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Rum - der (hochprozentige) Geist von Mauritius

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VINOPHILES

Rum - der (hochprozentige) Geist von Mauritius
Natürlich ist es ein besonderer Genuss, den Rum dort zu verkosten, wo er hergestellt wird. Doch auch hierzulande kann man ihn erwerben, im gut sortierten Fachhandel sind alle getesteten und noch viel mehr Rums aus Mauritius erhältlich. Und das zu sehr akzeptablen Preisen. (© Heidi Diehl)

MAURITIUS (Port Louis) – Mauritius - das ist für die meisten zuerst die berühmte Blaue Mauritius, eine heutzutage fast unbezahlbare Briefmarkenrarität. Andere denken vor allem an eine Trauminsel im Indischen Ozean mit wunderbaren Palmenstränden, Korallenriffen voller bunter Fische, an eine Insel, die alle Postkartenklischees bedient. Mauritius ist aber vor allem ein Fleckchen Erde, das durch 370 Jahre Kolonialherrschaft geprägt wurde. Zunächst ab 1598 von den Holländern, ab 1715 von den Franzosen und ab 1815 bis zur Unabhängigkeit 1968 von den Engländern.

 

Bis zum Anfang des 16. Jahrhundert, als Portugiesische Seefahrer das insgesamt 2040 Quadratkilometer große Eiland aus zwei großen und mehreren kleinen Inseln entdeckten, hatte es noch niemals ein Menschen betreten.1639 pflanzten die Holländer die ersten Zuckerrohpflanzen, die sie aus Batavia, dem heutigen Jakarta mitbrachten. Schon bald entstanden erste Raffinerien. Mit Zucker war richtig Geld zu machen. Immer mehr breiteten sich die Plantagen aus und bedeckten bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts fast die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche der Insel. Heute sind es noch gut rund 50 Prozent. 

Was bei der Produktion von Zucker übrig blieb, die Melasse, wurde Anfangs ans Vieh verfüttert, doch schon im 17. Jahrhundert begann man, daraus Rum herzustellen. Von den einst 250 Zuckerraffinerien blieben, nachdem die Zuckerpreise weltweit ins Bodenlose fielen, heute ganze vier übrig. Die sechs Rumfabriken der Insel indes haben keine Absatzprobleme, rund eine Million Liter stellen sie jährlich her, das meiste davon allerdings bleibt im eigenen Land. 

Während vier der Destillerien als Ausgangsprodukt für ihren Rum klassisch auf Melasse setzten, stellen die anderen zwei sogenannten Rum Agricole her, bei dem ausschließlich frisch gepresster Zuckerrohrsaft als Grundstoff eingesetzt wird. Derzeit haben die Fabriken Hochsaison, denn Zuckerrohr wird von Juni bis Dezember geerntet. Die beste Zeit für Interessierte, sich vor Ort umzusehen. Kommen Sie mit auf eine kleine Rundreise zu drei der besten Produzenten. 

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Die Mauritianer sind stolz auf ihr "Gold of Mauritius". Die Produktion folgt klassischen Regeln – gebrannt wird mit moderner Technik. (© Heidi Diehl)
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Wir beginnen die Tour in Chamarel, einem früheren Sklavendorf mit heute 700 Einwohnern im Südwesten der Insel. Die Region ist bei Touristen vor allem wegen zahlreicher Naturschönheiten, wie der siebenfarbigen Erde, des Chamarel-Wasserfalls und des Black-River-Gorge-Nationalparks beliebt. Davon profitiert auch die Chamarel-Rumfabrik, die erst 2009 gebaut wurde, heute aber zu den meist besuchten touristischen Attraktionen im Süden der Insel gehört. Rund 100.000 Liter Rum Agricole werden hier jährlich zwischen Juni und Dezember produziert. Besucher können Schritt für Schritt miterleben, wie aus dem Zuckerrohr jener Rum wird, den sie am Ende der Besichtigungstour verkosten und natürlich auch kaufen können.

Die Rumfabrik hat eigene Plantagen in 300 Meter Höhe, auf denen das Zuckerrohr am frühen Morgen mit der Hand geschnitten und innerhalb der nächsten vier Stunden verarbeitet wird. Dazu werden die Pflanzenstengel zerkleinert, der Saft herrausgepresst und dann mit einer Auswahl von Hefen vergoren. Der so entstandene "Veson" genannte Zuckerwein kommt in große Kupferkessel, wo er - je nach Sorte - einfach oder doppelt gebrannt wird. Danach reift der hochprozentige Brand für mindestens sechs Monate in Edelstahltanks, bevor ein Teil, verdünnt auf ca. 38 Prozent als Weißer Rum in Flaschen, ein anderer Teil in Eichenfässer gefüllt wird, wo er zwischen 18 Monaten und acht Jahren heranreifen kann. Bei einer Verkostung können die Besucher schmecken, wie unterschiedlich Rum sein kann. Die Highlights sind dabei zweifelsohne die drei in edle Karaffen abgefüllte Spitzenprodukte, die vier, sechs und acht Jahre Zeit hatten, sich zu entfalten. 

Auch der Rum von der 1819 gegründeten Plantage St. Aubin im Süden der Insel wird aus dem reinen Saft des Zuckerrohrs produziert und lagert zum Teil lange in gereiften Eichenfässern. Aushängeschild ist der St. Aubin "Traditional Old Rum", der bersteinfarben im Glas schimmert, sich weich und ein wenig "schokoladig" an den Gaumen schmiegt und mit 43 Prozent nicht unbedingt ein Schluck für den Vormittag ist. Unbedingt probieren sollte man in St. Aubin auch den "Vanilla Rum", den zwar auch andere Rumfabriken auf Mauritius im Angebot haben, doch hier ist er besonders authentisch, weil die Plantage selbst Vanilleschoten produziert. Selbstverständlich kann man sich den langen Weg von der grünen Schote zur aromatischen Vanille nur wenige Meter von der Rumfabrik entfernt anschauen, und sollte danach auf keinen Fall versäumen, sich einen kleinen Vorrat als Mitbringsel zu kaufen. Die in St. Aubin produzierte Vanille ist zwar nicht gerade ein besonders preiswertes Souvenir, aber so gut, dass sich jeder Cent dafür lohnt.

Unser drittes Ziel liegt im Norden der Insel, in Pamplemousses. Ein rund 9000-Seelen-Ort, der bei Touristen vor allem durch seinem im Jahre 1756 angelegten Botanischen Garten bekannt ist. Hier ist auch die Destillerie Litchquor LTD ansässig, die hochwertigen Rum aus Melasse produziert. Ihr Flaggschiff ist der erst 2011 entwickelte "Gold of Mauritius", von dem der Chef des Unternehmens, Frederic Bestel, behauptet, dass in ihm der Geist von Mauritius stecke. Es handelt sich dabei um einen Blend aus verschiedenen Einzeldestillaten der Insel, der in einem aufwändigen Prozess verfeinert wird, acht bis zwölf Monate in alten südafrikanischen Sherryfässern lagert ehe er dann mit einem Alkoholgehalt von 40 Prozent in die exklusiven Flaschen kommt. Dem Genießer empfiehlt sich der weiche, dunkle Rum mit einem ganzen Spektrum von Aromen von frischen und kandierte tropischen Früchten, Schokolade, leichten nussigen Röstnoten, etwas Vanille und feinen Gewürze. Eine runde Sache eben, die auch Experten auf Anhieb überzeugt hat. So wurde "Gold of Mauritius" bereits bei seiner Premiere 2012 auf dem RumFestival Berlin mit einer Goldmedaille geehrt, beim World Spirits Awards" 2015 folgte eine Silbermedaille und TOP RUM vergoldete ihn für 2015/16 bereits zum zweiten Mal.

Natürlich ist es ein besonderer Genuss, den Rum dort zu verkosten, wo er hergestellt wird. Doch auch hierzulande kann man ihn erwerben, im gut sortierten Fachhandel sind alle getesteten und noch viel mehr Rums aus Mauritius erhältlich. Und das zu sehr akzeptablen Preisen. (heidi.diehl)

Kommentare (1)
Korrektur zu Heidi Diehl's Artikel
geschrieben am 13.08.2016 von Solveig Gerz-Stamenkovic
Auf Mauritius gibt es aktuell gesamt 6 Destillerien, davon stellen 3 aus dem frisch gepressten Zuckerrohrsaft Agricole Rum her (Rhumerie de Chamarel, Distillery Labourdonnais und St.Aubin).
Drei weitere produzieren Molasse Rum (Medine, Grays und Oxenham).

"Gold of Mauritius" / Litchquor ist keine Destillerie und produziert nicht selbst. Diese Firma kauft aus den genannten Melasse Destillerien. Der Rum wird anschließend verblendet/gemischt.

Die Destillerie Fotos im Bericht zeigen dies "Rhumerie de Chamarel".
Die dort hergestellten Rums haben ebenfalls diverse Preise auf dem "World Spirit Awards" und dem "German Rumfestival Berlin" gewonnen.
In der Rhumerie werden 100.000l purer Alkohol hergestellt aus dem ca. 200.000l Rum entstehen.
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