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WEINEVENTS

Weinfedern in Iphofen: So macht eine Weihnachtsfeier richtig Spaß
Nächtliche Stimmung auf dem Iphöfer Marktplatz. (Foto © A. Wirtzfeld)

DEUTSCHLAND (Iphofen) – Der Slogan „Wein, Gips und Holz – das macht Iphofen stolz“ war es nicht allein, der etwa ein Dutzend Weinfeder-Mitglieder dazu verleitete, Weihnachten in der fränkischen 4.600-Einwohner-Stadt im Steigerwald zu feiern. Ein Lockmittel war auch das mittelalterliche und barocke Altstadtensemble mit gut erhaltener Stadtmauer, das zu Spaziergängen einlud. Und dann war da noch die Gastfreundschaft der Iphöfer Winzer und eines Weingutes, das nur indirekt in der Stadt zu Hause ist. 

 

Doch der Reihe nach: Gastgeber waren die Weingüter Hans Wirsching, Johann Ruck und das Silvaner-Weingut Seufert sowie Campo alla Sughera, erkennbar kein fränkischer Name, aber ein Haus in der Region Bolgheri (Toskana).Es ist im Besitz der Familie Knauf, die mit Baustoffen einer der internationalen Branchenriesen ist. Knauf ist in 86 Ländern präsent und schreibt einen Jahresumsatz von 6,5 Milliarden Euro. Ein Nutznießer ist die Stadt Iphofen, der Stammsitz des Unternehmens, nicht nur bei der Gewerbesteuer. Knauf gilt in der Stadt auch als spendabler Wohltäter und hat sogar ein Museum eingerichtet. Den Weinbaubetrieb in der Toskana, der vor 20 Jahren gegründet wurde, leitet mit Elisabeth Finkbeiner seit 2016 eine weinerfahrene Deutsche, die sofort begeistert war von der Möglichkeit, in die Weinfeder-Weihnachtsfeier eingebunden zu werden. 

Alle vier Betriebe konnten einige ihrer Weine vorstellen. Andrea Wirsching, die Chefin des Weingutes, verwies zunächst darauf, dass ihr Vater Dr. Heinrich Wirsching in der Nachkriegszeit den Betrieb visionär nach oben gebracht hatte und ein Verantwortlicher der ursprünglich von vielen abgelehnten, aber letztlich segensreichen Flurbereinigung war. „Ohne sie könnten wir heute keinen wirtschaftlichen Weinbau auf unseren inzwischen 90 Hektar betreiben“, erläuterte die temperamentvolle Geschäftsführerin, die sich darüber freut, dass der Senior, obwohl 84 Jahre jung, immer noch im Betrieb sehr aktiv mitarbeitet und die Kunden betreut. 

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Äußerst sympathische Gastgeber und Garanten für einen spannenden Weinabend waren Andrea Wirsching, Hansi Ruck und Laura Seufert, die erlesene Tropfen, angefangen bei einem sehr frischen, eleganten 1971er Silvaner Auslese aus der Schatzkammer vom Weingut Wirschung, einem rassigen, fruchtigen Rieslaner Spätlese aus den Kellern des Weinguts Ruck und einem VINUM-Riesling-Champion des Weinguts Seufert, präsentierten. (Foto © A. Wirtzfeld)
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Andrea Wirsching begrüßte mit einer sehr frischen, eleganten 1971er Silvaner Auslese aus der Schatzkammer und leitete anschließend über zu einem erstklassigen, noch sehr jugendlichen 2015er Silvaner Großes Gewächs aus der Top-Lage Julius-Echter-Berg. „Ein typisches Beispiel dafür, dass unsere Weine Zeit brauchen. Die besten bringen wir jetzt erst nach zwei Jahren auf den Markt“, erläuterte sie. Der knackige 2015er Riesling „Sister.Act“, gemeinsam kreiert mit der jüngeren Schwester, und eine elegante Scheurebe 2016 von alten Reben rundeten die Präsentation ab. 

Für das Weingut Ruck war Eigentümer Hansi Ruck dabei, der eigentlich Johann heißt, aber Hansi gerufen wird, weil der Älteste im Haus traditionell „Hans“ heißt – und der „Diensthabende“ dann eben den Kosenamen verpasst bekommt. Das alteingesessene Weingut mit gut elf Hektar Reben stellte einen vielschichtigen 2014er Riesling aus dem Julius-Echter-Berg vor, dem die drei Jahren Reife sehr gut getan hatten. Der vielschichtige Sauvignon Blanc aus 2016 wäre in jeder internationalen Probe ein Sieganwärter. Und mit einer rassigen, fruchtigen Rieslaner Spätlese zeigte Hansi Ruck, dass sich das Festhalten an dieser schwierigen Sorte lohnt. 

Dass er sich als „Quotenmann“ bezeichnete, lag daran, dass noch eine dritte Dame neben Andrea Wirsching und Elisabeth Finkbeiner im Spiel war, nämlich die gerade 26 Jahre junge Laura Seufert aus dem noch weitgehend unbekannten Silvaner-Weingut Seufert (die Sorte hat auf den knapp sechs Hektar 90 Prozent Flächenanteil). Die derzeitige Geisenheim-Studentin und Weinbautechnikerin setzte im Betrieb von Vater Jürgen, 64, schon einige Ideen um (Verzicht auf Reinzuchthefen, längeres Lager auf der Feinhefe) und darf sicher als hoffnungsvolles Talent bezeichnet werden. Mitgebracht hatte sie zwei ausgezeichnete Silvaner aus dem Kronsberg und dem Julius-Echter-Berg sowie einen rar gewordenen 2015er Riesling, der beim Wettbewerb Riesling-Champion von Vinum sensationell den ersten Platz in der Königsklasse trocken belegte. Jetzt ist der Ehrgeiz geweckt, die Motivation groß. „Nächstes Jahr greife ich mit einem 2016er wieder an“, versicherte die fesche Laura. 

Aus der Toskana wurden nur Rotweine als Kontrastprogramm offeriert. Elisabeth Finkbeiners Campo alla Sughera hat fast ausschließlich rote internationale Sorten im Anbau, wie es für die Region Bolgheri typisch ist. Das Trio mit Adèo 2014, Arnione 2010 und dem Campo alla Sughera aus 70 Prozent Petit Verdot und Cabernet Franc war sehr überzeugend. 

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Elisabeth Finkbeiner, Weingutsleiterin von Campo alla Sughera, stelle erlesene Bolgheri-Weine vor und erläuterte den Aufbau und die spannende Entwicklung des toskanischen Weingutes der Familie Knauf. (Foto © A. Wirtzfeld)
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Nach der Präsentation gab es einen Ortswechsel. Die Weinfedern konnten sich davon überzeugen, dass im zum Weingut Wirsching gehörenden Restaurant „Iphöfer Kammer“ ausgezeichnet gekocht wird. Unter den zum Essen gereichten Weinen waren besonders bemerkenswert der Likörwein „Monsolis“ von Ruck, die prächtige rote Burgunder-Cuvée „TriTerra“ von Ruck und ein Bolgheri Superiore 2007 aus der Großflasche. Über den maischevergorenen Silvaner „Anarchie“ von Laura Seufert schieden sich die Geister, einigen war er zu anarchistisch.

Aber insgesamt darf unterstellt werden, dass die Weinfedern, die nicht dabei waren, etwas versäumt hatten. Was geboten wurde, war einfach großartig, inklusive einer Super-Atmosphäre und viel Information. So machen Weihnachtsfeiern selbst Weihnachtsmuffeln Spaß. (rudolf.knoll)


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Rudolf Knoll, der in gewohnter Manier eine weitere Ehrung entgegennahm, sich aber sichtlich darüber freute, ab nun den Status "Ehrenmitglied der Weinfeder e.V." zu tragen. (Foto © A. Wirtzfeld)
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(Anm. d. Red.) Die Ansprache von Wolfgang Junglas, seines Zeichens Vorsitzender der Weinfeder e.V., galt insbesondere einem langjährigen Mitglied, das heuer seinen 70. Geburtstag feierte und neben seinen vielfältigen Kontakten und stetigen Weingeschichten im Weinfeder Journal den Verband der Deutschen Weinpublizisten als Gründungsmitglied bis dato intensiv begleitet und unterstützt. Somit längst fällig und für die anwesenden Mitglieder der Weinfeder e.V. nicht überraschend war die Aufnahme des Weinjournalisten, Weinautors und anerkannten Weinkritikers Rudolf Knoll zum Ehrenmitglied. Rudolf Knoll, der schon eine Sammlung an renommierten Weinehrungen vorweisen kann, nahm die Ehrung gerne an, lehnte aber die Freistellung des Mitgliedsbeitrages kategorisch ab. "Ich danke für die Aufnahme, aber den Mitgliedsbeitrag werde ich sicher weiterhin zahlen." 

Der Rahmen für die Ehrung von Rudolf Knoll konnte nicht besser sein. Franken ist schon längst sein "Zuhause", das schmucke Iphofen, die moderne Vinothek der Wirschings, die gemütliche Iphöfer Kammer waren die perfekte Kulisse, die teilnehmenden Winzer sind längst seine Freunde. Die perfekt organisierte Weihnachtsfeier wurde auch vom Ehrenmitglied maßgeblich initiiert und von den teilnehmenden Winzerfreunden Andrea Wirsching, Hansi Ruck, Laura Seufert und Elisabeth Finkbeiner spannend, sympathisch und überaus genussreich veranstaltet. Großer Dank und Kompliment an alle – es war eine Weihnachtsfeier und ein vinophiles Erlebnis, das man so schnell nicht vergessen wird.

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