Mosel alt und Mosel neu, einer für beides - Part II: Ein Handwerkstück

Montag, 18. April 2011 | 09:35 Uhr | CPTN CORK | CPTN CORKS WEINTIPPS
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Von Bürokraten zum Qualitätswein ohne Geschmacksangabe degradiert, darf der Schimbock auf dem Etikett nicht zeigen, was er eigentlich ist (Foto: Vollenweider)

(Fortsetzung...) - Dieser neue alte Riesling kommt aus einer Parzelle des Trabener Würzgartens. Dem eingangs erwähnten Land namens Schimbock. Und sein Etikett erinnert an die Glanzzeit von Traben-Trarbach. Damals wurden hier mehr Weine gehandelt als in der Stadt Bordeaux.

Von Bürokraten zum Qualitätswein ohne Geschmacksangabe degradiert, darf der Schimbock auf dem Etikett nicht zeigen, was er eigentlich ist. Eine feinherbe, früher mal halbtrockene Auslese. Aber dieser Hinweis soll keine Voreingenommenheit provozieren, denn der Wein ist völlig anders, als man ihn erwarten würde. Der Wein ist einfach Schimbock, nicht mehr und nicht weniger. Hier sind der Weinberg und die simplifizierte Kellerarbeit wichtig. Und das lässt sich nicht mit zwei Begriffen erklären. Die Leute sollen schmecken und dann urteilen.

Vollenweiders 2008er Schimbock macht erst langsam auf. Hier kommen die ultratraditionelle Vinifikation und der etwas komplizierte Jahrgang zusammen. 2008 - in seiner Jugend auch von mir schwer unterschätzt - brachte langsame, aber sehr stabil reifende Rieslinge. Der sehr reduktive Ausbau des Schimbock tat ein übriges, so dass die Nase des Schimbock lange Zeit extrem verschlossen blieb. Und nach Hefe und Schwefel stank. Ich mag das, bin damit aber mit ein paar anderen Freaks ziemlich alleine.

Doch nach einigen Minuten Luft kommt schon die Würze des Schiefers durch. Dieses einmalige Aroma, das immer etwas an nassen Wingert, duftendes Heu, vielleicht auch altes Fass erinnert. Darunter mischen sich angeschnittene, pralle, saftige Pfirsiche und Stachelbeere, Guave, Avocado. Am Gaumen dann sehr schlank, salzig-jodig und final wieder Pfirsich. Diesmal aber eher die rote, raue, kleine Frucht aus den Weinbergen. Der Restzucker. Auch der wird mit einer Norm nicht hinreichend beschrieben. Er ist da und doch drängt er sich nicht auf.

Ein Wein der Gegensätze, der Tradition und Moderne eher verbindet, als dass er die Differenz markiert. Ein Handwerksstück, ein Einzelgänger. Und ein Beweis des Winzers. Für Denken und Können. (felix.eschenauer - cptn.cork) ...für Part I einfach dem Link folgen:

Mosel alt und Mosel neu, einer für beides - Part I: Bock auf Schimbock?

 

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