Statt des Wunders kam die Polizei

Samstag, 17. September 2011 | 08:14 Uhr | RED.YOOPRESS | KRIMINELLES
Quelle: AFP
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Kweku Adoboli, 31, stammt aus Ghana (Screenshot: Facebook)

UK (London) - Zuletzt hatte er wohl vergeblich gewartet auf ein Ereignis, das ihn noch hätte retten können. "Ich brauche ein Wunder", soll der 31-jährige Kweku Adoboli im sozialen Netzwerk Facebook geschrieben haben. Der Investmentbanker bei der Schweizer Großbank UBS war zu diesem Zeitpunkt offenbar schon lange nicht mehr so entspannt wie auf dem Foto, das er im Internet von sich zeigte: ein Mann mit kurzgeschorenem Haar und modischem Bärtchen, mit müdem Blick auf einem Sofa liegend.

Das Wunder kam aber nicht - sondern die Polizei: Halb vier Uhr nachts am Donnerstag war es, Adoboli saß wie so oft spät an seinem Schreibtisch im Londoner UBS-Büro, da nahmen ihn die Beamten fest. Zuvor hatten Anwälte und Manager der Bank laut Medienberichten auf den Händler eingeredet, um herauszufinden, woher die gewaltigen Verluste stammen. Die UBS wirft ihm vor, mit ungenehmigten Wertpapiergeschäften zwei Milliarden Dollar (1,4 Milliarden Euro) verzockt zu haben. Am Mittwoch deckte die Großbank den Verlust nach eigenen Angaben auf und informierte die Behörden.

Die Aktivitäten Adobolis könnten für die UBS weitreichende Folgen haben. Nicht nur droht nun ein Minusergebnis im dritten Quartal. Zudem erklärten am Freitag die Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's, dass sie eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit der UBS prüften. Der mutmaßliche Betrugsskandal zeige "Schwächen im Risikomanagement" der Bank auf.

Vieles an dem Fall Adoboli erinnert an Jérôme Kerviel, den jungen französischen Skandalhändler, der vor drei Jahren die Société Générale, Frankreichs zweitgrößte Bank, mit seinen windigen Spekulationsgeschäften um knapp fünf Milliarden Euro brachte. Kerviel stürzte tief: Er wurde im Herbst 2010 zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Außerdem muss er seinem früheren Arbeitgeber die enorme Summe zurückerstatten, die er verzockte.

Auch Adoboli konnte seinen riskanten Aktivitäten lange nachgehen, ohne dass der Schatten eines Verdachts auf ihn fiel. Als aufstrebender und beliebter Mitarbeiter wird er von Kollegen beschrieben, der durch seine gewählten Worte und gute Kleidung auffiel. Laut seinem Profil in einem anderen Online-Netzwerk war er Chef der Abteilung Exchange Traded Funds, also für Börsenprodukte zuständig, die Aktienindizes wie den Dax abbilden. 300.000 Pfund (gut 342.000 Euro) verdiente er nach Schätzungen britischer Medien pro Jahr und lebte als Junggeselle in einer teuren Wohnung im angesagten Ost-Londoner Stadtteil Shoreditch.

Dort feierte Adoboli gerne Partys, engagierte einen DJ und lud jeden Monat 50 bis 100 Gäste ein. Als sich ein Nachbar über die laute Musik beschwerte, schickte er zur Entschuldigung eine Flasche Champagner. Der ausschweifende Lebensstil passt kaum zu Adobolis hochseriös wirkendem Lebenslauf: Der 31-Jährige ist Sohn eines ehemaligen UN-Beamten aus Ghana, wo er auch geboren ist. Die Familie lebt noch immer in der Heimatstadt Tena. Der junge Kweku ging auf eine noble Privatschule in Nordengland, machte 2003 einen Abschluss in Informatik an der Universität von Nottingham und fing 2006 als Investmentberater bei der UBS an.

"Es könnte sein, dass er einen Fehler gemacht oder etwas falsch beurteilt hat", sagte Adobolis Vater laut britischen Presseberichten zu den Anschuldigungen. Und fügte hinzu: "Ich habe unserer Familie beigebracht, gottesfürchtig und anständig zu sein." (red.yoopress)

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