Um die Nachfolge von Staatschef René Préval bewarben sich 18 Kandidaten, der Präsident selbst durfte nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Als Favoriten galten der von Préval unterstützte Ingenieur Jude Celestin, die frühere First Lady Mirlande Manigat sowie der als "Sweet Mickey" bekannte Sänger Michel Martelly. Eine eventuelle Stichwahl war für den 16. Januar 2011 geplant. Zudem wurde am Sonntag über die 99 Sitze des Abgeordnetenhauses und elf der 30 Senatorensitze abgestimmt. Erste Ergebnisse wurden für den 5. Dezember, die endgültige Stimmenverteilung für den 20. Dezember erwartet.
Nach Angaben der UNO verliefen die Wahlen weitgehend ruhig. Es sei nur vereinzelt zu Zwischenfällen gekommen, sagte der Chef der UN-Mission in Haiti, Edmond Mulet, der Nachrichtenagentur AFP. In der nördlichen Stadt Desdunes kam es nach Angaben des Bürgermeisters zu einem Zwischenfall in einem Wahllokal. Dort sei einer der zur Beobachtung anwesenden Parteienvertreter kurzzeitig als Geisel genommen worden, sagte Wesner Archelus AFP. Präsidentschaftskandidatin Manigat forderte nach Angaben ihres Sprechers noch während des Urnengangs die Annulierung der Wahl und sprach von "Betrug". Manigat hatte bereits vor der Wahl von 500.000 gefälschten Stimmzetteln gesprochen.
Die Wahl wurde von der schweren Cholera-Epidemie überschattet, durch die seit Oktober mehr als 1600 Menschen starben. Es wurde befürchtet, dass sich die Angst vor der Krankheit negativ auf die Wahlbeteiligung auswirkt. Der Wahlkampf war zudem durch Gewalt zwischen Anhängern verschiedener Parteien geprägt. Bei Ausschreitungen starben mehrere Menschen. Aus Sicherheitsgründen war am Wahltag das Fahren mit Motorrädern und der Verkauf von Alkohol verboten.
Préval rief seine Landsleute auf, sich an den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen zu beteiligen und friedlich zu bleiben. Der Wahltag sei "ein wichtiges Datum für die Zukunft des Landes", sagte er am Samstag in einer Fernsehansprache. Er bat die Bevölkerung, "unter Wahrung der Ordnung und der Disziplin" wählen zu gehen. An die Kandidaten appellierte Préval, alles zu tun, "damit der Wahltag gut verläuft und damit Haiti vorankommt".
Haiti leidet noch immer unter den Folgen des Erdbebens vom 12. Januar, durch das mehr als 250.000 Menschen ums Leben gekommen waren. Es ist das ärmste Land in der westlichen Hemisphäre. (red.yoopress)




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