Das Erreichen der Pensionsgrenze will die frühere Party-Löwin ohne größere Feierlichkeiten begehen. Dem Sender NBC sagte sie: "Ich werde 65. Was mir dazu in den Sinn kommt, ist, dass ich dann Rente beziehen kann." Es sind lakonische Worte einer hochbegabten und hochsensiblen Frau, die oftmals selbst die Hauptrolle in der Inszenierung ihres eigenen Lebensdramas gespielt hat. Glänzende Comebacks wechselten sich ab mit Abstürzen in die Sucht, eine Gehirnerkrankung brachte sie vor zehn Jahre an den Rand des Todes.
"Life Is A Cabaret", sang Minnelli in ihrer unvergessenen Paraderolle als Nachtclubmädchen Sally Bowles in dem Film "Cabaret", die ihr 1972 den Oscar einbrachte. Kabarett ist schillernd, unterhaltsam, unvorhersehbar - so wie Minnellis wahres Leben. An den Filmerfolg konnte Minnelli zunächst nicht anknüpfen. Als Sängerin und Vollblut-Entertainerin feierte sie immer wieder Erfolge, doch konnten diese ihren Weg nach unten nicht aufhalten. Alkohol, Tabletten, Entziehungskuren - ihre Karriere schien Anfang der 80er Jahre vorbei.
Schmerzhafte Vergleiche mit dem Schicksal ihrer Mutter Judy Garland drängten sich auf. Die Hollywood-Schauspielerin starb 1969 schwer angeschlagen mit 47 Jahren an Schlaftabletten. Minnellis Kindheit in Hollywood war bizarr, es gab viel Glamour und wenig elterliche Liebe. Minnellis Vater war Starregisseur Vincente Minnelli, sie stand zunächst im Schatten ihrer übermächtigen Eltern. Mit Talent und Disziplin baute sie sich ihre eigene Karriere auf. Vielleicht war es auch der Drang nach Distanzierung von den Eltern, die sie zu Spitzenleistungen auf der Bühne und vor den Kameras angetrieben hat.
Ihren Erfolg hat Liza Minnelli jedenfalls nicht der Herkunft zu verdanken, sondern ihrem unbestrittenen Talent. Sie gewann alle wichtigen Preise für Theater-, Musical-, Film- und Fernsehauftritte: den Oscar, den Grammy, den Tony, den Emmy. In ihren Showauftritten bezaubert sie auch jenseits der 60 noch mit großer Energie: Minnelli beherrscht die große Geste, das Drama, das Spiel mit Pathos und Emotionen.
Vor zwei Jahren gelang Minnelli ein neues bejubeltes Comeback mit einer eigenen Show am Broadway, von dem sie sich zehn Jahre fern gehalten hatte. Da lagen gerade die letzte ihrer vier Scheidungen und neue Suchtgerüchte hinter ihr. Einer Diva wie Minnelli verzeiht das Publikum freilich. Im vergangenen Jahr brachte sie nach einer Knieoperation eine neue Platte auf den Markt mit altersreifen, sanft-jazzigen Tönen - und sie spielte eine Gastrolle im Kinofilm "Sex and The City 2", der ihr eine Nominierung für eine "Goldene Himbeere" für die schlechteste schauspielerische Leistung des Jahres einbrachte. Es war einer der wenigen Preise, den sie am Ende nicht gewann. (red.yoopress)




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