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KNOLLS WINZERTIPPS

Knoll’s Winzer-Talente: Die Pfälzer Brand-Brüder und die Schwurhand
Mit ihren wichtigsten Weißweinsorten Riesling, Weißburgunder und Scheurebe sind die beiden Brüder bereits auf einem sehr guten Weg. (Daniel und Jonas Brand © Andreas Durst)

DEUTSCHLAND (Bockenheim) - Eine gute Ausbildung bei namhaften Weingütern ist oft eine hervorragende Basis für eine nicht selten schnelle, aber dann auch dauerhafte Karriere. So betrachtet kann es mit den Brüdern Daniel (Jahrgang 1990) und Jonas Brand (1994) aus Bockenheim nach ersten Akzenten bei Wettbewerben nur weiter aufwärts gehen.

 

Weinbau wird im Familienweingut Brand schon seit 1891 betrieben. Aber bis vor wenigen Jahren war der Betrieb von Senior Jürgen kaum bekannt. Zwar wurde schon 1994 auf kontrollierten umweltschonenden Weinbau umgestellt, was zumindest für sorgsamen Umgang mit den Reben steht. Aber Schwung in den 18-Hektar-Betrieb kam erst mit dem Einstieg von Junior Daniel im Jahr 2011. Er kreierte sofort eine Premium-Linie und nannte sie „Schwurhand“ – was man als Versprechen für gehobene Qualität interpretieren kann. 

Geprägt wurde Daniel zunächst vom renommierten Rheinhessen-Weingut Gutzler in Gundheim. Im zweiten Lehrjahr passte er beim Weingut Neiss (ein Aufsteiger der letzten Jahre) im benachbarten Kindenheim gut auf. Anschließend lernte er noch mit dem Weingut Wageck-Pfaffmann in Bissersheim einen Betrieb kennen, der trotz seiner Größe (rund 40 Hektar) sehr erfolgreich unterwegs ist. Die Wirtschafter-Ausbildung in Neustadt sowie die Techniker-Ausbildung in Bad Kreuznach gaben ihm den letzten Schliff. „Eine ideale Mischung aus Theorie und Praxis“, urteilt Daniel über seinen Berufsweg.

Bruder Jonas absolvierte eine Lehre im Jesuitenhof in Dirmstein und lernte anschließend bei Top-Winzer Philipp Kuhn in Laumersheim besonders viel über Rotwein (Kuhn hat beim Deutschen Rotweinpreis von VINUM gewissermaßen ein Abonnement auf Spitzenplätze). Es folgte ein Praxisjahr im Weingut Jurtschitsch im Kamptal, das auf 70 Hektar ökologischen Weinbau betreibt und schon seit vielen Jahren zur österreichischen Spitze gehört. Hier lernte er eine spezielle Reberziehung kennen und zog das Fazit: „Ein besonders spannender Zeitraum.“ 2014 stieg er in den elterlichen Betrieb ein und hat sich vorgenommen, im Team mit dem Bruder Furore zu machen. 

Schon Daniel hat sich seit 2011 mit seinen Weinen weiter entwickelt. „Das kann man nachvollziehen, wenn man die Schwurhand-Linie von 2011 bis 2014 durchprobiert. Unterschiede sind schmeckbar“, urteilt er selbst. „Doch wir nähern uns mit kleinen Schritten unserer Idealvorstellung.“ Vollzogen wurde inzwischen auch die Fortsetzung der „grünen Linie“ von Vater Jürgen Brand. Mit dem Jahrgang 2015 wurde die Umstellung auf ökologische Bewirtschaftung vollzogen. Seitdem ist man auch Mitglied bei Bioland; 2018 wird das Weingut offiziell zertifiziert sein. 

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In kurzer Zeit haben die beiden Brüder, gelobt u.a. von MW Romana Echensperger, schon deutlich gemacht, dass die Richtung stimmt und sie eigenständige, ungekünstelte Weine mit Profil erzeugen können. (© Alnatura)
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Die Brüder sind in ihrer Öffentlichkeitsarbeit nicht zurückhaltend; sie wissen, dass Medien genaue Informationen brauchen. Deshalb haben sie sich ganz professionell sogar eine richtige Pressemappe erstellen lassen, mit vielen Hintergrund-Informationen und einem Interview. Besonders stolz sind sie auf erste Pressestimmen und Wein-Beurteilungen. Hervorgehoben wird hier ein Auftritt in der Fernsehsendung „Volle Kanne“ im ZDF, ein Lob der frischgebackenen Master of Wine Romana Echensperger für die feinaromatische Scheurebe sowie eine Spitzennote beim Wettbewerb Riesling-Champion von VINUM, als der 2013er aus der Flur Klosterschaffnerei mit 17.5 Punkten von 20 möglichen in der Kategorie „trocken“ einen Platz unter den Top Ten belegte.

Mit ihren wichtigsten Weißweinsorten Riesling, Weißburgunder und Scheurebe sind sie bereits auf einem sehr guten Weg. Fruchtig können sie auch, wie mit einem rassigen, verspielten 2014 Riesling Kabinett demonstriert wird. Bei Rotwein ist noch nicht alles Paletti. Der aktuelle Spätburgunder 2013 ist zwar gut, aber wirkt etwas zu breitschultrig. Bei der 2013er Cuvée Flora sind die Gerbstoffe noch vordergründig, was sich aber vielleicht mit der Zeit legen mag. Doch in der Kürze der Zeit haben die beiden Brüder schon deutlich gemacht, dass die Richtung stimmt und sie eigenständige, ungekünstelte Weine mit Profil erzeugen können. Weiter so! (r.knoll)

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