Neue Wachau Part II: Im Graben sich regen und laben

Montag, 21. Februar 2011 | 09:13 Uhr | CPTN CORK | CPTN CORKS WEINTIPPS
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Der Spitzer Graben (Foto: Christoph Liebentritt)

DEUTSCHLAND (Berlin) - Die extremste Lage des Winzers ist der Offenberg. Im oberen Teil der Lage finden sich Einschlüsse von Glimmerschiefer und Paragneis. Vor allem durch den Schieferanteil sind die Weine vom Offenberg sehr vom Boden geprägt und brauchen oft mehr Zeit und Geduld zur Entwicklung. Für Terroirfans sicherlich die interessanteste Lage des Spitzer Grabens.

Der 2008er Riesling Smaragd Offenberg, hat 12,8 Prozent Alkohol und ist ein wahres Chamäleon. Ein feines Wesen, das sich hinter seinem mineralischen Umfeld versteckt und in alle Richtungen offen bleibt.

Im Glas ein helles Gelb, und schöne Schlieren. In der Nase ausgesprochen fein, mit zarter Frucht. Kaum zu glauben, dass solches Understatement in diesem Umfeld machistischer Weine gekeltert werden kann. Dann Zitrus und reife - nein - vollreife Mandarinen. Mitunter wie ein Vitamincocktail, dessen Anteil Karotten sich mit der Zeit verflüchtigt. Der Wein braucht Luft, um sein ganzes mineralisches Portfolio zu offenbaren. Und er braucht Zeit, um seine volle Pracht fast plakativ am Gaumen liegen zu lassen. Zuletzt verliert der Wein das Feminine und wandelt sich zum Macho - allerdings ohne Solariumbräune. Eher Antonio Banderas in Zorro, ein Frauenversteher.

Vom Offenberg zum Spitzer Point und zu einer Fassprobe eines Grünen Veltliner Smaragd aus dem Jahrgang 2010, der mich begeistern konnte. Ich bin ja kein Freund des Veltliners und stehe mit meiner Abneigung - wie so oft - eher alleine da. Doch so schön wie dieser Veltliner war selten einer: mineralisch, straff, spritzig, kräftig. Ja, das ist großer Stoff. Noch dazu aus einem - sagen wir - eher schwierigen Jahrgang, den der Captain ja vorschnell in Grund und Boden geschrieben hat.

Doch die Lage machts: der Spitzer Point ist nach Südwesten ausgerichtet und hat bis zu 60 Jahre alte Stöcke im Boden. Die jüngsten Pflanzen sind 25 Jahre alt, eine Lage, die ihre Mineralität durch abgeschwemmtes Sedimentationsgestein vom Setzberg erhält. Dieser Veltliner strahlt mit einem faszinierenden Spiel aus reifen Birnen, mineralischer Rauchigkeit und - ich trau es mich nach meinem letzten Artikel kaum zu sagen - weißem Pfeffer. Ich hasse diese Pfeffernummer, hier aber nicht, denn die Tiefe - in all ihrer feinen Nervigkeit - ist grandios. Mehr gibt es auch nicht zu sagen. (clemens.mally - cptn.cork)

...Sie haben den ersten Teil verpasst? - Hier lesen Sie alles über den Spitzer Graben, Donabaums Weinstil und was es mit dem Schwefel auf sich hat:

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