Ist Twitter das neue Second Life?

Montag, 02. November 2009 | 06:59 Uhr | | INTERNET & CO

"Twitter ist nicht die Kommunikationsform der Zukunft, aber eine Kommunikationsform mit Zukunft", brachte der Vorsitzende der SPD Hessen und der SPD-Landtagsfraktion Thorsten Schäfer-Gümbel die Diskussion über Twitter während der Medientage München auf den Punkt.

Weitgehende Einigkeit herrschte beim Panel darüber, dass Twitter in Zukunft ein wichtiger Kommunikationsweg zur Ansprache bestimmter Zielgruppen sei. Wer aber versuche, einzig und allein mit Twitter eine Medienstrategie aufzubauen, der werde scheitern...

Bereits in seinem Einführungsstatement wies der Blogger RAINER MEYER auf die großen inhaltlichen und technischen Beschränkungen hin, die sich aus der kurzen Form der "Tweets" ergeben, die mit Hilfe von Twitter in die Welt gesendet werden können. Für eine tiefer gehende inhaltliche Diskussion würde sich das Twittern nicht eignen. Hinzu kommt nach Ansicht von Rainer Meyer der, bedingt durch die Kürze der Meldungen, bisweilen rüde Umgangston der in Tweets gepflegt werde.

Es sei allerdings auch nicht die Aufgabe von Twitter, Ort der inhaltlichen Auseinandersetzung zu sein, machte die Web-2.0-Expertin und Autorin NICOLE SIMON deutlich. "Kleine Happen sollen Appetit machen", meinte sie. Twitter sei vor allem dann nützlich, wenn man versuchen wolle, bestimmte Themen zu setzen, über die die User sich, falls sie das wollten, in anderen Medien weiter informieren könnten.

Nicht ganz einig war sich das Panel darüber, ob Twitter zu einem Massenphänomen à la Facebook oder YouTube werden könnte. Nicole Simon betonte, dass es sich bei Twitter um eine Kommunikationsform handele, die sehr einfach zu beherrschen sei und deshalb auch für unerfahrene Nutzer sehr interessant sei. Rainer Meyer hingegen befürchtete, dass es sich bei Twitter um einen Hype handele, der nach einiger Zeit ähnlich ruhmlos verschwinden würde wie einst Second Life.

Auch der Ressortleiter Digital bei Focus Online, Alexander von Streit, gab zu, dass Twitter ein Phänomen sei, das ganz wesentlich von den Medien selbst erzeugt worden sei. Kein Online-Medium brauche Twitter wirklich, um zu überleben. Aber natürlich würde man auch bei Focus Online nicht aufs Twittern verzichten, schlicht weil es ein so spannender neuer Kommunikationsweg sei.

Diese neuen Kommunikationswege würden in einer sich immer weiter ausdifferenzierenden Gesellschaft auch benötigt, meinte Thorsten Schäfer-Gümbel dazu. Er sei überzeugt davon, dass man auf allen Kanälen kommunizieren müsse, da man verschiedene gesellschaftliche Gruppen und Individuen auch auf verschiedenen Kanälen abholen müsse.

Wichtig sei es vor allem, das betonten alle Anwesenden, dass man Twitter als einen Kommunikationskanal begreife und nicht als einen Vertriebskanal. Deshalb sei es auch wichtig, auf diesem Kanal so weit möglich nur relevante Kommunikation zu verbreiten. Ohne die entsprechenden Inhalte sei der Versuch, mit einem eigenen Twitter-Kanal Erfolg zu haben, zum Scheitern verurteilt.

Quelle: silicon.de - Autor: Dietmar Müller

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