Vanzetti widersprach der bisherigen Theorie, dass Ötzi vor 5300 Jahren bei gewaltsamen Auseinandersetzungen im Tal verletzt wurde, sich dann auf den Berg flüchtete und dort starb. Dazu passten nicht die 2007 in der linken Schulter entdeckte Pfeilspitze sowie weitere zunächst übersehene Verletzungen, sagte er. Unter anderem sei eine Hand halb zerschnitten, vielleicht bei der Abwehr eines Messers. Zudem habe er einen Schlag auf den Kopf bekommen oder sei nach der Pfeilverletzung gestürzt.
Die Hypothese einer nachträglichen rituellen Bestattung würde laut Vanzetti auch erklären, warum manche von Ötzis Waffen nicht gebrauchsfertig waren und warum überhaupt so viele Gegenstände bei der Mumie gefunden wurden - wertvolle Gegenstände, die ein Sieger im Kampf normalerweise mitgenommen hätte. Damit wäre auch erklärt, warum Ötzi laut Analysen seiner letzten Mahlzeit im April gestorben sein muss, die an seiner Fundstelle im Eis entdeckten Pollen aber darauf hindeuteten, dass die Leiche dort im August/September abgelegt wurde. Zu dem Zeitpunkt sei der Schnee geschmolzen und habe einen Aufstieg möglich gemacht, sagte Vanzetti "Der Presse".
Der italienische Wissenschaftler und seine Kollegen glauben, dass Ötzi im Tal starb, wegen des Schnees aber nicht sofort auf dem Berg bestattet werden konnte und deshalb zunächst in einen kühlen Raum kam, wo er an der Luft mumifizierte. Die "Grabbeigaben" weisen Vanzetti zufolge auch darauf hin, dass der Gletschermann sehr angesehen gewesen sein muss.
Ötzi war im Jahr 1991 auf der Südtiroler Seite des Similaungletschers in mehr als 3000 Metern Höhe entdeckt worden. Das Abtauen des Gletschers hatte die rund 5300 Jahre alte Mumie freigelegt. Sie gilt wegen ihres hervorragenden Zustands als wissenschaftliche Sensation. (afp-red.yoopress)




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