"Ich fühle mich sehr gut, als ob mein Gesundheitszustand ausgezeichnet wäre", schrieb Buffett den Aktionären von Berkshire Hathaway. Der Krebs sei nach Angaben seiner Ärzte "nicht im entferntesten lebensgefährlich" und werde ihn "nicht sonderlich schwächen". Die Erkrankung wurde demnach in der vergangenen Woche nach einer Routineuntersuchung diagnostiziert.
Das US-Magazin "Forbes" führt Buffett mit einem Vermögen von 44 Milliarden Dollar (33,7 Milliarden Euro) als drittreichsten Mann der Welt. Berkshire Hathaway hält unter anderem bedeutende Anteile an dem Getränkeriesen Coca Cola, dem Computerkonzern IBM und dem Finanzdienstleister Wells Fargo. Dutzende Unternehmen besitzt die Investmentfirma ganz - von Versicherungsfirmen bis zu einer Eisenbahngesellschaft.
Doch der Reichtum ist Buffett nicht anzusehen. Mit seiner altmodischen Brille und den über dem Bauch spannenden Hemden wirkt er eher wie ein gutmütiger Opa, der mit den Haifischen an der Wall Street nur wenig gemein hat. Der Mulitmilliardär pflegte einen bescheidenen Lebensstil und lebt noch immer in seinem Haus in Omaha, das er vor mehr als einem halben Jahrhundert kaufte. Statt Sterne-Köchen bevorzugt er Cola und Hamburger.
Sein Credo für richtiges Investieren lernte der Sohn eines Brokers bereits im Alter von elf Jahren: Zum ersten Mal erwarb er Aktien, um sie voreilig mit geringem Gewinn wieder zu verkaufen - und verpasste den langfristigen Wertanstieg. Die Lektion sollte er sein Leben lang nicht mehr vergessen und fahndete nach unterbewerteten Unternehmen, die unabhängig von Kursschwankungen langfristige Profite liefern würden.
Nach seinem Abschluss an der der New Yorker Columbia-Universität gründete der junge Familienvater Mitte der 50er Jahre seine eigene Anlagefirma. 1962 stieg er dann bei dem maroden Textilunternehmen Berkshire Hathaway ein, das er über die Jahre zu einem wahren Finanzkoloss ausbaute. In einem seiner typischen Deals erwarb Buffett 1964 massenweise Anteile an American Express zum Stückpreis von 35 Dollar - drei Jahre später waren sie 180 Dollar wert. Inzwischen gibt es kaum einen Wirtschaftsbereich, an dem Buffetts Berkshire Hathaway nicht beteiligt wäre.
Früher hatte Buffett geplant, sein Vermögen nach seinem Tod für wohltätige Zwecke zur Verfügung zu stellen. Doch 2004 starb seine Frau Susan, mit der er trotz jahrelanger Trennung gut befreundet war und die eigentlich den Übergang des Milliardenvermögens in Benefizwerke organisieren sollte. So entschied Buffett, seinen Reichtum schon zu Lebzeiten schrittweise zu spenden - ein Großteil soll an die Stiftung von von Microsoft-Gründer Bill Gates gehen.
Ab Mitte Juli will Buffett seine Krebserkrankung mit einer zweimonatigen Strahlentherapie behandeln lassen. Seine Reisefähigkeit werde eingeschränkt sein, "aber sonst wird es mein tägliches Leben nicht verändern", sagte er.
Buffett und sein sieben Jahre älterer Stellvertreter Charlie Munger scheinen nicht bereit, bei Berkshire Hathaway das Feld zu räumen. Im Februar teilte Buffett zwar mit, einen Nachfolger gefunden zu haben, der im Notfall die Geschäfte übernehmen könnte. Einen Namen verriet Buffett nicht und betonte: "Schließt daraus nicht, dass Charlie und ich irgendwo hingehen würden." (g.waschinski)




Als Email versenden
Lesezeichen setzen