Polen kritisiert russische Ermittlungen zu Kaczynski-Absturz

Dienstag, 03. August 2010 | 06:57 Uhr | AFP-RED.YOOPRESS | POLITIK
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Offenbar Dokumente zu Flugzeugunglück bei Smolensk zurückgehalten

POLEN (Warschau) - Die polnische Regierung hat Kritik an den russischen Ermittlungen zum Absturz der polnischen Präsidentenmaschine im April geübt. "In der Schlussphase der Untersuchung ist unsere Zusammenarbeit schlechter als zu Beginn", sagte Polens Regierungschaf Donald Tusk am Montag. Laut Zeitungsberichten hält Moskau Unterlagen zurück, die mögliche russische Verantwortlichkeiten des Absturzes mit 96 Toten belegen könnten.

"Die polnische Seite wartet auf Erklärungen, warum die russische Seite einschlägige Dokumente zurückhält", sagte Tusk in Warschau. Er habe Chefermittler Edmund Klich beauftragt, diesbezüglich eine Beschwerde an die Vorsitzende der russisch geführten Untersuchungskommission, Tatiana Anodina, zu richten. Der polnische Innenminister Jerzy Miller sagte, ohne die ausstehenden Dokumente könne Polen seine eigenen Untersuchungen nicht fortführen.

Bei dem Absturz am 10. April waren der damalige polnische Präsident Lech Kaczynski, seine Frau und 94 weitere Insassen ums Leben gekommen. Die Delegation war unterwegs zu einer viel beachteten Gedenkveranstaltung mit dem für Polen schwierigen Nachbarn Russland.

Die zurückgehaltenen Dokumenten enthalten einem Bericht der polnischen Zeitung "Gazeta Wyborcza" vom Montag zufolge Angaben, die eine Mitverantwortung der russischen Seite für das Unglück ausschließen oder bestätigen könnten. Dabei könnte es um die technische Ausstattung des Flughafens von Smolensk, das Verhalten der russischen Lotsen und russische Verfahrensregeln gehen. "Die Probleme haben begonnen. Die Russen wollen uns keinen Zugang zu den Unterlagen gewähren", zitierte die Zeitung den polnischen Chefermittler Klich.

Die polnische Präsidentenmaschine, eine Tupolew 154, war bei Nebel im Landeanflug nahe Smolensk im Westen Russlands abgestürzt. Nach dem Unglück waren Spekulationen aufgekommen, Kaczynski habe darauf gedrungen, trotz schlechten Wetters zu landen. Die Aufnahmen des Stimmenrekorders im Cockpit lieferten dafür keine Beweise.

Vergangene Woche setzte die konservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) von Lech Kaczynskis Zwillingsbruder Jaroslaw eine Parlamentariergruppe zur Klärung der Absturzursache ein. Sie schloss auch ein Verbrechen oder einen terroristischen Anschlag nicht aus. Jaroslaw Kaczynski hatte den kursierenden Verschwörungstheorien eines Mordes am polnischen Staatschef kurz vor der Präsidentschaftswahl Nahrung gegeben, indem er erklärte, die Blockierung der Ermittlungen durch Moskau gebe Anlass zu "Zweifeln". (afp-red.yoopress)

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