz Jungwinzerin Kathrin. „Unsere Zielsetzung ist ein urfränkischer, charakteristischer, ehrlicher Silvaner, immer trocken ausgebaut.“ Diese Zielsetzung ist erreicht. Preislich wird der Bogen mit 7,90 Euro ebenfalls nicht überspannt.

Jetzt will man in nächster Zeit, um eine Anlaufstelle für die wachsende „Weinwerk“-Fangruppe zu haben, in der Region Hammelburg eine Vinothek aufbauen. Sie kümmert sich um Veranstaltungen wie „Wein und Spargel“, „Picknick im Weinberg“, offeriert spezielle Pakete wie „Silvaner mit Blaue Zipfel“ (typische fränkische Würste) und „Sauerkraut mit Silvaner“ (speziell für den Jahreswechsel, weil ein fränkischer Aberglaube besagt, dass zu diesem Zeitpunkt Kraut auf den Tisch kommen muss, damit im Jahr daraus das Kleingeld nicht ausgeht).

Außerdem fiebern Kathrin C. Baier-Buttler und Stefan Buttler bereits dem Jahrgang 2014 entgegen, mit dem das Angebot deutlich mit Chardonnay und Pinot Noir erweitert wird (jetzt schon können Flaschen per Subskription reserviert werden). Flächen dafür waren im Raum Hammelburg von Nebenerwerbswinzern günstig zu kaufen oder zu pachten. So kann man mittlerweile neun Hektar Reben vorweisen. Und das Weingut wird sich durch die deutliche Erweiterung nicht mehr nur nebenbei betreiben lassen. Die bald dreifache Mutter Kathrin wird dann ihre Agentur wohl etwas zurückfahren müssen. Aber die Weinvermarktung macht ihr sichtlich Spaß, inklusive der Betreuung eines schon auf drei Dutzend Köpfe angewachsenen „Weinwerk“-Weinclubs.

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