Insgesamt 2600 volljährige Bürger befragte Forsa Ende vergangenen Jahres dazu, was sie denn Produktinfos entnehmen können. Ob Geldanlagen, Lebensmittel, Medizin, Mobilfunk, Steuern, Strom oder Versicherungen - die Meinungsforscher interessierten sich für die unterschiedlichsten Bereiche. Und sammelten haufenweise Klagen über das heute gängige Produkt-Kauderwelsch und Wortungetüme wie "Obliegenheitsverletzung", "Beitragserhaltungsgarantie" oder "Thrombozytenaggregationshemmer".
"Jedem dritten Bürger begegnen im Alltag häufig schwer verständliche Informationen", lautet das kritische Fazit von Forsa-Geschäftsführer Joachim Koschnicke. Probleme haben vor allem Ältere: Rund 40 Prozent der Studienteilnehmer über 60 gaben in der Studie an, häufig oder sehr häufig mit "schwer verständlichen Informationen" im Alltag konfrontiert zu sein. Und das in einer Zeit, in der die Politik den Bürgern immer mehr Eigenverantwortung überträgt und Unternehmen die Kunden immer mehr selbst erledigen lassen - vom Fahrkartenkauf per Computer bis zum Onlinebanking und Einkauf im Internet.
Ganz oben auf der Liste der Unverständlichkeiten steht - wenig überraschend - die Steuererklärung: "Verlustrücktrag nach 2009" - das seien Sachen, "wo es mir den Schweiß auf die Stirn treibt", zitiert die Studie eine 49-jährige Freiberuflerin. Nur fünf bis sechs Prozent der Befragten konnten die Formulare verstehen, etwa ein Drittel hält diese für reines Experten-Chinesisch.
Andere raufen sich auch über die unverständlichen chemischen Kürzel auf Joghurtpackungen die Haare: "Ich würde mir wenigstens wünschen, dass die Bezeichnungen wie die Kilokalorien, Zucker, Fett, gesättigte Fettsäuren oben mit auf dem Deckel stehen", zitiert die Studie eine 68-jährige Rentnerin. "Die sollen sich nicht hinter irgendwelchen chemischen Buchstaben und Zahlenkombinationen verstecken, sondern deutlich und genau sagen, was drin ist, wie es hergestellt wurde und wo es hergestellt wurde", schimpft ein 50-jähriger Studienteilnehmer.
Durch umfangreiche Gesetze werden Hersteller heute verpflichtet, ihre Produkte auf Verpackungen und in Infoblättern zu beschreiben. Es gebe jedoch vergleichsweise wenige Bestimmungen darüber, wie verständlich diese Informationen sein sollten, bemängelt die Studie. Das Terrain der Produktinformation werde nach wie vor von Juristen beherrscht, kritisiert der an der Studie beteiligte Verständlichkeitsforscher Anikar Haseloff von der Universität Hohenheim. "Großen Handlungsbedarf" gebe es bei Unternehmen, aber auch beim Staat.
Schmeichelhafte Ergebnisse hatte die Studie auch für den Auftraggeber Ergo nicht parat. Wie bei Lebensmittelverpackungen mutmaßte mehr als die Hälfte der Befragten, dass auch Versicherungen ihre Produktinfos mitunter absichtlich unverständlich formulierten. Ein Resultat, dass Ergo-Chef Torsten Oletzky als "bedrückend" wertet. Von Unverständlichkeit habe doch das Unternehmen keinen Nutzen, verteidigt er seine Zunft.
Eine Erkenntnis, die auch durch die Studie belegt wird: Auf die Frage, ob sie einen Joghurt mit unverständlichen Angaben zu Zutaten noch kaufen würden, gaben immerhin rund 40 Prozent an, dann lieber ein Konkurrenzprodukt zu erstehen. Ob die Hersteller sich diese Lehre wirklich zu eigen machen, bleibt abzuwarten. (m.henneke)




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