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Österreichisches Talent in Rheinhessen

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07:40
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KNOLLS WINZERTIPPS

Österreichisches Talent in Rheinhessen
(v.l.) Die Winzertalente Peter und Barbara sichern eine erfolgreiche Zukunft, daneben die Eltern Josef und Erna Zöch, die den Grundstein gelegt haben. (© Familie Zöch)

ÖSTERREICH (Bisamberg) - Auch in Österreich schießen die Winzertalente wie Pilze aus dem Boden. Gelegentlich wagen sich einige sogar zur Ausbildung nach Deutschland. Einer wurde sogar in der Talentschmiede Nummer Eins, dem Weingut Keller in Flörsheim-Dalsheim (Rheinhessen) gedrillt, nämlich Peter Zöch in Bisamberg bei Wien.

 

Klaus-Peter Keller und vor ihm schon seit Vater Klaus hatten viele junge Winzer in der Ausbildung, die bald darauf Karriere machten. Zu nennen sind beispielsweise Stefan Winter, Johannes Landgraf (Becker-Landgraf), Julian Haart, Matthias Runkel (Weingut Bischel), Jochen Dreißigacker, Katharina Wechsler und noch einige mehr. Winzer wie Peter Leupold aus Franken und Juliane Eller, ebenfalls „Keller-Kinder“ sind wohl die nächsten, die auf der Karriereleiter nach oben klettern. 

Was man Klaus-Peter Keller hoch anrechnen darf, sind seine Weiterempfehlungen. So mancher gute Tipp, den Journalisten dann motivierend weitergeben, ist ihm zu verdanken. Jetzt prophezeit er erstmals einem Österreicher: „Das ist ein Typ wie Stefan Winter aus Dittelsheim-Hessloch. Peter Zöch kann es weit bringen!“ Bestätigt fühlt er sich mit diesem Urteil bei der Verkostung in der kleinen Probierstube der Familie in der Bisamberger Hauptstraße nur ein kurzes Stück von der Wiener Stadtgrenze entfernt. „Da ist Zug drin, das hast Du gut gemacht“, lobt Keller den gerade 22-Jährigen, der fast rote Ohren bekommt und darauf verweist, dass seine „große Schwester“ Barbara (23) mit den Eltern Erna und Josef im Jahrgang 2014 die Hauptarbeit übernommen hatten, weil er in der weiten Weinwelt Umschau hielt. 

Peter und Barbara schicken sich an, das Potenzial des Weinortes vor den Toren von Wien zu wecken. Bisamberg selbst ist hauptsächlich ein geruhsamer Wohnort im Einzugsgebiet der Hauptstadt mit einer Reihe von Buschenschenken, aber keinem Winzer mit Profil. Bisamberg ist aber ebenso die nördlichste Erhebung auf dem nördlich der Donau gelegenen 21. Stadtbezirk von Wien, dessen freie Flächen überwiegend mit Reben bestockt sind. Diverse renommierte Winzer wie Fritz Wieninger, Rainer Christ und der Weinviertler Roman Pfaffl haben hier Besitz und damit die Herkunft Bisamberg populär gemacht. Die Reben der Zöchs liegen dagegen – das ist der feine Unterschied - auf den Fluren des Ortes Bisamberg, profitieren aber ebenfalls von den guten Einflüssen der breiten Donau. Kein Wunder, dass bereits beim Wiener Kongress (1814-1815) Wein aus Bisamberg getrunken wurde. Doch so etwas ist fast in Vergessenheit geraten. 

Die Geschwister haben sich fest vorgenommen, den Weinbau in der Familie als drittes Standbein neben 50 Hektar Landwirtschaft und der Jagd (Vater Josef räuchert delikate Wildschweinsalami) zu etablieren und sind fest dabei, die Fläche durch Pacht und Neuanpflanzungen in den nächsten Jahren auf mindestens fünf Hektar zu erweitern. Mit dem Jahrgang 2013 ging es richtig los. Probieren kann man gehaltvolle, elegante Weißburgunder, Grüner Veltliner DAC und Riesling. Auch den schwierigen Jahrgang 2014 bekam Barbara als Dirigentin gut in den Griff, wie knackige, herzerfrischende Welschriesling, Neuburger, Pinot gris und die weiße Cuvée „Junger Zöch“ aufzeigen. 

Die Ausbildung der Geschwister war nicht spektakulär. Peter besuchte die Fachschule in Hollabrunn und absolvierte dann die Ausbildung im Weinmanagement in Krems. Danach war er im Stadtweingut Cobenzl tätig. Barbara hatte Klosterneuburg und die Universität für Bodenkultur in Wien (BOKU) sowie ein Praktikum bei Ferrari-Carano in Kalifornien als Stationen hinter sich; jetzt ist sie in Klosterneuburg in der Rebenzüchtung tätig. 

Wie kam Peter überhaupt auf die Idee zu einem Praktikum in Deutschland? „Ich habe mich auf der ProWein an deutschen Ständen durchverkostet, war begeistert und habe dann hinterher im Internet geforscht, ob ich etwas finde.“ Er wurde fündig, schrieb eine kleine Anfrage, die Klaus-Peter Keller als „einfach nett und interessant“ empfand. Und schon durfte er für einige Monate in Rheinhessen beobachten, wie große Weine entstehen und was dafür im Weinberg zu tun ist. 

Wenn man jetzt mit ihm durch seine eigenen Hanglagen oberhalb der Donau spaziert, hat man das Gefühl, dass er genau weiß, worauf es ankommt. Der Senior, der es anfangs nicht so recht mit ansehen konnte, dass die Kinder am Stock radikal selektionierten, hat inzwischen eingesehen, dass das der richtige Weg ist und ist mit seiner Frau Erna erkennbar stolz auf Bub und Mädel.

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