HIV-Prozess: "Es war zu viel für eine Seele"

Dienstag, 17. August 2010 | 01:50 Uhr | AFP-RED.YOOPRESS | STARS & STERNCHEN
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No-Angels-Sängerin Benaissa räumt ungeschützten Sex trotz HIV ein (Foto: André D Conrad)

DEUTSCHLAND (Darmstadt) - Nadja Benaissas Stimme stockt, mit einem Finger scheint sie eine Träne aus dem Augenwinkel zu wischen. "Es tut mir von Herzen leid", sagt die No-Angels-Sängerin, als sie am Montag vor dem Amtsgericht Darmstadt einräumt, trotz einer ihr bekannten HIV-Infektion ungeschützten Sex gehabt zu haben. Ansonsten äußerte sie sich am ersten Tag des Prozesses gegen sie wegen gefährlicher Körperverletzung sachlich und ausführlich zu den Vorwürfen und ihrem Leben mit dem Aids-Virus. Sichtlich mitgenommen und voller Wut zeigte sich dagegen vor Gericht der Mann, der sich mutmaßlich bei ungeschütztem Sex mit ihr mit dem Virus infiziert haben soll.

Erst ließ Benaissa am Montagmorgen im Gerichtssaal ihren Anwalt Oliver Wallasch sprechen. Doch schon die von ihm verlesene Erklärung der 28-jährigen Sängerin war eindeutig. Sie räumte darin unmissverständlich ein, schon 1999 während ihrer Schwangerschaft von der HIV-Infektion erfahren zu haben und dennoch mit unwissenden Partnern ungeschützten Sex gehabt zu haben. "Es war ein großer Fehler von mir", hieß es in der Erklärung. Es sei aber niemals ihre Absicht gewesen, jemanden mit dem HI-Virus zu infizieren.

Danach ergriff die 28-jährige, die in Jeans und einer lilafarbenen Bluse vor Gericht erschienen war, selbst das Wort. Ausführlich schilderte sie ihren Lebensweg. Sie erzählte davon, dass sie in der sechsten oder siebten Klasse in den falschen Freundeskreis geriet, mit 14 Jahren crack-süchtig war und zwei Jahre auf der Straße lebte. Mit 16 Jahren habe sie erfahren, dass sie schwanger sei, und habe sofort mit den Drogen aufgehört. Bei einer Routineuntersuchung im dritten Schwangerschaftsmonat erfuhr sie schließlich von ihrer HIV-Infektion.

Kurz darauf begann ihre Popkarriere als Mitglied der Mädchenband "No Angels", die aus der ersten Staffel der Casting-Show "Popstars" hervorging. "Es war nichts mehr wie vorher, es gab eine riesige Euphorie", erinnerte sie sich vor Gericht. Sie sei aber "nicht wirklich glücklich" gewesen. Die Band trennte sich schließlich, im Jahr 2007 kam es zum Comeback.

In dem gleichen Jahr erfuhr Benaissa nach eigenen Angaben in einem Berliner Hotel davon, dass auch einer ihrer sexuellen Partner HIV-positiv war. Ihre erste Reaktion sei gewesen, sie müsse mit ihm sprechen. Am nächsten Tag sei dann aber schon in Internetforen die Rede davon gewesen, sie sei HIV-positiv. "Es war so ein Psycho-Terror. Es war einfach zu viel für eine Seele", sagte Benaissa. Zu einem Gespräch mit dem Mann kam es nicht.

Im Gerichtssaal wirkte die 28-Jährige trotz der Schwere ihrer Worte sehr gefasst. Der 34-jährige, der sich im Jahr 2004 bei ungeschütztem Sex infiziert haben soll, hatte sich weitaus weniger unter Kontrolle. "Du hast soviel Leid in die Welt getragen", platzte es mitten in seiner Zeugenaussage aus ihm heraus. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, ob er nach dem positiven HIV-Test Kontakt mit Benaissa gesucht habe, antwortete er wütend: "Ich soll Kontakt aufnehmen? Nein, ich nicht."

Detailliert schilderte er dagegen, wie er von einer Tante Benaissas von deren HIV-Infektion erfuhr und danach sogleich zu seinem Hausarzt ging, um sich selbst testen zu lassen. Sein Bruder sagte als Zeuge vor Gericht, dieser habe sich nach dem positiven Test anderthalb Jahren "aus dem Leben zurückgezogen". Er habe die Infektion immer noch nicht verarbeitet.

Benaissa nahm die Aussagen nach außen nahezu regungslos auf. Als sie zuvor mit leicht stockender Stimme davon gesprochen hatte, dass es ihr "von Herzen" leid tue, war ihr früherer Sex-Partner noch nicht im Gerichtssaal. Als er den Saal wieder verließ und an Benaissa vorbeiging, schauten die beiden sich nicht an. (afp-red.yoopress)

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