"Le second souffle" ("Der zweite Atem") ist der Titel des Buches, das Pozzo di Borgo über seine ungewöhnliche Freundschaft zu dem Algerier Abdel schrieb, der im Film Driss heißt und aus dem Senegal kommt. Mehr als eine Million Menschen haben "Ziemlich beste Freunde", der die Kinocharts derzeit anführt, bisher in Deutschland gesehen.
In Frankreich, wo "Intouchables" seit Anfang November läuft, waren es bereits 18 Millionen - und immer noch füllt der Film die Kinosäle. Für 52 Prozent der Franzosen ist die Geschichte von Philippe und Driss, die nach "Willkommen bei den Sch'tis" zum zweiterfolgreichsten Film aller Zeiten wurde, sogar das kulturelle Ereignis des Jahres 2011.
Der einstige Unternehmer Pozzo di Borgo beobachtet den Erfolg von Marokko aus, wo er mit seiner zweiten Frau und zwei Adoptivtöchtern lebt. Auch wenn er Buchseiten nur mithilfe eines Stifts umblättern kann, den er im Mund hält, fühlt er sich vom Leben beschenkt. Der 1952 geborene frühere Chef der Champagner-Firma Pommery sieht seine Lähmung als "Reichtum": "Ich habe den Eindruck, intensiver zu leben, endlich menschlicher zu sein."
Zu verdanken hat er das auch seinem früheren Pfleger, der im Film von Omar Sy dargestellt wird - einem Schauspieler aus der Vorstadt. "Omar kommt mit seiner Naivität, seiner Frische und fragt: Wie machst Du das mit dem Sex, wie geht das?" Damit breche der Einwanderer völlig unbefangen ein großes Tabu, sagt der ebenfalls teilweise gelähmte französische Künstler Fabien Marsaud in einem Interview.
Genau diese direkte Art seines Pflegers ist es auch, die Philippe - dargestellt von François Cluzet - aus seiner Isolation holt. "Das ist genau das, was ich will: kein Mitleid", sagt er im Film. Und so lässt sich der Millionär, der seit einem Gleitschirmunfall gelähmt ist, auf den Einwanderer ein, für den Hector Berlioz kein Komponist, sondern eine Hochhaussiedlung bei Paris ist. In einer weiteren Szene bricht er in einer Opernloge mitten im "Tannhäuser" in lautes Lachen aus: "Das ist ein Baum, ein Baum der singt", lautet sein Kommentar zur Inszenierung.
Das US-Magazin "Variety" sieht in solchen Szenen Rassismus "nach der Art von Onkel Toms Hütte": "Nur der schwarze Mann von der falschen Seite der Stadt kann solche Sachen ins Lächerliche ziehen", schreibt die Zeitschrift. Omar Sy trete in seiner Rolle als Driss wie ein "dressierter Affe" auf und unterscheide sich nur wenig von den Haussklaven, die ihre Herren früher unterhielten.
Der Schriftsteller François Durpaire weist den Vorwurf zurück: "Der Film erzählt eine wahre Geschichte mit einem behinderten Weißen. Manchmal ist die Wirklichkeit noch stärker eine Karikatur als die erfundenen Geschichten", sagt der Vorsitzende der multikulturellen Vereinigung "Nous sommes la France" der Website Atlantico.fr.
Hauptdarsteller Sy, der durch seine Rolle zum drittbeliebtesten Franzosen aufstieg, lässt sich auf alle Fälle nicht von der Politik als "Vorzeigeeinwanderer" vereinnahmen: Ein Essen für das gesamte Filmteam bei Präsident Nicolas Sarkozy Mitte Dezember sagte er ab.
Dafür nutzten die anderen Eingeladenen die Gelegenheit, um Sarkozy die "Botschaft" des Films zu vermitteln, wie Laurent de Cherisey von der Organisation Simon de Cyrène hinterher sagte. Für den Gründer der Organisation zur Integration Behinderter, die fünf Prozent des Filmgewinns bekommt, ist die Botschaft klar: "Das ist eine Lebenskraft, die Frankreich erhellt und ein schönes Mittel gegen die Krise." (c.longin - red.yoopress)




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