Immer wieder schleuderte Boehner Obamas Großprojekten ein "Nein" entgegen, sei es bei der Gesundheitsreform oder beim Klimaschutz. "Harte Arbeit und schwierige Entscheidungen sind nötig", hatte Boehner im Januar gesagt und die Abgeordneten vor "großen Herausforderungen" gewarnt. Dass die USA nur wenige Monate später kurz vor der Insolvenz stehen würden, war damals aber kaum abzusehen. Sollte die gesetzliche Schuldengrenze bis zum 2. August nicht angehoben werden, droht den USA die Zahlungsunfähigkeit. Zwar betonte Boehner wiederholt, eine Einigung mit den Demokraten anzustreben, in der Sache bleibt er aber hart.
Am vergangenen Freitag war es dann Boehner, der die Gespräche mit dem Weißen Haus abbrach. "Wir haben nie eine Einigung erzielt, und wir standen auch nie wirklich kurz davor", sagte er. "Letztendlich sind wir nicht zusammengekommen. Nicht wegen persönlicher Differenzen, sondern wegen unserer unterschiedlichen Visionen für unser Land." Am Montag warf er Obama vor, dieser wolle einen "Blankoscheck", doch den werde er von den Republikanern nicht bekommen.
Bis zur Kongresswahl im November war Boehner eher unbekannt. Der Aufstieg des 61-Jährigen ist das Ergebnis des politischen Erdrutsches, der sich bei der Wahl ereignete und den Republikanern im Repräsentantenhaus eine satte Mehrheit einbrachte. Schon im Wahlkampf hatte Boehner das enorme Haushaltsdefizit kritisiert.
Boehner ist ein Washington-Insider, seit 20 Jahren ist er im Kongress. Aus seiner Nähe zu Lobbyisten macht der wirtschaftsfreundliche Politiker keinen Hehl. Besonders enge Kontakte pflegt Boehner zur Tabaklobby, deren Produkte er auch selbst gern konsumiert. Er ist ein Freund des guten Lebens: Boehner raucht, mag Rotwein und Steaks und erholt sich gerne auf dem Golfplatz. Mit Obama traf er Mitte Juni zum sogenannten Golf-Gipfel zusammen - bereits im Vorfeld hatte er gescherzt, der Präsident könne so viele Schläge haben, wie er wolle, dies werde Obama aber "pro Schlag eine Billiarde Dollar" kosten.
Zum Image des Hauptstadt-Dandy passt auch, dass der Solarium-Fan Boehner unabhängig vom Stand der Sonne stets gut gebräunt ist. Sein Teint ist ein gefundenes Fressen für Spötter, auch Obama kann sich Frotzeleien nicht verkneifen. "Herr Boehner ist noch dunkler als ich", sagte Obama einmal. "In der Natur kommt seine Hautfarbe allerdings nicht vor." Boehner ließ die Scherze im Wahlkampf allerdings kühl an sich abprallen.
Boehner ist seit 35 Jahren mit seiner Frau Debbie verheiratet und Vater zweier Kinder. Er selbst hat elf Geschwister. In seiner Biografie wird er gleich zu Anfang als "Einzelkämpfer" und "unermüdlicher Verteidiger von Freiheit und und Sicherheit" beschrieben. Ansonsten setzt er sich gegen "Verschwendung" und für einen geringeren Einfluss des Staates ein.
Auch im Haushaltsstreit geht es um unterschiedliche Ansichten von Demokraten und Republikanern hinsichtlich der Rolle des Staates. Während die Demokraten Kürzungen mit staatlichen Investitionen in Bildung und Zukunft sowie Steuererhöhungen für Reiche verbinden, fordern Boehners Republikaner Einschnitte bei den Ausgaben. Um dramatische Folgen für die Finanzmärkte zu verhindern, werden Boehner und Obama aber trotz aller Differenzen in den nächsten Tagen einen Kompromiss finden müssen. (red.yoopress)




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