"Die Existenz eines menschlichen Wesens hört nicht da auf, wo die Finger enden", schrieb ein schwedischer Rezensent zu den Gedichten Tranströmers, die teils auch als "säkulare Gebete" bezeichnet werden. Seine Reputation in der englischsprachigen Welt verdankt Tranströmer weitgehend der Freundschaft mit dem US-Lyriker Robert Bly, der einen großen Teil seines Werkes ins Englische übertrug. Insgesamt wurde seine Poesie in mehr als 60 Sprachen übersetzt. Auf Deutsch erschienen unter anderem "Für Lebende und Tote" (1993), "Die Erinnerungen sehen mich" (1999) und "Das große Rätsel" (2005).
Tranströmers Gedichte sind reich an Metaphern und Symbolik. Er entwirft schlichte Bilder aus dem täglichen Leben und der Natur. Seinen nach innen gerichteten Stil beschreibt die US-Fachzeitschrift Publishers Weekly als "mystisch, vielseitig und traurig". Akademie-Sekretär Peter Englund sagte, Tranströmers Werk handle "von Tot, Geschichte und Erinnerung". Dabei gelinge es ihm, beim Leser den Eindruck zu erwecken, dass er sich "nie wieder klein fühlen" kann.
Tranströmer wurde am 15. April 1931 in Stockholm geboren. Der Vater verließ die Familie früh; der Junge wuchs bei seiner Mutter auf. Nach dem Abschluss seines Psychologiestudiums 1956 trat er 1960 eine Stelle in einem Heim für straffällige Jugendliche an. Über die Jahre arbeitete er mit Behinderten, Strafgefangenen und Drogenabhängigen - und schuf zugleich ein umfangreiches poetisches Werk. In unterschiedlichen Bereichen setzte er sich damit für eine bessere Welt ein.
Bereits im Alter von 23 Jahren, Tranströmer war noch Student, veröffentlichte er seine erste Sammlung "17 Gedichte". Herausgegeben wurde der Band vom angesehenen Bonnier-Verlag, dem er über seine ganze Karriere hinweg treu blieb. Bonnier beschrieb Tranströmers Lyrik als "eine dauernde Analyse des Rätsels der individuellen Identität angesichts der labyrinthischen Mannigfaltigkeit der Welt".
1966 erhielt der Dichter den Bellman-Preis, gefolgt von einer Flut weiterer Auszeichnungen, darunter der deutsche Petrarca-Preis 1981 und der Nordic Prize der Schwedischen Akademie 1991. Seit 1997 lobt die Arbeiterstadt Västeras, in der Tranströmer drei Jahrzehnte seines Lebens verbrachte, ihm zu Ehren den Tranströmer-Literaturpreis aus.
1990 erlitt Tranströmer einen Schlaganfall, der ihn teilweise lähmte und sein Sprechvermögen beeinträchtigte. Mit "Die Trauergondel" gelang ihm nach einer sechsjährigen Schaffenspause ein glänzendes Comeback: In seiner Heimat verkaufte sich das Buch 30.000 Mal - für einen Lyrikband eine beeindruckende Zahl.
In den letzten Jahren widmete sich der Amateurpianist mehr der Musik als der Literatur, wie seine Frau Monica der schwedischen Tageszeitung "Dagens Nyheter" sagte. Er verbringe seine Vormittage damit, klassische Musik zu hören, und spiele mit seiner linken, unversehrten Hand täglich Klavier. Tranströmer lebt mit seiner Frau in Stockholm. Das Paar hat zwei Töchter. (red.yoopress)




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