Teufelskreis durchbrechen - Lampenfieber-Ambulanz für Musiker gegründet

Montag, 29. November 2010 | 07:29 Uhr | RED.YOOPRESS | KURIOSES
Quelle: AFP
2010_11-lampenfieber
Jeder zweite Berufsmusiker leidet unter Angstattacken

DEUTSCHLAND (Bonn) - Das Herz schlägt bis zum Hals und der Atem rast: Viele Musiker leiden unter extremem Lampenfieber. In Bonn wurde nun die deutschlandweit erste Lampenfieber-Ambulanz speziell für Musiker gegründet, wie das Universitätsklinikum am Freitag mitteilte. Sie will Betroffenen die Angst vor dem großen Auftritt nehmen.

Schätzungsweise jeder zweite Berufsmusiker leidet unter Lampenfieber: Dem Sänger versagt die Stimme, der Bläser hat einen trockenen Mund und dem Geiger zittert die Bogenhand. Über die Jahre kann das Lampenfieber immer stärker werden. Manche Musiker greifen dann auch zu Alkohol, Drogen oder Beta-Blockern, die das Herzrasen senken. Die Angst vor dem Auftritt kann so groß werden, dass sie sogar Karrieren zerstört.

Die Ursache sei in allen Fällen gleich, erklärt Déirdre Mahkorn, Oberärztin an der Bonner Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Berufsmusiker seien "leistungsorientierte Perfektionisten mit hohem Ehrgeiz". "Sie sind mit sich selbst zu streng und hadern im Rückblick über jeden Fehler", meint die Expertin. Es entsteht ein Teufelskreis: Das Scheitern wird vorweggenommen, obwohl es noch gar nicht passiert ist. Dadurch erhöht sich laut Mahkorn die Angst vor dem Auftritt.

Die Bonner Psychologen wollen den Musikern helfen, "diesen Teufelskreis zu durchbrechen". Zunächst erstellen sie ein Persönlichkeitsprofil des Betroffenen und nutzen ein individuelles Angst-Tagebuch. Hinzu kommen Entspannungsübungen, um die Lampenfiebersymptome zu lindern. "Je länger das Problem bereits bestand, desto länger braucht der Betroffene auch, um sein Lampenfieber zu kontrollieren", erklärt der Psychologe Martin Landsberg.

Lampenfieber sei unter Musikern meist ein Tabuthema, wissen die Bonner Experten. Der Bedarf sei aber hoch. So zählt die vor kurzem eröffnete Lampenfieber-Ambulanz bereits 40 Patienten. Anonymität ist dabei das höchste Gebot: Die Termine werden den Angaben zufolge möglichst so koordiniert, dass die Betroffenen sich nicht rein zufällig vor Ort begegnen. (red.yoopress)

Kommentare (0)