Die ehemalige First Lady dementiert umgehend, räumt aber gesundheitliche Probleme ihres Mannes ein. "Mit 78 Jahren ist er nicht mehr genau der, der er einmal war", sagt sie im Radio. Er habe manchmal Probleme beim Gehen und höre schlecht. Auch Gedächtnisstörungen träten hin und wieder auf. Doch Bernadette Chirac, nur ein halbes Jahr jünger als ihr Mann und deutlich fitter, bemüht sich um Normalität: "Das ist nicht sehr viel anders als das, was zahlreiche Familien erleben, wenn einer von ihnen alt wird".
Die Krankheit eines Ex-Präsidenten ist in Frankreich stets für Aufregung gut. Bei Chirac, dem immer noch beliebtesten Politiker des Landes, bekommt der schlechte Gesundheitszustand aber auch eine juristische Dimension. Der hochgewachsene 78-Jährige soll sich ab 7. März als erster Ex-Präsident des Landes vor Gericht verantworten. Es geht um Scheinarbeitsverhältnisse für Freunde und Vertraute im Pariser Rathaus, wo er von 1977 bis 1995 Bürgermeister war. Für Bernadette Chirac ist es keine Frage, dass ihr Mann vor Gericht erscheinen wird, auch wenn ihr der Auftritt Sorgen bereitet: "Er hat immer gesagt, dass er zu seinem Prozess gehen wird und er wird es machen".
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Das Verfahren ist das unrühmliche Ende einer mehr als 40 Jahre währenden politischen Karriere, die 1967 mit Chiracs Wahl in die Nationalversammlung begann. Es folgten Ministerposten, zweimal das Amt des Regierungschefs, die 18 Jahre an der Spitze der Pariser Stadtverwaltung und zweimal das Präsidentenamt. In seine Zeit als Staatschef fällt der Irak-Krieg, dem Frankreich sich verweigerte. Innenpolitisch bleibt Chiracs mutige Rede in Erinnerung, in der er 1995 erstmals die Mitverantwortung Frankreichs am Holocaust einräumte.
Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt gründet der Pariser Bankierssohn, der seit mehr als 50 Jahren mit Bernadette Chirac verheiratet ist und zwei Töchter hat, eine Stiftung. Zweimal pro Woche sitzt er vormittags an den Memoiren über seine Zeit im Elysée-Palast, die im Mai oder Juni erscheinen sollen. Das Bad in der Menge liebt er heute noch genauso wie als Präsident. Erst vergangene Woche genoss er den Kontakt mit der Bevölkerung bei der Einweihung eines Museums für die unter den Nazis verschleppten jüdischen Kinder. Doch das Wort ergreift der müde und gebrechlich wirkende Ex-Präsident, der 2005 einen leichten Schlaganfall erlitten hatte, nicht. "Chirac ist ein Bild ohne Ton", schreibt "Journal du Dimanche".
Die Frage ist nun, wie Chirac den Prozess überstehen wird, für den im Pariser Gerichtsgebäude extra ein Ruheraum eingerichtet wurde. "Das ist eine schreckliche Prüfung, die ihn erwartet", sagt sein alter Weggefährte, Verteidigungsminister Alain Juppé, der selbst in die Affäre verstrickt ist. Doch sein Biograph Jean-Luc Barre gibt den ehemaligen Algerien-Soldaten Chirac nicht auf: "Das ist ein Mann, der ein Kämpfer bleibt, ein Krieger". (red.yoopress)





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