KOMMENTAR: Die "Wetzlarer Neue Zeitung" übt Kritik am jüngsten Fernsehauftritt von Bundespräsident Christian Wulff:
"Das soll es nun gewesen sein. Ein Interview zur allerbesten Sendezeit auf den beiden Hauptkanälen des deutschen Fernsehens. Und abermals eine Entschuldigung. Am Freitag dann empfängt der Präsident die Sternsinger im Schloss Bellevue - als wäre nichts gewesen. Aber war da nicht was? Das ist die Frage, die Christian Wulff von nun an in seinem Amt begleitet. Ganz gleich, was er sagt. Ob zur Solidarität in der Gesellschaft, ob zur Notwendigkeit des Sparens, ob zu den Grundrechten, ob zur Integrität von Politikern, ob zur Aufrichtigkeit im Allgemeinen. Stets wird die die Frage kommen: War da nicht was?
KOMMENTAR: Das "Hamburger Abendblatt" sieht die Diskussion um Pressefreiheit im Zuge der Affären um Bundespräsident Christian Wulff positiv:
"Es bedarf nicht des großen Wortes von der vierten Gewalt im Staate, um die Rolle der Medien in der Demokratie zu umreißen. Journalisten sind weder gewählt noch rechenschaftspflichtig, noch machen sie immer alles richtig. Aber sie haben das Recht und die Pflicht, im Rahmen der gültigen Gesetze und Berufsregeln für Offenheit in der Gesellschaft zu sorgen. Eine Aufgabe, die für das Funktionieren einer Demokratie unerlässlich und deshalb unter allen Umständen zu verteidigen ist. Etwa gegen Amtsträger, die sich belästigt fühlen, aber auch gegen Militärs, Geheimdienstler und Wirtschaftsbosse, die nicht immer von sich aus den Drang zur Offenheit verspüren. Gut, dass uns Christian Wulff daran erinnert hat.
KOMMENTAR: Die überregionale Tageszeitung "Die Welt" äußert sich zum TV-Auftritt von Bundespräsident Christian Wulff am Mittwochabend:
"'Durch Weisheit wird ein Haus gebaut und durch Verstand erhalten', heißt es in der Bibel. Den nötigen Durchhaltewillen besitzt Wulff. Das hat er in seinem Fernsehauftritt bewiesen. Es war kein durchweg souveräner Auftritt. Wulff hat noch einmal eine Entschuldigung ausgesprochen, diesmal für den Umgang mit der Presse. Eine weitere Runde von Entschuldigungen möge dem Land erspart bleiben. Stattdessen möge der Bundespräsident zeigen, welche Qualitäten noch in ihm stecken. Die Weisheit, den richtigen Maßstab für Besonnenheit unter schwerem Druck zu finden, sei Christian Wulff zu wünschen. Er hat nur noch eine einzige Chance."
SPD-Generalsekretärin mit Wulffs Entschuldigung nicht zufrieden - Nahles: Wulff hat Amt durch "unbesonnene Art" beschädigt
KÖLN - SPD-Generalsekretärin Andreas Nahles sieht das Amt des Bundespräsidenten trotz der Entschuldigung von Christian Wulff in einem Fernsehinterview weiter beschädigt. Sie habe sich "bei aller Selbstkritik" des Bundespräsidenten gefragt, wie dieser in Zukunft wirklich moralisch die Autorität aufbringen könne, vor Übertreibungen zum Beispiel bei den Finanzmärkten und moralischen Verfehlungen bei anderen zur warnen oder die Pressefreiheit einzufordern", sagte Nahles im ARD-"Morgenmagazin".
Wulff hatte sich in dem Interview mit ARD und ZDF am Mittwochabend für einen Anruf bei der "Bild"-Zeitung entschuldigt, mit dem er einen kritischen Artikel stoppen wollte. Zugleich verteidigte er den Kredit für sein Privathauses, den er als niedersächsischer Ministerpräsident bei der Frau eines befreundeten Unternehmers aufgenommen hatte.
Nahles bewertete Wulffs Interview insgesamt als "einen Auftritt, der sicherlich Respekt verdient, aber letztendlich viele Fragen als Bundespräsident nicht beantwortet". Sie warf ihm vor, "durch seine unbesonnene Art, durch sein mangelhaftes Amtsverständnis" das Amt des Bundespräsidenten beschädigt zu haben.
"Bild" widerspricht Wulffs Angaben zu Anruf bei Chefredakteur - Präsident wollte laut Blome Berichterstattung klar unterbinden
BERLIN - Die "Bild"-Zeitung hat nach Angaben des Deutschlandfunks der Darstellung von Bundespräsident Christian Wulff widersprochen, er habe eine Berichterstattung zu seiner Hauskredit-Affäre nicht verhindern wollen. Den Anruf Wulffs bei Chefredakteur Kai Diekmann habe die Redaktion deutlich anders wahrgenommen, sagte der Leiter des "Bild"-Hauptstadtbüros, Nikolaus Blome. Es sei ganz klar Ziel des Bundespräsidenten gewesen, die Berichterstattung über die Hausfinanzierung zu unterbinden.
Wulff hatte in seinem Interview mit ARD und ZDF am Mittwoch gesagt, er habe bei dem Anruf lediglich darum gebeten, den Bericht "um einen Tag zu verschieben". Er habe sich im Ausland befunden und über die Veröffentlichung reden wollen, "damit sie sachgemäß ausfallen kann". Wulff bezeichnete den Anruf gleichzeitig als schweren Fehler und entschuldigte sich. Einen Rücktritt lehnte der seit Wochen unter Druck stehende Bundespräsident in dem Interview ab. (red.yoopress)




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