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VINOPHILES

Ist der Weinmarkt Chinas abhängig von Weinapps?
Wein-Apps machen das Handy zum Kaufberater - ein boomender Markt für Entwickler, Investoren und die Weinbranche. (© ldprod)

CHINA (Beijing) – In China boomt der Onlinehandel mit Wein. Längst beliefern der Weinhandel nicht nur die urbanen Zonen, sondern auch in entlegene Gebiete werden Weine verschickt. Befeuert wird der Handel durch eine ganze Reihe von Wein-Apps, die auf eine Nutzerschicht treffen, die ohne Smart-Phone nicht mehr auszukommen scheint. Grund genug mal zu beleuchten, welche Apps den chinesischen Konsumenten beeinflussen …

 

… in einem Land mit der höchsten Anzahl an Nutzern von Smartphones und der höchsten Anzahl an Nutzern des Internets. Mehr als 600 Millionen Menschen gehen via Smartphone ins Internet. Betrachten wir also mal den Markt der Apps unter drei Kategorien: Informationsanbieter, soziale Netzwerke und Verkaufsplattformen:

App von WINE-SEARCHER: Diese App bietet grundsätzliche Informationen, insbesondere wird das internationale Preisgefüge dokumentiert. Es ist wohl die bekannteste und weltweit am meisten frequentierte Wein-App, die über eine immense Datenbank verfügt, gespeist von Preisinformationen des weltweiten Handels. Nicht zuletzt durch den Preisvergleich hat sich der Wine Searcher zu einem wichtigen Informationsinstrument für Weinliebhaber entwickelt – in China als seriöse Informations-App bewertet. Ein Makel bleibt für den Nutzer dieser App, jedenfalls in China: Es werden zwar internationale Handelspreise notiert und sind vergleichbar dargestellt, aber Transportkosten und Einfuhrzölle finden keine Berücksichtigung. Dennoch gehört diese App in China zu einem "Must have" auf den Smartphones.

App von VIVINO: Diese App gehört mittlerweile zu den bekanntesten ihrer Art. Komfortabel lässt sich sich mit dem Smartphone ein Weinetikett scannen und daraufhin auf Basisinformationen zugreifen sowie auf Kommentare der User zu diesem Wein. Zwar gibt es in China Kopien dieser App, darunter 9KaCha und Snapwine, aber Vivino hat den Vorteil auf eine beeindruckende Datenbank und auf die schnellste Bilderkennung zurückgreifen zu können. Besonders gefällt den Chinesen die Kommunikation untereinander. So können die vinophilen Nutzer ihr Netzwerk erweitern, sich in der Community bestätigt fühlen. Dennoch bedient diese App eine Nische in China. Nicht jeder kann sich Weine zu beliebigen Preisen leisten und die Informationen setzen ein gewisses Wissen über Weine voraus. Eine Schwachstelle, die von den Anbietern dieser App noch nicht entschärft werden konnte.

Apps von PRODUKTEN oder WEINTHEMEN: In dieser Kategorie gibt es vielfältige Anbieter. Dahinter stehen der Online-Wein- und Spirituosenmarkt. Die Anwendungen sollen den chinesischen Konsumenten schnell auf die gesuchten Informationen führen – letztlich landen die Nutzer in Weinshops. Das Manko dieser Apps: Der Nutzer fühlt sich allein – ihm fehlt das menschliche und kommunikative Element. Gerade dies macht diese Apps zumeist uninteressant, weil persönliche Informationen nicht geboten werden. Diese Kategorie bedient in der Regel erfahrenen Weinliebhaber, die gezielt suchen. Die Betreiber solcher Apps kämpfen damit, Nutzer zu gewinnen wie gleichzeitig auf Dauer zu erhalten.

WEIBO oder WeCHAT – in China die beliebten Netzwerke – sind keine Konkurrenz für Wine Searcher oder Vivino. Diesen Schwergewichten der sozialen Netzwerke gelingt es nicht, größere Wein-Communities aufzubauen. Obwohl, dass sich dort eine Reihe von Weinprofis und Meinungsführer aus der landeseigenen Weinszene mit mehreren Hunderttausend Anhängern einen gewichtigen Kreis erarbeitet haben, es bleibt das Manko adäquater Informationen, die der Konsument benötigt. Meinungen dieser Meinungsführer werden in China akzeptiert und gehört, aber diese haben nur einen reellen Wert in Kombination mit nachprüfbarer Information.

Fazit: Wer als Anbieter von Wein-Apps für den chinesischen Markt die ganze Bandbreite der Konsumenten erreichen will, muss gleichzeitig Information und Kommunikation bieten, muss Meinungen zulassen und die Kaufkraft der Nutzer im Fokus haben. Es ist wie mit der "eierlegenden Wollmilchsau" – keiner hat sie bisher gesehen. Und welche Apps haben Sie auf Ihrem Smartphone? Überprüfen Sie mal Ihre Wein-Apps auf deren Nutzungswert und eigene Frequenz. Wann haben Sie diese zuletzt aufgerufen und genutzt? Die Antwort dürfte den Wert der jeweiligen App bescheinigen.

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