Austen genieße den Ruf, stilsicher wie kaum eine andere Schriftstellerin Sätze bis in die Feinheiten der Interpunktion formvollendet zu Papier gebracht zu haben, sagte Sutherland. Von Austens Bruder Henry stammt das ehrfürchtige Zitat, alles was seiner Schwester Feder geflossen sei, sei "vollendet" gewesen. Mitnichten - hält Sutherland dagegen: "Bei der Lektüre ihrer Manuskripte wird schnell deutlich, dass es an dieser filigranen Exaktheit mangelt."
Austens Ruf als Perfektionistin werde schon durch den Augenschein der Texte widerlegt: "Tintenkleckse, Ausstreichungen, Unordnung - wir sehen den schöpferischen Akt, wie er sich vollzieht, und in Austens Fall entdecken wir einen mächtigen, der Grammatik zuwiderlaufenden Schreibstil. Sie brach die meisten Regeln für gutes Schrift-Englisch", urteilte Sutherland.
Insbesondere den hochgerühmten glanzvollen Stil in den Werken "Emma" (1816) und "Überredung" (1817) "gibt es einfach nicht", stellte Sutherland fest. "Das legt die Vermutung nahe, dass irgendein anderer sehr stark am Editionsprozess zwischen Manuskript und gedrucktem Buch beteiligt war", sagte die Expertin. Vermutlich handele es sich um William Gifford, ihren Entdecker und Lektor, wie aus Briefen zwischen Austen und Verleger John Murray hervorgehe.
Jane Austen, die die meiste Zeit ihres Lebens in Südengland verbrachte, veröffentlichte von 1811 an ihre berühmten Romane, darunter "Sense and Sensibility" ("Verstand und Gefühl", 1811), "Pride and Predjudice" ("Stolz und Vorurteil", 1813), "Mansfield Park" (1814) und "Emma".




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