Wein der Woche: Bio, billig, Bordeaux!

Donnerstag, 20. Januar 2011 | 07:06 Uhr | CPTN CORK | CPTN CORKS WEINTIPPS
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Das hat er nun davon. Weil Captains Maat Felix Eschenauer über moderne Bordeaux immer die Nase rümpft, wäre ihm fast eine günstige Rarität mit Bio-Bonus entgangen. Gut und günstig wie selten. Das ist nur der einfache Grolet. Und der kostet 7,50. Im Hintergrund die Kuh dazu. (Foto: Cptn.Cork)

DEUTSCHLAND (Berlin) - Es gibt zwei Gründe, warum ich aktuelle Bordeaux-Jahrgänge meide: Ich bin von den Weinen aus den 80ern versaut, der Zeit vor Parker. Vom schlanken, saftigen, immer einen Tick animalischen Typ. Altmodisch, unverholzt, eine Rarität - wie fassgereifter Moselriesling. Und ich bin, was dieses Gebiet angeht, ein echter Etikettentrinker. Soll heißen, den richtig guten Stoff aus den großen Jahren wie 2000, 2003 und 2005 kann ich mir mit meiner mageren Heuer nicht leisten.

Das liegt an der unglaublichen Preisentwicklung seit 1990. Oder aber spätestens 1995. Falls doch einmal Geld übrig sein sollte, gönne ich mir lieber einen reifen Tropfen. Vom Sekundärmarkt. Der ist nämlich noch gut bestückt. Postmoderner Bordeaux? Ohne mich - dachte ich jedenfalls. Bis vor ein paar Tagen. Dann kam dieses Essen unter Weinfreunden. Ein Haufen frankophiler Fleischfresser. Zu einem prachtvollen Filetsteak für jeden von uns sollte es eine ganze Wagenladung voll verschiedener Bordelaiser Gewächse geben.

Ins Glas kam zunächst ein 85er, ein Wein aus St. Julien. Gefolgt von einem tollen 89er aus Pauillac und so weiter. Und dann war ein Wein an der Reihe, der in die Phalanx der klassischen Jahrgänge und der traditionellen Stilistik passte, sich aber auch merklich von seinen Vorgängern abhob. Zunächst wirkte er reif und sehr jung, der Jahrgang wurde auf 2005 eingegrenzt und dafür war er enorm zugänglich. Kein sperriges Holz, kein sprödes Tannin.

Sparsam mit dem Holz

Überhaupt schien man hier sparsam mit dem Holz umgegangen zu sein. Viel Cassis, ein deutlicher Hinweis auf das Médoc und den Cabernet Sauvignon und ein wenig animierende Unreife. Frucht ja, aber eben unterlegt von einem grünen Ton, der an Haselnuss und Schlehen erinnert. Auch Faber-Castell lässt grüßen: Alter Schreibtisch, kalte Pfeife, gerade angespitzter Bleistift. Am Gaumen entfaltet sich dann eine warme, leicht beerige Frucht, die sich mit viel Luft immer mehr in Richtung Sauerkirsche entwickelt. Ein kühle, mineralische Würze und die frische Säure halten die Balance. Kühl, warm, beerig, würzig, straff und saftig - diese Gegensätze machen diesen Wein so spannend.

Mein Tipp war natürlich für die Tonne, weil es sich um einen Wein handelt, den keiner kennt, der nach dem Etikett auswählt. Die 2005 „Cuvée Tradition" kommt aus den Kellern von Château La Grolet aus der Appellation Côtes-de-Bourg. Einer der ältesten Weinbau treibenden Gemeinden an der Gironde. Nur hat die heute keiner mehr auf dem Radar. Die Fixierung der Presse auf einige wenige Gebiete, hat die Côtes-de-Bourg aber auch Blaye sowie die Satelliten um die Zentren der Macht ausgebootet.

Blaye und Bourg: Abseits der großen Bordeaux

Château La Grolet gehört der Familie Hubert und liegt zwischen den Städten Blaye und Bourg. Jean-Luc Hubert stellte den Betrieb nach dem Kauf vor knapp 20 Jahren auf biodynamischen Anbau um. Die rund 28 Hektar Weinberge, die man im Gegensatz zu St.-Emilion oder Margaux tatsächlich auch bergig nennen kann, sind mit bis zu 40 Jahre alten Rebstöcken bepflanzt. Merlot, Cabernet Sauvignon und etwas Malbec stehen hier. Im fertigen Wein macht der Merlot den größten Teil aus, gefolgt vom Cabernet. Der Malbec ist hier wie anderswo eher als Salz in der Suppe zu verstehen.

Vor allem Säure und Tannin dieser Sorte sorgen für Struktur und Haltbarkeit. Die moderate Verweildauer im Barrique von einem knappen Jahr reicht aus, um einen stabilen, lagerfähigen Wein zu erzeugen. Dass die Fässer nur zu rund einem Drittel neue Gebinde in erster Belegung sind, stört nicht. Es unterstreicht die saftige, elegante Art der „Cuvée Tradition". Ein großer Wein aus einem unterschätzten Gebiet und aus einem großen Jahr.

Auch was von im Keller vergraben

Ich rate, die ersten zwei, drei Flaschen am besten jetzt ohne Dekantieren ins Glas und einfach Spaß haben mit einem bezahlbaren Bordeaux. Aber auf keinen Fall vergessen, ein paar Flaschen im Keller zu vergraben. Jahrgang und Stil des Châteaus bürgen dafür, dass der Wein auch noch in 10 Jahren schmeckt. (felix.eschenauer - cptn.cork)

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