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WEINEVENTS

ProPro-Wein – ProMinenten-Talk im ProWein-Forum
Der Treffpunkt vieler Weinliebhaber und das Fachsimpeln mit dem Team der VINUM – jedes Jahr für viele Besucher ein Highlight auf der ProWein. (@ vinum)

DEUTSCHLAND (Düsseldorf) – ProWein und Prominenz – was für eine Cuvée! Am letzten Tag am frühen Nachmittag bittet VINUM zum Talk mit vier Persönlichkeiten, die alle mit Wein zu tun haben, aber auch sonst im Hauptberuf sehr namhaft sind: Nina Ruge und ihr Gatte Wolfgang Reitzle, Günther Jauch und Franz Beckenbauer plaudern nicht nur über Wein mit VINUM-Redakteur Rudolf Knoll.

 

"Er ist von der Bildfläche verschwunden", verzweifelte ein Fernsehteam der ARD im Dezember 2017. In einer nächtlichen TV-Sendung wurde rund eine Stunde lang gerätselt, wo ein gewisser Franz Beckenbauer steckt. Ein paar vage Aufnahmen durch einen Vorhang in ein Restaurant wurden geliefert, mehr aber nicht. Auch diverse gedruckte Medien steuerten ihren Senf bei und fragten besorgt:

"Wie geht es dem Kaiser?"

Gut ging es ihm. VINUM hätte Auskunft geben können. Denn wir verbrachten kurz zuvor mit rund hundert Lesern einen heiteren, unterhaltsamen, genussreichen Abend mit dem zweifachen Fussball-Weltmeister (als Spieler 1974, als Trainer 1990) im Münchner "Orlando" bei Beckenbauer-Freund Alfons Schuhbeck. Den einzigen Wermutstropfen musste sich der Mann, der das "Sommermärchen" 2006, die WM, nach Deutschland geholt hatte, selbst einschenken. Beim Genuss seiner eigenen Weine war aus gesundheitlichen Gründen noch Zurückhaltung angesagt. An Pinotage, Syrah, Chenin Blanc, Terravinum White und der Cuvée "Libero" vom Weingut Lammershoek im südafrikanischen Swaartland, das Beckenbauer vor einigen Jahren mit Partnern erworben hatte, durften sich die Gäste intensiver laben.

Jetzt ist die Fussball-Legende als Winzer erneut bei VINUM zu Gast.

Diesmal auf der ProWein. Und das nicht allein, sondern in prominenter Gesellschaft. TV-Moderator Günther Jauch, der in den neunziger Jahren im TV nicht selten bei Fussball-Übertragungen mit Beckenbauer als Experte auf dem Bildschirm zu sehen war, ist in seiner Rolle als Eigentümer des renommierten Saar-Weingutes von Othegraven dabei. Ebenso Nina Ruge, die bekannte TV-Moderatorin und Buchautorin. Sie betreibt mit ihrem Gatten Prof. Dr. Wolfgang Reitzle, der oft in Wirtschaftsnachrichten als Aufsichtsratsvorsitzender des milliardenschweren DAX-Konzerns Linde auftaucht, seit 2001 das im Wachstum befindliche, aufstrebende Weingut Villa Santo Stefano in der Toskana.

Die Lebensläufe der Gesprächspartner von VINUM sind höchst unterschiedlich (wenn man mal davon absieht, dass Günther Jauch in seiner Jugend gern so gut Fussball gespielt hätte wie Franz Beckenbauer). Aber Wein ist ihre gemeinsame Basis. Der persönliche Einsatz dafür ist nicht gering. Es handelt sich in allen drei Fällen nicht nur um Investment in Reben und Keller. Bei Jauch, der häufig zwischen seinem Wohnort Potsdam und dem Weinort Kanzem hin und her pendelt und hier vom Kuchen naschen kann, den seine Gattin Thea dort gern für die Mitarbeiter backt, spielten familiäre Bezüge die entscheidende Rolle. Das Gut gehörte schon seit 1805 seinen Vorfahren. Die Vorvorbesitzerin Marie von Othegraven, die den Knaben Günther in dessen Jugend schon mal bei seinen Besuchen den Besen in die Hand drückte, war seine Grosstante. Als ihre Nachfolgerin Heidi Kegel verstarb und niemand im Verwandtenkreis Interesse am Weingut zeigte, setzte der TV-Star die Familientradition fort und gliederte sich dabei ab 2010 ganz bodenständig in die Reihen des Nobel-Clubs VDP ein, bei dem das Weingut von Othegraven schon lange Mitglied war. So ist es für ihn und die Gattin selbstverständlich, dass sie bei Veranstaltungen wie der ProWein und der Mainzer Weinbörse am Stand stehen und Wein ausschenken. "Viele Leute sind immer wieder überrascht, mich bei einer solchen Arbeit zu sehen", hat Jauch erkannt. Aber beide machen es gern, auch wenn am Abend die Füsse brennen.

Als richtige Weinmacher würden sich die Chefs der drei Weingüter nie bezeichnen lassen. Dafür haben sie Profis auf der Gehaltsliste, die exakt wissen, was im Weinberg und Keller zu tun ist. Doch sie bringen sich intensiv ein. Nina Ruge, in der Toskana für die Gartenpflege zuständig, ist sich nicht zu schade, bei Präsentationen an der Verkaufsfront zu stehen. Reitzle ist bei der Ernte dabei und steht am Band, wenn die Trauben sortiert werden. Auch Franz Beckenbauer hatte in Südafrika schon die Rebschere in der Hand und lässt sich gern von den Mitarbeitern des Weingutes erläutern, was im Keller passiert.

Wie Jauch in die für ihn relativ neue Weinwelt eintauchte, wurde schon geschildert. Franz Beckenbauer "verführte" ein guter Freund und Berater im internationalen Sportmarketing. Andreas Abold aus München hatte gute Kontakte in Südafrika. Beckenbauer war schon lange vor der Fussball-WM 2010 immer wieder mal am Kap, lernte hier sogar Nelson Mandela kennen ("für mich eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Weltgeschichte") und konnte sich besonders für Kapstadt begeistern. Er war schnell überredet, als ihm Abold eine Beteiligung ans Herz legte. Stolz ist man neben der Güte der Weine besonders auf den Ausbau einer Krippe für rund 50 Kinder.

Nina Ruge und Wolfgang Reitzle wollten sich als Italien-Fans eigentlich nur einen festen Urlaubsort zum Ausspannen anlachen. Auf dem Gelände befanden sich ein grosser Garten und Oliven, die heute ein erstklassiges Öl ergeben. Und es gab knapp einen Hektar Reben, die einen eher schlichten Wein lieferten. Reitzle, der schon als Kind einen Bezug zur Landwirtschaft hatte und mit sechs Jahren einen Traktor steuern konnte, wollte es nicht dabei bewenden lassen. Er kaufte nach sorgfältigen Bodenanalysen geeignete Fläche zu, holte sich einen italienischen Önologen ins Haus und investierte in die Kellertechnik. Nur das Beste war ihm hier gut genug, wie einst bei seinen leitenden Funktionen in der Autobranche unter anderem bei BMW. Geschmacklich gehen die Interessen etwas auseinander. Doch eines muss in allen drei Fällen stimmen: die Qualität! Als Franz Beckenbauer und Andreas Abold nach dem Erwerb von Lammershoek erkannten, dass man in der Kellerwirtschaft zu sehr in Richtung "Orange Wine" rückte, wurde die Notbremse gezogen und der Betrieb mit seinen 80 Hektar mit einer neuen Mannschaft wieder klassisch ausgerichtet. Der Jahrgang 2015 war dadurch der erste, mit dem man sich auf die internationalen Märkte wagte. Syrah Reserve und die Cuvée "Libero" (Syrah, Grenache und Carignan), die in München ausgeschenkt wurden, begeisterten einen Gast besonders, nämlich Spitzenwinzer Albrecht Schwegler aus Korb (Württemberg). "Richtig gut", urteilte der Macher der Kult-Cuvée Granat.

Günther Jauch hat auf seinen 15 Hektar nur Riesling stehen. Es sind durch die Bank Toplagen. Betriebsleiter Andreas Barth baut 80 Prozent der Weine trocken aus, unter Verzicht auf Reinzuchthefen. Der Gutsbesitzer und seine Gattin haben eine Vorliebe für Weine mit Fruchtsüsse. "Wir bemühen uns, die Kundschaft an diesen Geschmack heranzuführen und schätzen besonders die Leichtigkeit solcher Weine", meint Jauch, der auch Wert darauf legt, dass ein Grosses Gewächs nicht im Alkoholgehalt "explodiert", sondern hier massvoll bleibt (2016 brachte es auf 12,5.Vol.-%). Offen gibt er zu, dass seine Frau die bessere Verkosterin ist ("Ich kann eigentlich nur zwischen ‹schmeckt› und ‹schmeckt mir nicht› unterscheiden. Thea hat Kurse besucht und ist mir beim Probieren genetisch überlegen.").

Beim Paar Ruge/Reitzle hat er sicher die grössere Erfahrung beim Genuss. In seinem häuslichen Keller liegen unter anderem wertvolle Bordelaiser Gewächse, die per Subskription erworben wurden. Auch die zwischenzeitliche Tätigkeit im Aufsichtsrat der Weinhandelsgruppe Hawesko hat den Bezug zu feinen Weinen gefördert. Doch wenn er seine Frau mit einem reifen Lafite locken will, deutet sie ihm, dass sie doch lieber den Spitzenwein Loto der Villa Santo Stefano trinkt. Diese Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Petit Verdot war bei Verkostungen mit Super-Toskanern ziemlich weit vorne vertreten und liess prominente Namen hinter sich.

Beim ProWein-Talk wird es nicht ganz trocken zugehen. Man darf gespannt sein, wie unsere Gäste bei einer kleinen Verkostung reagieren und was sie für das Publikum nach der Gesprächsrunde mitgebracht haben…

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