Das ewig jugendliche Fernsehdenkmal - Ein Portrait

Sonntag, 13. Februar 2011 | 21:03 Uhr | RED.YOOPRESS | MUSIK - TV - KINO
Quelle: AFP
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Thomas Gottschalk prägte Erfolgsshow "Wetten, dass..?" (Foto: Thomas Gottschalk)

DEUTSCHLAND (Berlin) - Er ist ein notorischer Plauderer, hat einen sehr speziellen Modegeschmack und überzieht fast jede Sendung. Dennoch: Thomas Gottschalk ist seit Jahrzehnten einer der beliebtesten deutschen Fernsehmoderatoren, nach fast 35 Jahren auf dem Bildschirm eine Art lebendes Denkmal. Doch nun geschieht das schier Undenkbare: Thomas Gottschalk hört auf mit "Wetten, dass..?".

Nach dem Unfall des Wettkandidaten Samuel Koch liege für ihn "ein Schatten" auf der Sendung, sagte Gottschalk am Samstagabend während der Show. Es falle ihm schwer, zur "guten Laune" zurückzukehren, die das Publikum von ihm "zu Recht" von ihm erwarte.

Seine muntere Art prägte in der Tat den Charakter der Sendung, deren Grundkonzept aus der Feder des ersten Moderators Frank Elstner stammt. Aber hätte es die Show wohl ohne den 1987 eingestiegenen Gottschalk zur erfolgreichsten in Europa gebracht? Sein Erfolgsgeheimnis in Zeiten öffentlicher Verunglimpfungen à la Dieter Bohlen: Wenn er jemanden auf die Schippe nimmt, dann vor allem sich selbst.

"Ich habe meinen Beruf nie so furchtbar ernst genommen, weil es eigentlich kein Beruf ist", sagt Gottschalk über seine Tätigkeit als Moderator. Die begann, nachdem er den Gedanken an eine Laufbahn als katholischer Priester aufgegeben hatte, 1971 im Bayerischen Rundfunk. "Die beste Zeit meines Lebens" habe er dort verbracht, sagt Gottschalk: Als Pop-Moderator brach er mit den strengen Konventionen des öffentlich-rechtlichen Hörfunks, ein Plappermaul, das mit Frechheit siegte. Das übertrug er auch aufs Fernsehen, die Unterhaltungssendung "Na sowas" wurde 1982 sein Durchbruch.

Gottschalk wurde am 18. Mai 1950 im oberfränkischen Bamberg geboren, in Kulmbach wuchs er auf. Sein loses Mundwerk führt er auf die Herkunft seiner Familie zurück. "Das Schlesische, das ist ja eigentlich, was mich ausmacht", sagt der Sohn eines nach dem Zweiten Weltkrieg aus Oberschlesien geflüchteten Ehepaars dem Bayerischen Rundfunk. "Ich bin deswegen von einer gewissen Fröhlichkeit, die den Oberfranken an sich fremd ist."

Mit dieser Fröhlichkeit passt Gottschalk auch wunderbar ins kalifornische Malibu, wo er in den vergangenen gut 20 Jahren seinen Lebensmittelpunkt hatte und seine Söhne Roman und Tristan groß wurden. Inzwischen besitzt er aber auch ein Schloss am Rhein - Gottschalks vier Jahre ältere Ehefrau Thea hatte wachsendes Heimweh gezeigt.

Seine Frau habe "nie den Fehler gemacht, den öffentlichen Gottschalk mit dem privaten zu verwechseln", sagt der Show-Star zum Geheimnis seiner skandalfrei gebliebenen Ehe. Dass ihr Mann immer mal wieder bei seinen weiblichen Gästen Hand anlegt, scheint Thea Gottschalk nicht aus der Ruhe zu bringen. Er selbst erklärt dies Verhalten mit einem typisch-flapsigen Spruch: "Schon mein Vorbild Jesus war ein großer Handaufleger."

Heute hat Gottschalk einen Status erreicht, bei dem es eigentlich egal ist, was er macht. Früher sorgte er dagegen immer wieder für heiße Debatten. Dass er in seiner nach knapp drei Jahren wieder eingestellten RTL-Late-Night-Show 1992 vom rechtsextremen Republikaner-Chef Franz Schönhuber vorgeführt wurde, dass er bei "Wetten, dass..?" Schälchen mit Gummibärchen eines Werbepartners aufstellte oder dass viele seiner anderen Sendungen hinter den Quotenerwartungen blieben, änderte auf Dauer nichts an seinem positiven Image. "Mir bleibt schon jetzt die Sicherheit, dass ich in meinen Nachrufen mal ganz gut aussehen werde", sagte Gottschalk bereits vor einigen Jahren dem "Spiegel". Damals wies er den Gedanken an ein Aus bei "Wetten, dass..?" noch weit von sich.

Doch nun ist das anders. Nach der Mallorca-Show im Juni dieses Jahres und drei Jubiläums-Ausgaben zum 30. Geburtstag der Sendung im Herbst will er aufhören. Im Fernsehen aber wird Gottschalk wohl weiter auftreten. ZDF-Intendant Markus Schächter versicherte, der Sender wolle "ein neues Format" mit dem Publikumsliebling anbieten. (red.yoopress)

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