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ÜBRIGE WEINLÄNDER

Winzer-Rebellen in Abchasien hoffen die Weltmärkte zu erobern
Abchasien, eine Region der Gegensätze: Subtropisches Klima am schmalen Küstenstreifen des Schwarzen Meeres und gebirgiges Hinterland mit Gipfeln bis zu 4.000 Metern
Abkhazia, a land of contrasts: Subtropic climate along the narrow coast of the Black Sea and mountainous upstate with summits of up to 4.000 meters

ABCHASIEN (Suchumi) - Nikolai Açba träumt von dem Tag, da er seine Weine nach Europa und Übersee exportieren kann und Weinliebhaber aus aller Welt die Weine seiner Heimat schätzen. Aber als Chef des größten Weinkellers in diesem vom Krieg mit Georgien verwüsteten abtrünnigen Region Abchasien hat er das Problem, dass der einzige Importeur seiner Weine das Wodka-liebende Russland ist.

 

Andere Märkte bleiben Açba verschossen, weil Abchasien als unabhängiger Staat bisher nur von Russland, Venezuela, Nicaragua und dem kleinen pazifischen Inselstaat Nauru anerkannt wird. Der Rest der Welt ist sich noch unsicher ob der politischen Entwicklung im noch immer schwelenden Konflikt zwischen Georgien und Abchasien. Nur fast 10.000 Mann starke russische Truppen garantieren einen trügerischen Frieden.

"Natürlich ist es ein Problem, dass niemand außer Russland, Venezuela, Nicaragua und Nauru unsere Dokumente und Zertifikate anerkennt", seufzt Açba, der auch als Direktor die Wein- und Getränkeindustrie Abchasiens vertritt. "Wir sind hier angewiesen auf den Handel und den Export mit Tabak, Tee, Obst und Wein. Das sind unsere wichtigsten Wirtschaftszweige. Außer in dem schmalen Küstenstreifen entlang des Schwarzen Meeres, wo wir anbauen können, beherrschen hohe Gebirgsketten unser Land. Zur Türkei haben wir nur einen Katzensprung, aber wir dürfen auch dorthin nichts exportieren. Das ist unser Dilemma."

Die Probleme in Abchasien reichen aber noch weiter. Diese Region ist praktisch von der Außenwelt abgeschottet. Es gibt keine Geldautomaten, Unternehmen und der Handel akzeptieren keine Kreditkarten. Russland, Abchasiens riesiger Nachbar im Norden domminiert die Wirtschaft entlang der malerischen Küste des Schwarzen Meeres, die zur Zeit der Sowjetunion das beliebteste Ferienrevier war.

Abchasien nutzt folgerichtig auch den russischen Rubel als Währung und die Hälfte des Budgets der separatistischen Regierung kommt aus Russland. Rund 80 Prozent der ausländischen Investoren sind Russen. "Als die Russen 1999 begannen in Abchasien zu investieren, expandierte unsere Wein- und Getränkeindustrie. Heute produzieren wir beinahe acht Millionen Flaschen Wein pro Jahr", erklärt Açba.

"Der stetige russische Import unserer Weine hat mich ermutigt eine große Kellerei zu gründen", erläutert Valery Avidzba, ebenfalls einer der großen Weinproduzenten Abchasiens. "Die Russen kennen unsere Weine noch von Ihren Sommerferien hier in der Region. Sie lieben unsere traditionell süßen, jungen Weine, die anderswo, beispielsweise in Europa sicher niemand haben will. Für die Russen ist es eine Art Nostalgie."

Beeindruckende Metall-Tanks, die zusammen zwei Millionen Liter Wein aufnehmen, stehen in den feuchten Kellern eines riesigen Fabrik-Komplexes in der Hauptstadt Suchumi. Aber draußen im Sonnenlicht leuchten dutzende von französischen Eichenfässern. "Das ist unsere Zukunft", erklärt Avidzba. "Wir haben neue Weinberge mit europäischen Rebsorten wie Cabernet Sauvignon angepflanzt und hier auf diesem Gelände schon Platz für eine moderne Kellertechnik, wie sie in Europa angewandt wird, geschaffen."

"Ja, gemeinsam experimentieren wir hier für den Wein der Zukunft", sagt Said, ein Neffe von Açba und ergänzt: "Wir haben große Pläne und wollen unsere Weinwirtschaft der von Europa anpassen." Die Familia Açba entstammt einem abchasischen Fürstengeschlecht und betreibt seit Generationen in dieser Region Weinbau. Said Açba hat man nach Bordeaux geschickt, um Weinbau zu studieren und das Handwerk von Grund auf zu erlenen. Jetzt ist er Oenologe und wieder zurück in Abchasien und soll den Umschwung leiten.

"Wir sind entschlossen unsere Weine zukünftig auf die Weltmärkte zu bringen", versichert Said selbstbewusst. "Ich denke, dass wir bald einen respektablen Wein nach europäischem Stil, Philosophie und Qualität produzieren werden. Nach zwei bis drei Jahren sehen wir uns auf Weinproben in Europa wieder - das ist mein Ziel".

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