Beim Umwerben ihrer Kunden setzt die Autobranche auf Gefühl. "Das Auto wird für viele emotionsloser. Das stellt die Hersteller vor die Frage: Was kann ich machen, damit das Auto spannend und begehrlich bleibt?", beschreibt es Stephen Reith, Automotive-Partner beim Beratungsunternehmen Booz & Company. Drei Eigenschaften müsse ein erfolgreicher Wagen mitbringen: "Er muss Lifestyle und Bequemlichkeit anbieten und das ökologische Bewusstsein der Leute treffen", sagt Reith.
Dieses "Lifestyle"-Gefühl und größere Bequemlichkeit sollen mehr und mehr Fahrzeuge mit Internetanbindung bieten. Studien zufolge wird deren Zahl von weltweit rund einer Milliarde im Jahr 2010 auf 50 Milliarden im Jahr 2020 ansteigen. In Deutschland wünscht sich einer Umfrage des Hightech-Verbands Bitkom zufolge rund jeder zweite Autofahrer einen Internetzugang im Auto. "Und wenn der Markt sagt, wir wollen das haben, dann kriegt er das", prognostiziert Analyst Frank Biller von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Zumindest Schnittstellen für Smartphones müssten Autobauer künftig im Angebot haben.
Premium-Anbieter bauen die Verbindung ins Internet schon heute auf Wunsch direkt ein. BMW bietet seit kurzem via Bordcomputer direkten Zugang auf ein Onlineportal, das schon unterwegs verrät, welches Restaurant, welcher Laden oder welches Museum am Zielort zu empfehlen sind. Aktuelle Nachrichten, Wetterinfos, Apotheken- und Geldautomatsuche kommen schon länger online auf den Bildschirm im Fahrerraum.
Auch Konkurrent Daimler rüstet auf. Unter anderem die neue B-Klasse, die die Stuttgarter auf der IAA erstmals der Öffentlichkeit präsentieren werden, kommt auf Wunsch mit internetfähigem Bordcomputer daher. Steht das Auto, kann der Fahrer frei im Internet surfen, bei der Fahrt nutzt er spezielle Mercedes-Apps.
Ford lässt derweil bei der Auto-Schau in die virtuelle Zukunft und in die automobile "Cloud" blicken. Der US-Konzern stellt ein futuristisches Modell vor, das unmittelbaren Zugang zur "Datenwolke" seines Besitzers hat. Musikprogramm, Raumklima - der Fahrer kann es im Auto haben wie zu Hause, weil Heimgeräte direkt mit dem Fahrzeug in Verbindung stehen können.
"Die Vernetzung ist ein Megatrend", sagt Biller. Welche Internet-Angebote sich aber dauerhaft durchsetzen, bleibt angesichts des frühen Stadiums der Liaison von Auto und Internet noch offen. "Es ist viel Hype in der momentanen Diskussion", räumt Reith ein. Der Bitkom-Studie zufolge versprechen sich Autofahrer vom Internet im Auto vor allem Hilfe, etwa bei der Suche nach Tankstellen. Aber auch die Abfrage von E-Mails oder die Kommunikation in Online-Communitys wollen manche im Auto erledigen. "Diese Wünsche so umzusetzen, dass weder Bedienbarkeit noch Verkehrssicherheit zu kurz kommen", sei nun die Herausforderung der Hersteller, mahnt Bitkom-Präsidiumsmitglied Martina Koederitz.
Gefahren für die Sicherheit sieht auch der Technologie-Konzern McAfee. Das auf Sicherheitsaspekte spezialisierte US-Unternehmen warnte in dieser Woche vor Hackerangriffen auf Autos. "Es ist eine Sache, das E-Mail-Postfach oder den Laptop zu gefährden, aber wenn das Auto gehackt wird, könnte das zu ernsthaften Risiken für die eigene Sicherheit werden", sagte McAfee-Hauptgeschäftsführer Stuart McClure. Bisher sei derartiges noch nicht vorgekommen - die Sorgen aber nähmen zu. (red.yoopress)




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