Das Wunder und der Fluch von Copiapó

Freitag, 05. August 2011 | 07:23 Uhr | RED.YOOPRESS | MENSCHEN
Quelle: AFP
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Vor einem Jahr wurden 33 Bergarbeiter in Chile verschüttet Viele Kumpel kämpfen noch heute mit Folgen des Unglücks (Foto: www.copiapo.cl)

CHILE (Copiapó) - Drei Filme über das "Wunder von Copiapó" sind in Arbeit, die bewegenden Live-Bilder von der Rettung der 33 Bergleute in Chile sind Fernsehzuschauern weltweit bis heute in Erinnerung. Am Freitag jährt sich das Unglück in der Kupfer- und Goldmine San José zum ersten Mal. Die Kumpel gedenken des unheilvollen Tags und ihrer wundersamen Rettung 69 Tage später mit einem Gottesdienst in ihrer Heimatstadt Copiapó in der Nähe der Mine. Doch bei vielen von ihnen hat die Euphorie nach ihrer Bergung inzwischen Ernüchterung Platz gemacht.

Die Bergarbeiter hatten am 5. August 2010 gerade zu Mittag gegessen, als es in ihrem Schacht in mehr als 600 Metern Tiefe zu dröhnen beginnt, dann bebt die Erde. Ein Erdrutsch 200 Meter weiter oben versperrt den 33 alle Wege. "Wir dachten, dass wir da niemals wieder rauskommen", erinnert sich der jüngste der Gruppe, Jimmy Sánchez.

Er war damals 19, sein ältester Kollege 63. Es ist feucht und über 30 Grad heiß dort unten. Zu trinken gibt es Wasser, das durch das Gestein rieselt und alle 48 Stunden ein halbes Glas Milch, dazu zwei Löffel Thunfisch für jeden. "Wir warteten darauf zu sterben", schildert Richard Villarroel seine damalige Verzweiflung. Er habe sich bereits ausgemalt, wie es sein würde, wenn sie den ersten Toten unter ihnen verspeisten, erinnert sich Mario Sepúlveda.

Am Ausgang der Mine versammelten sich unterdessen die Angehörigen der Verschütteten. In der eisigen nächtlichen Kälte der Atacama-Wüste harrten sie aus, machten Feuer und bauten Zelte - ihr "Camp der Hoffnung". An dem halten sie auch fest, als es kaum noch Hoffnung gab. Eine Woche nach der Katastrophe räumt Bergbauminister Laurence Golborne mit Tränen in den Augen ein, dass es "nur noch eine geringe Wahrscheinlichkeit gibt, Überlebende zu finden".

16 Tage vergehen ohne ein Lebenszeichen. Doch dann befördert eine Sonde ein Stück Papier zu Tage. "Uns geht es gut in unserem Rückzugsort. Die 33", steht darauf in großen roten Buchstaben. Eine Kamera zeigt Bilder der winkenden Kumpels. Einen Tag später erreichen erstmals Lebensmittel die Verschütteten. Ingenieure, das Militär und die NASA arbeiten einen Plan zu ihrer Rettung aus. 69 Tage nach dem Unglück, am 13. Oktober, gelingt die 14 Millionen Euro teure Aktion: Durch einen 66 Zentimeter schmalen und 622 Meter tiefen Schacht bringt eine Rettungskapsel die Bergleute aus ihrem Verlies in die Freiheit.

Das monatelange Bangen und die spektakuläre Rettung machte aus den einfachen Bergarbeitern internationale Berühmtheiten. Viele von ihnen gingen zum ersten Mal in ihrem Leben auf Reisen, hielten Vorträge über ihre unglaubliche Geschichte und trafen Prominente. Doch ein Jahr später kämpfen die meisten von ihnen auf die eine oder andere Weise immer noch mit dem Folgen des Unglücks.

Sieben der 33 seien immer noch krank geschrieben, sie litten unter anderem an Schlaflosigkeit, sagt der Arzt Alejandro Pino. "Einigen machen die Erinnerungen zu schaffen und sie leiden darunter", sagt Luis Urzúa, der Schichtleiter vom 5. August 2010. "Wir sind eben nicht alle gleichermaßen in der Lage, wieder auf die Beine zu kommen."

Nach dem anfänglichen Wirbel ist es inzwischen ruhiger um die Bergleute geworden. Die meisten leben immer noch in der Nähe der Mine, doch die wenigsten arbeiten noch dort. Sie halten sich mit Gelegenheitsjobs und Spenden über Wasser. Osmán Araya und Darío Segovia beispielsweise verkaufen Obst auf dem Markt von Copiapó. 14 Anträge auf vorzeitigen Ruhestand prüft die Regierung noch. Mitte Juli reichten 31 Kumpel Klage gegen die Regierung ein, sie machen sie für die geringen Sicherheitsstandards der Mine verantwortlich und fordern 500.000 Dollar (350.700 Euro) Entschädigung pro Person. (red.yoopress)

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