Knolls Wein-Powerfrauen: Julia Klüber „lebt leidenschaftlich Wein“

Freitag, 13. Januar 2012 | 10:09 Uhr | R.KNOLL | KNOLLS WEINWEIBER
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Ich liebe und lebe das, was ich mache, sagt Julia Klüber über sich selbst (Foto: J. Klüber)

DEUTSCHLAND (München) - Nicht im Weinbau tätig, keine Winzerin, aber doch in Sachen Wein mit viel Power aktiv, das sind die Frauen, die Rudolf Knoll in unregelmäßiger Folge ins Visier nimmt und hier auf YOOPRESS vorstellt. Diesmal: die Weinberaterin und Eventveranstalterin Julia Klüber aus München.

Der namhafte bayerische Gastronom und Weinfan Christian Grainer („Christians“ in Kirchdorf) ist gewissermaßen an allem Schuld. Er gab 2001 bei einer Raritätenprobe einer jungen Dame namens Julia Klüber aus etwas genusserfahrenem Elternhaus die Möglichkeit, reife Riesling und Grüner Veltliner aus der Wachau sowie Bordeaux aus Großflaschen zu probieren. „Damit hat mich der Wein endgültig in seinen Bann gezogen“, erinnert sich die inzwischen 31-Jährige.

Inzwischen beschäftigt sie sich damit, andere in den Weinbann zu ziehen. Zum zweiten Mal steht demnächst eine ungewöhnliche Wein-Party in München auf dem Programm: WineVibes Vol. 2 geht am 18. Februar im ARS24 Studio in der Kistlerhofstraße über die Bühne. Julia Klüber verspricht eine „gigantische Location auf zwei Ebenen“, ideal für „edle Tropfen und feine Sounds in einer gelungenen Kombination“ (Info siehe TIPP).

Los geht es um 19 Uhr mit einer lockeren Verkostung, bei der Winzerpersönlichkeiten, aber ebenso hoffnungsvolle Newcomer aus Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien dabei sein werden. Nach gut drei Stunden wird umgeschaltet auf eine ausgelassene Clubnacht mit heißer Musik, passend zum Titel der Veranstaltung. „Vibes“ kann für Stimmung, Schwung, Atmosphäre, Vibration, Schwingung stehen - von alledem ist etwas dabei. Wenn die Lautsprecher aufgedreht werden, bleibt die Weinbar geöffnet und liefert Doping für die Tänzer.

Zielgruppe der geborenen Münchnerin sind junge, weininteressierte Leute. Aber nicht nur. „Mein Onkel Wolfgang war bei der ersten Veranstaltung mit seinen 82 Jahren lang dabei“, lacht der Blondschopf. „Nur irgendwann nach Mitternacht wurde es ihm zu laut.“ Julia Klüber macht diese Wein-Partys, die in Berlin und Wien Fortsetzung finden sollen (irgendwann will sie nach Vol. 1 und Vol. 2 dann bei einem weintypischen Volumen wie Vol. 12 oder 13 angelangt sein), letztlich, weil es Spaß macht. Die Winzer zahlen nur einen kleinen Beitrag, auch für die Karten kommt nicht sonderlich viel Geld herein. Sie kann gerade die Lokation und sonstige Unkosten abdecken. Die eigene Arbeitszeit wird nicht berechnet. „Beim ersten Mal blieben vor Steuern 8,98 Euro übrig“, plaudert sie aus dem Nähkästchen.

Komplimente gab es nach der Münchner Veranstaltung im November jede Menge.

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"Wein" steht für Winzerpersönlichkeiten, aber auch für hoffnungsvolle Newcomer
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"Vibes" steht für Aktion, Stimmung, Schwung, Atmosphäre, Vibration, Schwingung

Österreichs Weinlady (Wine & partners) und Winzerin Dorli Muhr aus Wien urteilte damals „Hochwertiges und zugleich junges Klientel“. „Ein toller Erfolg und echtes Highlight“ freute sich Theresa Breuer aus Rüdesheim. Leben muss Julia Klüber dennoch von anderen Dingen. Sie ist Beraterin für Wein und Marketing, steht Unternehmern, Winzern, Weinhändlern, Gastronomen bei vielen Fragen bei und liefert Konzepte und individuelle Lösungen im Weinverkauf, gewürzt mit ihrem mitreißendem Charme, der auch bei der Durchführung von Seminaren hilfreich ist.

Angeeignet hat sie sich das alles nach dem ersten intensiven Weinerlebnis im „Christians“, das - so ihre Erinnerung - „das Tor zu einer wunderbaren Welt öffnete“. Sie entschloss sich damals, als Seiteneinsteigerin Weinbau in Geisenheim zu studieren. Nach dem Abschluss ging sie den ersten, wichtigen Schritt zum Endziel „Master of Wine“ und erwarb 2007 das WSET Diploma in Wines and Spirits. Außerdem praktizierte sie bei einigen renommierten Erzeugern wie Franz Hirtzberger und Roman Jäger in der Wachau, Zind-Humbrecht im Elsass und dem Weingut Krone im Rheingau. Beruflich startete sie ihre Karriere im Einkauf und Marketing bei Mövenpick und wechselte anschließend zu Segnitz in die Position Leitung Einkauf und Produktmanagement.

Dann entschloss sie sich zur Selbstständigkeit. Basis dafür ist - neben dem gesunden Selbstvertrauen - ein mit den Jahren gewachsenes Netzwerk mit vielen nützlichen Kontakten. Oft ist sie unterwegs, um neue Trends aufzuspüren. Seit Herbst 2011 kehrt sie zeitweise an ihren alten Studienplatz Geisenheim zurück, wo sie als Lehrbeauftragte fungiert und den Sommeliernachwuchs für die Deutsche Wein- und Sommelierschule betreut. Ihre Lieblingsregionen sind bei der Grande Nation Bordeaux, die Rhône und das Elsass sowie die Champagne, natürlich Deutschland, dazu Österreich und immer wieder Südtirol. „Ich liebe und lebe das, was ich mache“, versichert sie - absolut glaubhaft.

Gut, dass auch ihr Freund die Wein-Leidenschaft teilt. Ihr zweiter Freund tut das nicht. Wenn Julia abschalten will, macht sie sich auf zum Chiemsee und schwingt sich auf den Rücken ihres Fuchswallachs Stanley. Ganz abschalten gelingt allerdings nicht mal hoch zu Pferd. Als der Schreiber dieser Zeilen eine Rückfrage hatte, erreichte er sie auf dem Handy während eines Reitausflugs. Die Frage nach einer Freisprecheinrichtung auf dem Sattel verkniff man sich... (r.knoll)

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