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VINOPHILES

Chef der französischen Biowein-Szene klagt Weinkritiker an
Michel Bettane, (links), und Thierry Desseauve (Foto: M.B und T.D)

FRANKREICH - Der Leiter der französischen Vereinigung der Biowinzer, Alain Réaut, beklagt sich über den Weinkritikers Michel Bettane und auch über seinen Kollegen Thierry Desseauve indem er den beiden ein „grundlegendes Missverständnis“ in Bezug zu Biowein vorwirft. In einem offenen Brief kritisiert Réaut als Vorsitzender der Fédération Nationale interprofessionnelle des Vins de l'Agriculture Biologique (FNIVAB) die bekannten Weinkritiker für deren Artikel, veröffentlicht in dem französischen Magazin Terre de Vins mit dem Titel „100 bios ou toute comme“ (in etwa: „100 Bios oder ähnliches“).

 

In dem Artikel wie auch auf den Blogs von Michel Bettane und Thierry Desseauve kommen die Weinkritiker zu dem Schluss, dass Biowein „insgesamt eine Utopie“ sei und für das Verständnis von Alain Réaut schlimmer noch, dass „Biowein ein organisierter Betrug sei“, wenn sich hinter Biowein die Begriffe „natürlich“ oder „authentisch“ verbergen würden.

„Ökologischer Weinbau ist kein Konzept, sondern eine offizielle Kategorie für Weine, die von der INAO überwacht werden wie gleichermaßen die Kategorien AOC, AOP, IGP oder STG“, schreibt Alain Réaut und argumentiert weiter: „Es ist ebenso nicht möglich biologisch oder fast biologisch zu sein wie es nicht Champagne oder fast Champagne gibt. Natürliche Weine sind wiederum eine ganz andere Kategorie wie Bioweine. Für den Verbraucher ist das natürlich verwirrend.“

Weiterhin nimmt Alain Réaut Stellung zu verschiedenen technischen Punkten in dem Artikel der Weinkritiker, insbesondere zu deren Ausführungen, dass Biowinzer weitgehend Kupfer bei der Weinbergsarbeit verwenden würden, ein Element, „das im Boden verbleibe, sich nicht abbaue und im Laufe der Zeit auch schädlich für die Umwelt sein könne“.

„Dieser generelle Vorwurf ist eine Beleidigung für die Biowein-Szene, die sich der Problematik bewusst ist und die mit dem Einsatz von Kupfer deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten operieret“, sagt Alain Réaut. „Seit Jahren bestehen auch seitens der FNIVAB unterstützte Forschungsprogramme, die eine Senkung des Kupfereinsatzes behandeln und nach Alternativen suchen. Außerdem verkennen Bettane und Desseauve, dass im Bioweinbau wie auch im konventionellen Weinbau gleichermaßen Kupfer zur Anwendung kommt.“

Alain Réaut wählt in seiner Gegendarstellung allerdings einen moderaten Ton und hat die beiden Weinkritiker zu einem freundschaftlichen Dialog bei einem Glas Biowein eingeladen. Die Verantwortlichen der FNIVAB warten aber noch auf eine Antwort von Michel Bettane und Thierry Desseauve, die bisher nicht auf die Einladung reagiert haben. „Wenn wir ins Gespräch kommen, dann können wir auch gleich die Unterschiede zwischen natürlichen und biologischen Weinen klären und ebenso weitere Missverständnisse ausräumen“, meint Alain Réaut, dessen Organisation 5.000 zertifizierte Bio-Erzeuger in Frankreich vertritt.

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