Demokratie im Verließ - Die Einheit war der Schlüssel

Sonntag, 17. October 2010 | 10:18 Uhr | RED.YOOPRESS | GESELLSCHAFT
Quelle: AFP
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Gedanke an Lebensgefährtin gab dem 50-jährigen Barrios Hoffnung

CHILE (Copiapó) - Die 33 für fast zehn Wochen in einer chilenischen Mine eingeschlossenen Bergleute haben ihr Leben in 700 Metern Tiefe gemeinsam organisiert. "Es gab da unter Tage keine Anführer", berichtete der 50-jährige Yonni Barrios am Freitag nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus in Copiapó. "Wir waren eine demokratische Gruppe. Immer wenn wir eine Entscheidung treffen mussten, haben wir abgestimmt." Die 32 mit ihm am Mittwoch und Donnerstag nach und nach aus der Mine San José geretteten Männer seien "gute Kollegen" und hätten sich "gut organisiert", fügte Barrios hinzu. "Die Einheit war der Schlüssel."

Barrios spielte in der Gruppe aufgrund medizinischer Grundkenntnisse eine wichtige Rolle. Er verteilte in Absprache mit Ärzten Medikamente an die anderen Verschütteten, beobachtete ihren Gesundheitszustand und impfte sie gegen Tetanus und Diphtherie. Nach fast 70 Tagen in dem warm-feuchten Rettungsraum leidet der 50-Jährige jedoch nun nach eigenen Worten selbst unter gesundheitlichen Problemen. Aufgrund der Dunkelheit in dem Stollen leide er unter Sehstörungen, und auch eine Zahnbehandlung sei nötig.

Zudem hat Barrios nach den Wochen in dem unterirdischen Verließ auch mit seelischen Problemen zu kämpfen. Er werde sich von Psychologen behandeln lassen, berichtete er. Es sei "fürchterlich" in 700 Metern Tiefe gewesen und "sehr schwer", dort immer den Lebensmut zu behalten. Besonders schlimm war nach seinen Angaben die Zeit seit dem Einbruch der Mine am 5. August bis zum ersten Kontakt mit der Außenwelt am 22. August. Danach habe sich die Lage gebessert. Nachdem die Rettungskräfte die Bergarbeiter durch einen schmalen Schacht erreicht hatten, wurden die Eingeschlossenen mit Nahrung und Medizin versorgt und konnten Kontakt zu ihren Freunden und Familien halten.

Der Gedanke an seine Lebensgefährtin Susana habe ihm Kraft gegeben, sagte Barrios. "Mehrere Male hatte ich alle Hoffnung verloren. Aber ein Mensch braucht immer einen Grund, um weiter zu kämpfen. Und sie war mein Grund." Das Privatleben des 50-Jährigen hatte in den Wochen bis zu der Rettung der Bergleute Schlagzeilen gemacht, weil Barrios zwar mit Susana zusammenlebt, aber noch mit einer anderen Frau verheiratet ist.

Trotz der traumatischen Erlebnisse in dem Stollen will Barrios nach eigenen Worten auf jeden Fall weiter als Bergmann arbeiten. "Ich werde mich etwas ausruhen und dann wieder nach unter Tage zurückkehren." Anders als manche seiner Leidensgenossen plant Barrios jedoch keine Reise, um auf andere Gedanken zu kommen: "Ich war in 700 Metern Tiefe unter der Erde und ich möchte nicht in 700 Metern Höhe über der Erde sein und auch nicht 700 Kilometer von meinem Land entfernt." (red.yoopress)

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