Deutsch-französische Freundschaft geht durch den Magen

Freitag, 20. Juli 2012 | 08:35 Uhr | RED.YOOPRESS | POLITIK
Quelle: AFP| Co-Autor: S.LACUT
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Gipfel der Küchenchefs auf Polit-Elite in Berlin und Paris - Köche von Merkel und Hollande brutzeln gemeinsam im Kanzleramt

FRANKREICH (Paris) - Deutsch-französische Freundschaft geht auch durch den Magen - dieser Auffassung sind zumindest die Köche von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Staatschef François Hollande, die auf ihre Weise die Aussöhnung beider Länder vor 50 Jahren zelebrieren wollen: Heute werden Merkels Küchenchef Ulrich Kerz und sein Kollege im Pariser Elysée-Palast, Bernard Vaussion, im Kanzleramt gemeinsam ein Büffet mit Spezialitäten aus beiden Ländern zubereiten. Merkel selbst wird voraussichtlich aber nicht in den Genuss der bilateralen Küchenkunst kommen.

Der Besuch in Berlin ist Teil des diesjährigen Treffens von rund 20 Köchen, die allesamt für Staats- und Regierungschefs oder gekrönte Häupter arbeiten - unter ihnen die Küchenchefs von US-Präsident Barack Obama, des russischen Präsidenten Wladimir Putin sowie von Königin Elizabeth II. Der "gastronomische G-20" stehe in diesem Jahre ganz im Zeichen der Feiern zum 50-jährigen Bestehen des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags, sagt Gilles Bragard, der den "Club der Küchenchefs der Chefs" gegründet hat: "Normalerweise treffen wir uns jedes Jahr in einer Hauptstadt - diesmal besuchen wir Berlin und Paris."

Vaussion, der seit mehr als 40 Jahren die französischen Präsidenten und ihre Gäste bekocht, will nach Angaben Bragards für seine Kollegen Fisch zubereiten. "Sicherlich irgendetwas mit Steinbutt". Kerz sei für den deutschen Beitrag zuständig, fügte Bragard hinzu: "Wahrscheinlich nicht Eisbein mit Sauerkraut - Merkel mag eher Gemüse".

Kerz werde vermutlich regionale Spezialitäten aus Berlin und Brandenburg präsentieren, teilte eine Sprecherin im Kanzleramt mit. Nach ihren Angaben wird die Kanzlerin aus Zeitgründen vermutlich nicht zum Essen bleiben können: "Geplant ist ein kurzes Treffen mit Fototermin." Nach vier Tagen in Berlin werden die Köche der Mächtigen dieser Welt am Samstagabend in Paris eintreffen. Dort sollen sie am nächsten Dienstag im Elysée-Palast von Präsident Hollande empfangen werden.

Die Idee für den exklusiven Kochclub entstand 1977 - bei einem gemeinsamen Essen mehrerer Küchenchefs im Restaurant des französischen Spitzenkochs Paul Bocuse. "Dieses Rendezvous war ein Erlebnis", schwärmt Bragard. Der Franzose hat von seinem Vater ein Unternehmen geerbt, das Berufskleidung für Küchenpersonal herstellt und zählt zahlreiche Spitzenköche in aller Welt zu seinen Freunden.

Bragard kennt zahlreiche Anekdoten zu den kulinarischen Eigenheiten der Mächtigen: Michelle Obama achtet demnach auf gesunde Küche, ihre Vorvorgängerin als First Lady, Hillary Clinton, feuerte sogar den französischen Küchenchef im Weißen Haus, weil seine Menues zu opulent ausfielen. Hollande kann Artischoken nicht ausstehen, mag dafür aber "Käse, wie Merkel" - im Gegensatz zu seinem Vorgänger Nicolas Sarkozy, der Camembert und Co. von der Elysée-Tafel verbannte. François Mitterrand, ein Freund der guten Küche, wiederum musste sich in den letzten Jahren vor seinem Krebstod mit Speisen begnügen, hinter deren Rezepten in erster Linie sein Arzt stand.

Heute gehören dem Club der Chefs unter anderen die Köche der Präsidenten von Indien, Südafrika, Griechenland, Finnland, der Regierungschefs von Kanada und Österreich sowie der Chefkoch im Parlament von Peking an. Sie treffen sich einmal im Jahr in einem Land, um neue Rezepte zu entdecken und Erfahrungen auszutauschen. (s.lacut - j.hartlieb)

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